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Datenleck: Finanzdienstleister AWD bestätigt weitere Datenpanne

Interne Abrechnungen von rund 1500 Vertretern des Finanzdienstleisters AWD sind vor zwei Jahren in fremde Hände geraten, wie jetzt bekannt wurde. Der Konzern erstattete damals Strafanzeige. Am Freitag hatte AWD bestätigt, dass Zehntausende Kundendaten entwendet worden waren.

AWD-Zentrale in Hannover: Interna im Internet, Kundendaten im Umlauf Zur Großansicht
dpa

AWD-Zentrale in Hannover: Interna im Internet, Kundendaten im Umlauf

Frankfurt/Main - Beim Finanzdienstleister AWD Chart zeigen ist ein weiteres Datenleck bekanntgeworden. Das Unternehmen erstattete nach eigenen Angaben im Sommer 2007 Strafantrag, nachdem interne Abrechnungen von etwa 1500 Handelsvertretern aus den Jahren 2003 und 2004 ins Internet gestellt worden waren. Es habe sich nicht um Kundendaten gehandelt, betonte AWD-Sprecher Bela Anda am Samstag. Am Freitag hatte der NDR berichtet, ihm seien 27.000 Datensätze von Kunden des Hannoverschen Unternehmens zugespielt worden.

Die "Neue Westfälische" meldete, eine AWD-kritische Website habe auf 26 Seiten Daten von Vertretern des Finanzdienstleisters aufgelistet, darunter Mitarbeiternummern, Namen, Datum des Firmeneintritts, Vergütungsstufen, Kontokorrent-Konten, Stornoreserven, Darlehen, Vorschüsse und monatliche Einnahmen. AWD erklärte dazu, die Staatsanwaltschaft Hannover habe ihre Ermittlungen 2007 mit der Begründung eingestellt, die Website werde über einen Server in den USA betrieben.

"Hinweise auf den oder die Täter könnten also allenfalls durch Ermittlungen in den USA erlangt werden. (...) Aus zahlreichen anderen Ermittlungsverfahren ist jedoch bekannt, dass Rechtshilfeersuchen in die USA nicht erfolgversprechend, sind", erklärte die Staatsanwaltschaft laut AWD. Das Unternehmen habe daraufhin bei Suchmaschinenanbietern interveniert. Es sei "teilweise gelungen, dass diese die entsprechenden Seiten aus ihren Suchanzeigen genommen haben." Außerdem habe man die Datenschützer des Bundes und Hamburgs um Unterstützung gebeten, allerdings vergeblich.

"Kunden nach 2001 nicht betroffen"

"Der Vorgang zeigt, dass ein wirksamer Schutz von Daten seine Grenzen in der kriminellen Energie von Menschen findet", erklärte Anda zu der Datenaffäre. Am Freitag war eine Datenpanne bei AWD bekanntgeworden. NDR Info wurden nach eigenen Angaben insgesamt 27.000 Datensätze zugespielt, die Kundennummer, Adresse, Telefonnummer, Berufsbezeichnung, Geburtstag und die Vertragsabschlüsse der einzelnen Kunden enthalten. AWD erklärte, es seien keine sensiblen Angaben "im Sinne des Datenschutzes in den vorgelegten Daten, insbesondere keine Konto- oder Bankverbindungen der Kunden". Das Unternehmen habe Anzeige gegen Unbekannt erstattet.

Dazu sagte Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein im Norddeutschen Rundfunk, mit denen dem NDR vorliegenden Daten "können Sie doch genau absehen, was das für Leute sind, wie viel Geld die haben. Und schlimmstenfalls geraten solche Daten in Hände von Leuten, die kriminell sind und wissen, wo sie was holen können."

