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Autoindustrie: Hase Mercedes, Igel BMW

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Bestwerte bei Absatz und Gewinn: Die Aktionäre von Daimler, die sich heute in Berlin zur Hauptversammlung treffen, könnten zufrieden sein. Doch die Zahlen von BMW sind besser - und der Konkurrent vergrößert den Vorsprung sogar noch.

"Die ersten Resultate unserer Strategie machen vor allem eines: Appetit auf mehr", sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche. Endlich kann der Mann mit dem Schnauzbart Erfolgszahlen präsentieren. Mercedes-Benz, die Pkw-Tochter des Daimler-Konzerns, hat so viele Autos verkauft wie nie zuvor, die Dividende wird erhöht, der Aktienkurs legt ordentlich zu, und auch in der Formel 1 gibt es wieder Siege für das Silberpfeil-Team.

Alles bestens also bei Daimler? Keineswegs. Erst im Vergleich mit dem ewigen Konkurrenten BMW zeigt sich, ob Mercedes-Benz wirklich wieder Spitze in der Premiumklasse ist. Doch dieser Vergleich fällt in den wesentlichen Kategorien zum Nachteil von Mercedes-Benz aus. Beginnen wir mit der Rendite, die zeigt, wie erfolgreich ein Konzern wirtschaftet, und mit einem Rätsel.

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Mercedes-Benz: Gute Autos, hohe Kosten
Mercedes-Benz verkauft seine Fahrzeuge zu einem Durchschnittspreis von 41.000 Euro. BMW erlöst nur 36.000 Euro. Die Münchner verkaufen mehr Autos in den unteren Klassen, mehr 1er, 3er und Mini, während Mercedes-Benz im teuersten Segment, der Oberklasse, mit seiner S-Klasse führt. In der Branche gilt die Regel: große Autos, großer Gewinn. Mercedes müsste deshalb höhere Profite einfahren. Doch die Rendite der Stuttgarter im Pkw-Geschäft liegt bei 6,2 Prozent, BMW schafft 9,4 Prozent. Warum nur?

Die Antwort: Daimler hat, trotz ständig neu aufgelegter Sparprogramme, seine Kosten nicht im Griff. Dies zeigt die neue C-Klasse. Die Entwickler sollten das Fahrzeug deutlich leichter machen, damit es weniger Benzin verbraucht. Sie folgten dem eigenen Werbe-Slogan: "Das Beste oder nichts". Die Karosserie besteht aus einem Mix aus Stahl, Aluminium und mit Kohlefaser verstärkten Kunststoffen. In der Produktion ist dieser Materialmix extrem aufwendig. Das Modell wurde rund tausend Euro teurer als geplant. Die Rendite beträgt beim Start gerade mal vier Prozent.

BMW holte McKinsey-Berater ins Haus

Im Gegensatz zu Daimler beherrscht BMW die Kunst, neue Technologien einzuführen und gleichzeitig die Kosten unter Kontrolle zu halten. BMW-Chef Norbert Reithofer lässt Ausreißer erst gar nicht zu. Im vergangenen Jahr holte er die Berater von McKinsey ins Haus, weil einige Bereiche meldeten: Sie könnten die Kostenvorgaben nicht einhalten. Das Engagement der Berater gilt intern als eine Art Höchststrafe. Sie wirkte. Die Kosten wurden gesenkt. Weil BMW zudem über ein besseres Baukastensystem verfügt, aus dem unterschiedliche Modelle mit vielen Gleichteilen abgeleitet werden, bleiben die Münchner profitabler als Mercedes-Benz. 2012 ist der Vorsprung noch gewachsen.

Auch einem weiteren Ziel ist Daimler nicht näher gekommen. Bis 2020 soll Mercedes-Benz mehr Autos als BMW und Audi verkaufen. Die Nummer zwei in der Oberklasse, Audi, kann Mercedes-Benz möglicherweise in diesem Jahr einholen, nicht aber die Nummer eins, BMW. Im vergangenen Jahr verkaufte BMW (mit Mini und Rolls Royce) 1,9 Millionen Fahrzeuge, Mercedes-Benz (einschließlich Smart) 1,5 Millionen. Auch hier ist der Vorsprung der Münchner im Vergleich zum Jahr zuvor sogar noch leicht (4000 Autos) gestiegen.

Fazit: Daimler-Chef Zetsche kann sich zwar freuen über Gewinn- und Absatzzahlen, die für Mercedes Rekordwerte darstellen. Von seinem Ziel, den Stuttgarter Hersteller wieder zur führenden Premiummarke zu machen, ist er aber noch weit entfernt. An der Spitze steht weiter BMW. Es ist wie in der Fabel vom Hasen und dem Igel: Ganz gleich, wie sehr sich Mercedes abmüht - BMW ist schon dort, wo die Stuttgarter hinwollen.

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insgesamt 57 Beiträge
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1. 4000 Autos ?
abwägig 09.04.2014
sind es nicht 400.00
2. Warum eigentlich...
rokker3333 09.04.2014
sind 4% Rendite zu wenig? Tolles Auto, innovative Technologie und Gewinn beim Verkauf - sollte doch reichen. Ausserdem ist der Artikel ungenau: 4% bezogen auf was? Herstellungskosten ? Mit oder ohne Entwicklungskosten?
3. Soso ...
to_see 09.04.2014
der GLK ist also "eine Ausnahmeerscheinung" und ein "riesiger SUV der in erster Linie für den amerikanischen Markt konzipiert ist". Informieren Sie sich bitte besser!
4. und es ist nie genug. Gier über alles.
lexus1234 09.04.2014
Es ist nur noch pervers. Daimler ist wieder spitze und alles was berichtet wird ist: reicht nicht, wollen NOCH mehr. Die Gier kennt keine Grenzen mehr. Es ist eine Beleidigung für jeden Benz Mitarbeiter.
5. Fotostrecke, letztes Bild
hopenhauer 09.04.2014
Es ist zwar alles relativ, aber der GLK wird üblicherweise als Kompakt-SUV bezeichnet. Da hat wohl jemand den GL gemeint.
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