Abgasskandal US-Ermittler belasten Daimler schwer

Daimler steht im Dieselskandal bereits unter Druck. Nun enthüllen vertrauliche Unterlagen laut einem Medienbericht, dass Ingenieure des Autokonzerns schon länger an der Legalität der Abgastests in den USA zweifelten.

Dieter Zetsche
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Dieter Zetsche


Im Dieselabgasskandal belasten US-Ermittlungsakten den Autokonzern Daimler erneut schwer. Aus vertraulichen Dokumenten der Ermittler geht hervor, dass Daimler-Mitarbeiter bereits vor der VW-Dieselaffäre daran zweifelten, US-Gesetze bei Straßentests (PEMS) einhalten zu können, das berichtet die "Bild am Sonntag". Interne Messungen hatten später teils verheerende Ergebnisse ergeben. So überschritten Mercedes-Modelle im Straßenbetrieb die Stickoxid-Grenzwerte um mehr als das Zehnfache.

Laut Unterlagen existierten bei Daimler gleich mehrere Softwarefunktionen, die vorrangig dazu entwickelt worden seien, den gängigen US-Abgastests auf dem Prüfstand zu entsprechen. Die Funktion "Bit 15" etwa sei so programmiert worden, dass die Abgasnachbehandlung nach 26 Kilometern den sauberen Modus verlässt. Zudem stießen die US-Ermittler auf eine weitere verdächtige Funktion, die im Fahrzeugkontrollsystem steckt. Dieser sogenannte "Slipguard" erkennt anhand von Geschwindigkeit oder Beschleunigungswerten, ob sich das Fahrzeug auf einem Prüfstand befindet oder auf der Straße.

Daimler steht im Dieselabgasskandal schon länger unter Druck; die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelt seit Frühjahr 2017 wegen möglichen Abgasbetrugs ebenso wie das US-Justizministerium.

Erst im vergangenen Jahr rief der Konzern europaweit mehr als drei Millionen Fahrzeuge zurück, um durch ein Software-Update den Schadstoffausstoß zu verringern. Wie auch andere Hersteller hatte sich Daimler mit dem KBA darauf geeinigt, bestimmte Fahrzeuge freiwillig in die Werkstätten zu beordern, um den Ausstoß schädlicher Stickoxide zu reduzieren.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte Abgastricks wie bei Volkswagen stets zurückgewiesen.

Die Unterlagen der US-Ermittler zeichnen ein anderes Bild. So zweifeln demnach in diversen Mails selbst Daimler-Ingenieure daran, dass die verwendeten Funktionen legal seien. Der Konzern wollte auf Anfrage der "Bild am Sonntag" die aufgetauchten Vorwürfe nicht kommentieren. "Wir werden uns zu weiteren Details der laufenden Untersuchung nicht äußern, da wir mit dem U.S. Justizministerium (DOJ) absolute Vertraulichkeit vereinbart haben", sagte ein Sprecher. "Wir kooperieren seit über zwei Jahren vollumfänglich und sorgen für umfassende Transparenz." Bezüglich der Grenzwertüberschreitungen in internen Messungen hieß es: "Den Behörden sind die Dokumente bekannt, und es ist zu keiner Anklage gekommen."

läs

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insgesamt 27 Beiträge
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balina258 18.02.2018
1. Alles die gleiche Mischpoke...
Es wundert mich nicht wirklich, dass jetzt offenbar auch Mercedes geschummelt hat. Wenn sich doch nur unsere Regierung an Beispiel an den Amis nehmen würde... Okay, ich gebe zu: Nicht alles, was in Amiland passiert, ist nachahmungswürdig. Aber das Vorgehen gegen die Autoindustrie schon.
ardbeg17 18.02.2018
2. Gääähn!
Dass Daimler ziemlich dasselbe gemacht hat wie VW und noch ein Riesenproblem bekommen wird, ist doch schon lange klar. Nicht, dass alle anderen ohne Tricks ausgekommen wären - aber Daimler hat es wie VW auch als ausländischer Konzern in den USA durchgezogen. Wenn ich mir die mediale Reaktion bei VW und die bei Daimler ansehe, hat Daimler eindeutig die bessere Lobbyarbeit gemacht. Und nochmals der obligatorische Hinweis: Im alten "Bericht der Untersuchungskommission Volkswagen" des KBA kann man schon sehen, dass auch bei Daimler eteas mächtig faul ist. Und bevor selbstzufriedene Fernost-Fans wieder die Moralkeule schwingen: Von asiatischen Dieseln gibt es im Gegensatz zu den dt. Herstellern bis heute nicht einen ordentlichen Strassentest.
redneck 18.02.2018
3.
Zeichen deutscher Ueberheblichkeit haben immer einen hohen Preis. Diesemal ists ein fast kompletter US Marktverlust und 50% des R&D der vergangenen 50 Jahre. Wobei das R&D war nicht allzuheftig: Olesaufende Billig Motoren, Hintere Starrachse, McPherson zusammgengehalten von etwas eingekaufter Software.
jj2005 18.02.2018
4. Stoppt den Grenzwert-Unsinn!
Es hat keinen Sinn, Grenzwerte zu erlassen, die dann regelmässig entweder nicht eingehalten werden, oder von fähigen Lobbyisten so aufgeweicht werden, dass sie wirkungslos bleiben. Stattdessen sollten REALE Emissionen und durchschnittliche jährliche Laufleistung auf der Basis von Stichproben ermittelt werden, und die Kfz-Steuer entsprechend angepasst werden. Nur der Druck auf den Geldbeutel kann die zweifellos grosse Kreativität deutscher Ingenieure in nützliche Bahnen lenken.
nach-mir-die-springflut 18.02.2018
5. Feindbild Diesel-Fahrer
Diese Diesel-Affäre ist maßlos und hat "Geschmäckle". Die USA sind ein großer Flächenstaat mit dem größten Energieverbrauch pro Kopf auf der Welt. Die US-Armee verbraucht an einem Tag so viel Benzin wie Schweden in einem Jahr. Es arbeiten die Klimaanlagen rund um die Uhr, nach effizienter Wärmedämmung bei Häusern kann man lange suchen, das Eigenheim wird auch monetär ganz anders bewertet als in Europa. Aber egal, die Politik, so irre und fragmentierend die Politiker sind, haben Grenzwerte beschlossen. Stickoxide, an einem Tag in der Küche beim Braten mehr davon eingeatmet als auf der Straße in einem Jahr, Ölgewinnung aus Ölsand hinterlässt tote Landschaften, Fracking pumpt Chemie ins Erdreich, Massentierhaltung und Düngen macht Böden und Grundwasser kaputt, alles egal, heute geht es um das, was aus dem Auspuff kommt. Was nicht klar wird beim Artikel, wie Daimler im Vergleich zu anderen Autoherstellern aussieht? Die Amerikaner fahren auch Diesel-Motoren, der Langhauber Freightliner ist ein Daimler-Fahrzeug. Wie machen es die anderen Hersteller in den USA, Toyota, Ford, General Motors, Chevrolet, sind die alle technisch besser als Daimler, so dass es bei Daimler doch nicht um Betrug gehen kann, sondern nur darum, technisch den Anschluss verpasst zu haben.
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