AWD erklärte am Samstag: "Nach den AWD vom NDR vorgelegten Daten sind Kunden, die nach 2001 über AWD Verträge abgeschlossen haben nicht betroffen. AWD hat die ihm genannten Kunden informiert." Das Unternehmen bitte den Sender, "dass dieser unter Wahrung des Informantenschutzes die in seinem Besitz befindlichen AWD-Kundendaten der Staatsanwaltschaft Hannover übergibt".

ore/AP/dpa

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Forum - Datenschutz - Adresshandel einschränken?
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1.
Galaxia, 08.05.2009
Zitat von sysopAdresshandel nur noch mit Zustimmung der Betroffenen - eine Novelle des Datenschutzgesetzes soll Verbraucher vor nerviger Werbepost schützen. Eine gute Initiative oder eher schädlich für die Konjunktur?
Ueberfaellig.
2.
Rainer Helmbrecht 08.05.2009
Zitat von sysopAdresshandel nur noch mit Zustimmung der Betroffenen - eine Novelle des Datenschutzgesetzes soll Verbraucher vor nerviger Werbepost schützen. Eine gute Initiative oder eher schädlich für die Konjunktur?
Die Schwierigkeit liegt in zwei Feldern. Erstens in der Freizügigkeit der Betroffenen, die selber nicht wissen, dass sie Teil des Geschäfts sind. Zweitens wird man sich dieser Zustimmung nur schwer entziehen können, weil die kaum zu verifizieren ist, seit wann die existiert und dann noch die verklausulierten Verträge, bei denen die Zustimmung heraus "gelesen" werden. Außerdem können Zustimmungen auch abgefordert werden. Nach dem Motto, wenn Sie die Zustimmung verweigern, werden Leistungsbeschränkungen ausgesprochen. Wie weit gilt denn eine Zustimmung? Bei der Verflechtung der Firmen und dem Zusammenlegen von Geschäftsbereichen, ist der Urheber kaum noch auszumachen. Das ist Augenwischerei und Schaumschlägerei, weiter nichts. MfG. Rainer
3.
mystyhax 08.05.2009
Ich habe vor wenigen Wochen eine Sendung im ZDF zum Thema Datenschutz gesehen. In diesem Zusammenhang wurden die Gesetztesnovelle vorgestellt und illustriert wie die Interessensverbände versuchen diese auszuhölen bzw. ganz zu stoppen. Das ganze nennt sich "palamentarisches Frühstück"!!! Hierzu werden vornehmlich die Fraktionen der Bundesregierung eingeladen um generell Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Ich konnte kaum Glauben wie das abläuft und als ich den Spon Artikel zum Thema las kam mir die Galle hoch. Es war nämlich gerade Herr Bosbach der offensichtlich aus der Lokalität des parlamentarischen Frühstücks der Werbe- und Marketing Industrie kam. Für ein Interview stand er nicht zur Verfügung und schob eine Kollegin vor (ebenfalls CDU - Fraktion). Wer nun eins und eins zusammenzählt wird nun wissen warum das Gesetz nun verwässert, verzögert oder gar komplett eleminiert wird. Der einzige der kein Lobbybüro in Berlin hat ist wahrscheinlich der Bürger insbesondere der Steuerzahler. So viel zum Thema "Volksvertreter". Ich bin grundsäztlich der Meinung man sollte diesen Begriff abschaffen!
4.
Adran, 08.05.2009
Adressenhandel abschaffen!!!! Callcenter und Werbeflut kann einem auf den Sack gehn..um das mal noch sehr sehr höfflich auszudrücken..
5. Es geht besser
Marc Schaut 08.05.2009
Parlamentarische demokratie hat so ihre Tücken. Da haben wir es mal wieder. Lobbyisten untergraben den Verbraucherschutz. Das ist eines von vielen Beispielen. Gentechnik im Essen ist auch so ein Thema. Da können 70% der Bevölkerung dagegen sein, die Lobbyverbände setzen ihre Interessen durch. Deshalb direkte Demokratie. Damit die Bevölkerung nicht zum Spielball von Einzelinteressen wird. Schöner Gruß Marc Schaut www.kanzler.zdf.de Youtube: Ich kann Kanzler
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