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Datendiebstahl: Internet-Betrüger plündern Emissionshandelsregister

Bei einem Online-Angriff auf das amtliche Register für Emissionshandel sind möglicherweise Verschmutzungsrechte im Millionenwert gestohlen worden. Laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" verkauften die Täter die Zertifikate umgehend weiter - auch deutsche Firmen sollen betroffen sein.

Kohlekraftwerk in Deutschland: Großangelegter Diebstahl von Zertifikaten Zur Großansicht
Getty Images

Kohlekraftwerk in Deutschland: Großangelegter Diebstahl von Zertifikaten

Hamburg - Ein groß angelegter Datendiebstahl hat offenbar die amtlichen Register für den Emissionshandel in halb Europa lahmgelegt. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" überarbeiten die betroffenen Behörden derzeit ihre Sicherheitssysteme, nachdem Internetbetrüger am vergangenen Donnerstag die Zugangsdaten zahlreicher Unternehmen erbeuteten.

Die Kriminellen hätten die Verschmutzungsrechte weiterverkauft, so das Blatt. "Der Angriff war hochprofessionell", sagte ein Mitarbeiter der Deutschen Emissionshandelsstelle (DEHSt) in Potsdam. Das Bundeskriminalamt ist eingeschaltet.

Den Rechtehandel der Broker oder die Energiebörse EEX soll durch den Hackerangriff nicht beeinträchtigt sein. Die dabei notwendigen Eintragungen in amtliche Datenbanken sind derzeit aber nicht möglich. Die Stelle in Potsdam hat am Freitag den Betrieb eingestellt. "Dabei bleibt es mindestens für den Rest dieser Woche", sagte eine Sprecherin.

Am Montag waren auch Schwesterbehörden in Belgien, Dänemark, Spanien, Ungarn, Italien, Griechenland, Rumänien und Bulgarien geschlossen. Die laufenden Transaktionen sollen später in die Register nachgetragen werden.

Gefälschte E-Mail schöpfte sensible Daten ab

Nach Informationen der "FTD" täuschten die Betrüger in einer E-Mail an mehrere europäische sowie einige japanische und neuseeländische Unternehmen eine Mitteilung der Potsdamer DEHSt vor. Darin habe es ironischerweise geheißen, zur Abwehr drohender Hackerangriffe müssten sich die Empfänger neu registrieren.

Anschließend übertrugen die Täter angeblich Emissionsrechte auf Konten vor allem in Dänemark und Großbritannien. Von dort wurden sie weiterverkauft. Die neuen Besitzer gehen wahrscheinlich davon aus, dass sie die Rechte legal erworben haben.

Die Höhe des Schadens ließ sich noch nicht eingrenzen. Allein in Deutschland ergab die Überprüfung von einigen Dutzend Transaktionen bereits neun Betrugsfälle. Wenn sich die Täter nicht ermitteln lassen, bleiben die Betroffenen auf den Schäden sitzen. Allein ein mittelständischer Industriebetrieb verlor nach "FTD"-Informationen Rechte im Wert von 1,5 Millionen Euro. Betroffen sind neben Industrieunternehmen auch Stromversorger und Händler.

Laut der Zeitung sind die Zertifikate durch Nummern zu identifizieren. Bei grenzüberschreitendem Handel sei eine Nachverfolgung aber nur über das internationale Klimasekretariat UNFCCC möglich. "Wir haben beim UNFCCC einen Antrag auf Rückabwicklung der betrügerischen Vorgänge gestellt", sagte ein Mitarbeiter der DEHSt. Die Chancen schätzte er aber als gering ein.

