Datenaffäre bei der Bahn Mehdorn droht keine Schadensersatzklage

Er könnte mit einem blauen Auge davonkommen: Ex-Bahn-Chef Mehdorn muss nach SPIEGEL-Informationen keine Schadensersatzklage wegen der Datenaffäre fürchten. Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt allerdings weiter.

Ex-Bahn-Chef Mehdorn: Keine "aktive Mitwirkung" nachgewiesen
ddp

Ex-Bahn-Chef Mehdorn: Keine "aktive Mitwirkung" nachgewiesen


Hamburg - Der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und seine früheren Vorstandskollegen müssen wohl nicht mehr damit rechnen, vom Aufsichtsrat wegen der Schnüffel- und Datenaffäre auf Schadensersatz verklagt zu werden. Dies geht aus einem "streng vertraulichen" Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse-Coopers (PwC) vom 7. August hervor, das dem SPIEGEL vorliegt.

Darin kommen die Prüfer zu dem überraschenden Schluss, dass trotz massiver Verstöße gegen diverse Gesetze und Richtlinien ein aktienrechtliches "Verschulden der Vorstandsmitglieder nicht festgestellt werden konnte". Eine "aktive Mitwirkung" habe man nicht ausmachen können.

Eine Schadensersatzklage gegen die Altvorstände, so das Fazit des Gutachtens, habe deshalb mit "überwiegender Wahrscheinlichkeit keine Aussicht" auf Erfolg.

Im Frühjahr dieses Jahres waren Mehdorn und weitere Vorstandskollegen bei der Bahn ausgeschieden, nachdem immer mehr Details über die teilweise lückenlose Überwachung von Mitarbeitern bekanntgeworden waren. In diesem Zusammenhang hatten die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG und die als Sonderermittler eingesetzten Anwälte Gerhart Baum und Herta Däubler-Gmelin 55 Fälle mit zum Teil eklatanten Verstößen gegen Gesetze und Richtlinien festgestellt.

Offen geblieben war die Frage, ob Mehdorn und seine Vorstandskollegen für die millionenschweren Schäden bei der Bahn haftbar gemacht werden könnten. Diese Frage sollte PwC nun im Auftrag des Bahn-Aufsichtsrats klären. Völlig sicher sind Mehdorn und seine Kollegen trotzdem nicht. Immer noch ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft in dem spektakulären Fall.

wal



insgesamt 469 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Reziprozität 02.04.2009
1.
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
Man weiss sehr wenig ueber Herrn Grube und kann sich demzufolge der Beurteilung nicht sicher sein. Dies gilt nicht fuer Herrn Sarrazin, der ja auch als Kandidat gehandelt wurde. Dem haette ich es zugetraut.
uwp-berlin 02.04.2009
2.
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
... es können qua Herkunft und Qualifikation sowieso nur die Kameraden der Automobilindustrie oder die Herren der Luftflotte für das sorgen, was die Schiene braucht. Von Danaergeschenk sollte da keiner reden.
Rainer Eichberg 02.04.2009
3.
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
Der ewige Fehler ist doch zu glauben, daß Entscheidungen von einer einsamen Person an der Spitze getroffen werden. Herr Grube hat sich anderswo längst seine Meriten verdient. Jetzt steht er halt der Bahn vor. Na und? Das ist wie dem Bundeskanzler oder dem Bundes-Horst: Die müssen vor die Kamera treten und was rein sprechen. Am Entscheidungsprozess sind sie doch nur marginal vertreten.
chagall1985 02.04.2009
4. Meine Einschätzung von Mehdorn!
Er hat es geschafft die Bahnhöfe vom Schmuddelimage zu befreien (zumindest die grossen). Er hat es geschafft, dafür zu sorgen das man sich gerne in die Bahn setzt. ER hat aus vergammelten IC hochmoderne ICE gemacht. Wo er absolut versagt hat: Es ist keine Leistung mit einem quasi Monopolisten Gewinn zu machen wenn man ständig die Preise über der Inflationsrate erhöht. Es ist absolut verfehlte Politik ICE3 zu kaufen und die auf strecken fahren zu lassen wo sie genauso dahinkriechen wie ein IC. Dabei aber 40% mehr Geld kosten. Ein schicker und moderner Bahnhof ist auch wenig wert wenn die Preise für die Ticktets ständig steigen und die Ausfälle und Verspähtungen auch nicht besser werden. Ein ICE Fahrpreis bei dem man einem Stehplatz im Gang mit 5 Cm Bewegungsfreiheit bekommt ist eine Frechheit. Das Tarifsystem der Bahn ist ebenfalls auf Mehdorn Mist gewachsen und eine absolute Frechheit und Caos pur. Alleine die Trennung der Fahrpreise bei Schalter und Internetbuchung sind keinem zu vermitteln. Nicht das die Preise sich nicht unterscheiden dürfen! Aber das ein Schaltermitarbeiter keinen Zugriff und keine Ahnung von Internetangeboten hat ist ein Witz!! Im Grunde steht die Bahn durch Mehdorn am Abgrund! Begründung: Die Bahn ist ein Zomie ähnlich wie die Lufthansa in den 90'er Jahren. Wenn der erste grosse Konkurrent kommt und wie Ryanair die BRanche durchwirbelt trudelt die Bahn in den Abgrund. Die Menschen wollen schnell, verlässlich und günstig von einem Ort zum anderen kommen. Die Bahn ist durch die mangelnden Hochgeschwindigkeitsstrecken nicht schnell. Die Bahn ist nicht verlässlich. (KOnkurrenten wie die NWB machen es vor) Und günstig ist die Bahn schon gar nicht! Ich komme mit dem Flieger von Bremen nach Finnland für den Preis den die Bahn nach Hamburg verlangt!
Sgt_Pepper, 02.04.2009
5. ?
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
Ob Herr Grube der richtige Mann für die DB ist, sollte man in ca. einem Jahr wissen. Das heute zu beantworten, ist unmöglich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.