Dieter Zetsches Masterplan Daimler-Konzern soll dreigeteilt werden

Der Daimler-Vorstand hat erste Schritte eines großen Umbauplans beschlossen: Der Autokonzern soll künftig aus drei unabhängigen Sparten bestehen. Davon erhoffen sich die Stuttgarter mehr Schlagkraft gegen neue Rivalen wie Tesla oder Apple.

Daimler-Konzernzentrale in Stuttgart
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Daimler-Konzernzentrale in Stuttgart

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Daimler-Chef Dieter Zetsche hat großen Respekt vor Tesla. Der junge Konkurrent aus Kalifornien, sagte Zetsche vor einigen Monaten, habe die Elektromobilität vom "Müsli-Image" befreit. Das, so der Daimler-Boss, "ist der richtige Weg".

Auch Daimler will künftig neue Wege gehen, und dafür hat der Autobauer nun die Voraussetzungen geschaffen. Mit seinem Beschluss vom Montag gibt der Daimler-Vorstand seinem Boss Zetsche Rückendeckung für einen groß angelegten Umbau. Der Stuttgarter Konzern soll künftig kein einheitliches Konglomerat mehr bilden, sondern aus drei rechtlich unabhängigen Sparten bestehen:

  • Pkw-Einheit um die Kernmarke Mercedes-Benz
  • Lastwagen-Sparte
  • Dienstleistungsbereich

Verbunden sind diese Einheiten laut Zetsches Masterplan künftig nur noch über eine gemeinsame Muttergesellschaft: die Daimler AG.

Es wäre die größte organisatorische Neuordnung Daimlers seit der Trennung von der US-Marke Chrysler im Jahr 2007. "Wer dauerhaft wettbewerbsfähig und nachhaltig profitabel sein will", begründet Zetsche seine Pläne, "muss sich kontinuierlich weiterentwickeln und sich an schnell ändernde Umfelder anpassen können."

In einer internen Präsentation, die Ende September vor Mitarbeitern gehalten wurde, hieß es auch: "Wir müssen uns bewegen". Der Vortrag klang wie eine Warnung: Neue, aggressive Wettbewerber drängten in den Markt, darunter der US-Autobauer Tesla, der chinesische Taxidienst Didi oder der IT-Konzern Apple, der seit Jahren an selbstfahrenden Autos forscht.

Um gegen solche Konkurrenten auch in Zukunft bestehen zu können, braucht Daimler vor allem zwei Dinge. Erstens: starke Kooperationspartner, auch aus scheinbar branchenfremden Bereichen wie der IT-Welt. Zweitens: sehr viel Geld.

Die neue Struktur soll Daimler mehr Flexibilität verschaffen. Denkbar wären zum Beispiel Teilbörsengänge. Auf diese Weise könnte Daimler frische Milliarden einsammeln. Denn für die nächsten Jahre sind hohe Investitionen in Zukunftsgeschäfte wie Elektroautos oder Mobilitätsdienstleistungen geplant. Allein in den nächsten sieben Jahren will Daimler dafür 35 Milliarden Euro ausgeben.

Außerdem, so die Hoffnung, lassen sich für kleinere, spezialisierte Teilunternehmen leichter Kooperationspartner finden. Der Gedanke dahinter: Ein Softwarehersteller aus Kalifornien beispielsweise würde lieber nur mit Daimlers Dienstleistungssparte zusammenarbeiten statt mit einem ganzen Konglomerat, zu dem auch Fabriken für Lkw und Busse gehören. Hinzu kommen juristische Aspekte: Strategische Allianzen, beispielsweise Joint Ventures, sind mit kleineren Teilunternehmen einfacher zu gestalten.

Dem heutigen Vorstandsbeschluss sind monatelange Verhandlungen vorangegangen. Darin ist es Zetsche offenbar gelungen, auch die Arbeitnehmerseite von dem Megaprojekt zu überzeugen. Gewerkschafter und Betriebsräte hatten im Vorfeld gefordert, die Holding müsse ihren Sitz in Deutschland behalten. Außerdem forderten die Arbeitnehmer eine Zukunftssicherung bis 2029, also einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Nun haben sich Konzern und Betriebsrat auf ein entsprechendes Eckpunktepapier geeinigt.