jok

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 36 Beiträge
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1. Diebstahl oder nicht ;-)
Michael KaiRo 02.02.2010
Zitat von sysopBei einem Hackerangriff auf das amtliche Register für Emissionshandel sind möglicherweise Verschmutzungsrechte im Millionenwert gestohlen worden. Laut "Financial Times Deutschland" verkauften die Täter die Zertifikate umgehend weiter. Auch deutsche Firmen sollen betroffen sein. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,675630,00.html
Interessanter juristischer Aspekt, ergibt sich daraus. Ist es Diebstahl, wenn nur theoretischer Müll geklaut wird *ggg Nachdem die Bundesregierung schon dunkle Geschäfte tätigen darf, ist es wohl ...
2. Schilda
jgb 02.02.2010
Da waren die Schildbürger ja Waisenkinder
3.
Newspeak, 02.02.2010
Sehr begrüßenswert diese Hackerattacke. Es soll doch wohl nicht im Ernst behauptet werden, hier sei ein wirklicher Schaden entstanden? Imaginäre Verschmutzungsrechte im Wert von imaginären Millionen sind von einem Computer auf einen anderen transferiert worden. Lächerlich, dieser ganze Ablaßhandel. Nur ein weiteres dubioses Finanzkonstrukt voller heißer Luft zur Erzeugung imaginärer Werter und realer Krisen. Hoffentlich schadet die ganze Aktion wenigstens den Energieriesen.
4. Der
disisit 02.02.2010
äh..Ö.missionshandel gehört abgeschaft. Der beschleunigt den Niedergang des Lebensstandards von Millionen Menschen in Europa. Ressourcenschonende Ersatzbeschaffungen kann man auch ohne diesen Furzhandel organisieren.
5. Imaginäre Strafe
nostrodomus 02.02.2010
Zitat von NewspeakSehr begrüßenswert diese Hackerattacke. Es soll doch wohl nicht im Ernst behauptet werden, hier sei ein wirklicher Schaden entstanden? Imaginäre Verschmutzungsrechte im Wert von imaginären Millionen sind von einem Computer auf einen anderen transferiert worden. Lächerlich, dieser ganze Ablaßhandel. Nur ein weiteres dubioses Finanzkonstrukt voller heißer Luft zur Erzeugung imaginärer Werter und realer Krisen. Hoffentlich schadet die ganze Aktion wenigstens den Energieriesen.
Dieses "Verbrechen" sollte mit einer sehr hohen imaginären Strafe geahndet werden.
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Weniger CO2 durch Emissionshandel
Kohlendioxid-Reduktion
AP
Die Unterzeichner des Kyoto-Protokolls wollen den Ausstoß von Klimagasen reduzieren. Die Europäische Union etwa hat sich verpflichtet, ihre Gesamtemissionen in den Jahren 2008 bis 2012 gegenüber dem Stand des Jahres 1990 um acht Prozent zu senken. Deutschland will bis 2012 rund 21 Prozent weniger CO2 ausstoßen als noch 1990.

Durchschnittlich wollen die Kyoto-Vertragsstaaten zunächst bis 2012 durchschnittlich 5,2 Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen als im Durchschnitt des Jahres 1990. Sechs Treibhausgase werden in einem Zusatz zum Protokoll genannt: Kohlendioxid, Methan, halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (HFCs), Perfluorkohlenwasserstoffe (PFCs), Lachgas (Distickstoffmonoxid) und Schwefelhexafluorid.
Verschmutzung nach Ländern
AP/ NASA
Über den Handel mit Abgasrechten sollen Industrie und Energieerzeuger zu Einsparungen beim Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) gezwungen werden. Dafür wurde EU-weit das European Trading Scheme (ETS) eingeführt. Darin wird auch festgelegt, welche Regierungen wie viele Verschmutzungsrechte verteilen dürfen.

Die nationalen Regierungen teilen Energiesektor und Industrie diese Abgasrechte für jeweils eine Handelsperiode zu. In Deutschland erfolgte dies bislang gratis, künftig wird ein Teil der Zertifikate auch versteigert. Firmen, die mehr CO2 ausstoßen als erlaubt, müssen Strafe zahlen. Verkehr, Haushalte, Gewerbe, Handel und der Dienstleistungssektor müssen an dem System bislang nicht teilnehmen.
Verknappung und Handel
AFP
Fehlende Berechtigungen müssen an der Börse gekauft oder der CO2-Ausstoß muss über Modernisierungen entsprechend reduziert werden. Wer viel Treibhausgas einspart, kann mit dem Verkauf von Zertifikaten Geld verdienen.

Die geplanten Zuteilungen werden in Deutschland im sogenannten nationalen Allokationsplan (NAP) zugewiesen. Der erste NAP deckte die Handelsperiode von 2005 bis 2007 ab. Der NAP II läuft von 2008 bis 2012. Pro Jahr werden der Energiewirtschaft und der Industrie Emissionsrechte für 453 Millionen Tonnen CO2 zugestanden.

Kritiker fordern, dass die Zertifikate höchstbietend versteigert und nicht verschenkt werden sollen. Ebenso wird gefordert, weitere Quellen von Klimagasen in das System einzubeziehen, beispielsweise den Flugverkehr.

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Globale Erwärmung: Sicherheitsrisiko Klimawandel
Interaktive Grafik
Klimaschutz-Index 2009: Die 10 größten CO2-Emittenten


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