Daimler-Hauptversammlung Zetsche stimmt Aktionäre auf sinkende Gewinne ein

Der Umbruch der Autobranche wird Daimler viel Kraft kosten. Konzernchef Zetsche verkneift sich bei der Hauptversammlung denn auch den großen Jubel über die Rekordzahlen für 2017 - und weist lieber auf die Gefahren hin.

Daimler-Chef Dieter Zetsche
DPA

Daimler-Chef Dieter Zetsche


Auch die jüngsten Rekordzahlen bei Daimler können die Zukunftssorgen vieler Aktionäre des Autobauers nicht vertreiben. Dieselskandal, Kartellvorwürfe, geplanter Konzernumbau und die Herausforderungen der Elektromobilität - stundenlang mussten Vorstand und Aufsichtsrat bei der Hauptversammlung am Donnerstag in Berlin Fragen der Anteilseigner zu den Dauerbrennern der vergangenen Monate beantworten.

Die Aktionäre fürchten unter anderem hohe Strafzahlungen im Zusammenhang mit dem Diesel-Abgasskandal sowie für den Fall, dass Daimler die in Zukunft geltenden CO2-Ziele der Europäischen Union für Mercedes-Benz-Fahrzeuge nicht einhalten kann.

Viel Redebedarf hatten die Aktionäre auch zum Einstieg des Gründers des chinesischen Autokonzerns Geely, Li Shufu, bei Daimler. Der Milliardär hatte Anfang Februar knapp zehn Prozent der Anteile gekauft und war damit auf einen Schlag größter Einzelaktionär geworden. Etliche Nachfragen brachten aber kaum Neues zu den Folgen dieses Einstiegs ans Licht. Die Antworten von Vorstandschef Dieter Zetsche und Finanzvorstand Bodo Uebber wiederholten nur wie auswendig gelernt die vorbereitete Sprachregelung dazu: Li sei in erster Linie als Aktionär zu betrachten.

Kritik von Aktionärsschützern

Kritik gab es auch an der durchwachsenen Entwicklung des Aktienkurses. "Es liegt ein Schleier auf den Automobilwerten und auch über unserer Daimler AG", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Marc Tüngler. Fondsmanager Ingo Speich von Union Investment verwies auf Sorgen am Kapitalmarkt, dass es angesichts der Bestwerte bei Absatz, Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr nicht mehr besser werden könne und nach den fetten auch wieder magere Jahre kämen.

Vor allem vom Wachstum in China getrieben, hatte Daimler 2017 so viele Fahrzeuge wie noch nie verkauft - was letztlich auch zu Bestwerten in der Bilanz führte. Bei einem Umsatz von 164,3 Milliarden Euro (plus sieben Prozent) verdienten die Stuttgarter vor Zinsen und Steuern 14,7 Milliarden Euro - 14 Prozent mehr als im Jahr davor. Beim Gewinn, der unterm Strich auf die Aktionäre entfällt, fiel das Plus noch weitaus deutlicher aus. 10,5 Milliarden Euro bedeuten einen Zuwachs um 23 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Doch die Stimmungslage gebietet derzeit eher Zurückhaltung statt zu großes Selbstlob. Und so bereitete Zetsche die Aktionäre schon einmal vorsichtig auf die Folgen vor, die die massiven Investitionen in die Elektromobilität auf die Bilanz der kommenden Jahre haben könnten. "Mehr Elektroautos sind gut für die CO2-Bilanz. Aber nicht so gut für unsere Konzernbilanz - jedenfalls vorübergehend", sagte Zetsche. Der Wandel hin zu einer emissionsfreien Mobilität sei eine betriebswirtschaftliche Herausforderung.

Fotostrecke

11  Bilder
Premiere Mercedes A-Klasse: Endlich bald knopflos

Daimler will das erste vollelektrische Auto der Marke EQ von 2019 an produzieren, neun weitere Modelle sollen folgen. Zudem soll es bis 2022 in jedem Mercedes-Segment eine elektrifizierte Variante geben.

Um die Investitionen stemmen zu können, hatte Zetsche in der Pkw-Sparte Mercedes-Benz im vergangenen September bereits ein neues Sparprogramm aufgelegt, das über die kommenden Jahre einen Spielraum von zusätzlichen vier Milliarden Euro liefern soll. Unter anderem sollen Produkte schneller auf den Markt gebracht werden, bei den Material- und Produktionskosten wollen die Stuttgarter effizienter werden.

Am Donnerstag betonte Zetsche erneut auch die Bedeutung des Diesels für die Senkung des Kohlendioxidausstoßes. Mit modernen Verbrennungsmotoren könnten die Kohlendioxidemissionen des Straßenverkehrs gesenkt werden. "Insbesondere der Diesel spielt dabei eine wichtige Rolle", sagte Zetsche. Die Selbstzünder der neuesten Generation seien nicht das Problem, sondern ein wichtiger Teil der Lösung.

Diesel fehlt für die CO2-Bilanz

Seitdem bei Volkswagen 2015 der Skandal um Abgasmanipulationen ans Licht kam, geht der Dieselabsatz jedoch immer stärker zurück. Die Diskussion über Fahrverbote für Diesel-Pkw in einigen Städten verschreckte die Verbraucher zusätzlich. Die wachsende Nachfrage nach Benzinern aber bringt die Autohersteller in die Bredouille, weil sie erheblich mehr CO2 ausstoßen als Selbstzünder und Mercedes zugleich jedes Jahr mehr schwere SUV (mit höherem Verbrauch) verkauft. Die Folge: Der CO2-Wert der gesamten Flotte stieg im vergangenen Jahr um weitere zwei auf 125 Gramm. Das von der EU für 2021 festgelegte Ziel von 95 Gramm rückt damit in weite Ferne.

Fahrverbote lehnte Zetsche jedoch explizit ab, und ebenso die inzwischen von vielen geforderte Hardwarenachrüstung von Dieselautos: Daimler befürworte, "was technisch sinnvoll und finanziell verantwortbar" sei. "Hierfür sind die angekündigten Software-Updates für über drei Millionen Fahrzeuge eine wirksame und vergleichsweise schnelle Lösung."

mik/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.