Noch sei nichts definitiv entschieden, betont Daimler. Über die konkreten Details der sogenannten divisionalen Struktur werde noch verhandelt. Zunächst will der Autobauer einen dreistelligen Millionenbetrag in erste Maßnahmen investieren. Den offiziellen Startschuss für den Umbau soll dann die Daimler-Hauptversammlung im Frühjahr 2019 geben.

Die Zustimmung der Aktionäre dürfte allerdings reine Formsache sein. Investoren und Analysten kritisieren schon länger, die deutschen Autohersteller seien zu groß, zu komplex und zu langsam geworden. "Es ist an der Zeit, diese Mammutkonzerne zu verschlanken", sagt Arndt Ellinghorst vom Analysehaus Evercore ISI, "und in kleinere, effizientere Einheiten aufzuspalten".



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Nordstadtbewohner 16.10.2017
1. Eine richtige Entscheidung
Ich halte Zetsches Pläne für absolut richtig. So lässt sich das Unternehmen besser steuern und neue Teilunternehmen aufgebaut bzw. gegebenenfalls bei Unrentabilität abgebaut bzw. abgestoßen werden. Ich kann nur hoffen, dass VW nachzieht. Denn dieses Unternehmen steht schon zu lange unter der Knute des Betriebsrates und der Gewerkschaften.
noalk 16.10.2017
2. So so, ja ja ...
Und in ein paar Jahren werden die Bereiche dann wieder zusammengelegt, um Synergiepotentiale auszuschöpfen. Rin in die Kartoffen, raus aus die Kartoffeln ...
sisiphos 16.10.2017
3. Same procedure as every year
mal aufteilen, mal integrieren, dann wieder auslagern, dann wieder ... usw...! Bringt nichts außer Unruhe, aber die Geschäftsleitung tut was, und die Organisationsprobleme könnten auch im Verbund oder getrennt gelöst werden, so man die angehen will. Wer mit einer kleineren Firma kooperiert, schaut doch zuerst nach, von wem sie fremdgesteuert wird.
Brilly_Wandt 16.10.2017
4. Dahinter stecken noch andere Aspekte
entwickelt eine Tochtergesellschaft beispielsweise Software für autonomes Fahren, welche einen Bug enthält, der zu folgenreichen Unfällen führt, geht maximal die Tochterges. pleite. So eine Firma kann auch leichter Produkte an die direkte Konkurrenz verkaufen, ähnlich wie das von Airbus ausgegründete Premium Aerotec Bauteile für Boeing herstellt. Und schließlich: Wenn dann mal eines (vielleicht gar nicht mehr so fernen) Tages der persönliche Besitz von Transportvehikeln nicht mehr das zeitgemäße Geschäftsmodell darstellt, sondern man als Endnutzer nur noch Transportleistung bucht, bildet der Niedergang der Autohersteller-Aktie (bis hin zum Verkauf an Chinesen) und der Anstieg der Dienstleister-Aktie das wunderbar transparent ab.
nach-mir-die-springflut 16.10.2017
5. Öffentlichkeit abfüttern
Zetsche stellt pauschale Behauptungen auf, die niemand beweisen kann von außerhalb. Tesla ist definitiv kein Konkurrent, aber groß vermarktet und als Name ins Spiel gebracht. Apple ist branchenfremd, so, als wäre Ikea ein Rivale von Daimler. Es geht um Geld und um Investoren, die deutsche Unternehmen zerschlagen. Rein technisch haben die Sparten Pkw, Lkw und Dienstleistungen eh nichts miteinander zu tun. Argumente, Investoren hätten ungern mit einem Riesen zu tun, klingen fadenscheinig. Die Elektromobilität ist noch gar nicht ausgemachte Sache. Klingt nach dem nächsten Popanz, der aufgestellt wird. Man wird das Gefühl nicht los, es sind nur noch Lügen unterwegs.
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