Verfrühte E-Mail an Goldman Sachs Datenpanne erschüttert US-Notenbank Fed

Ein Datenleck bei der US-Notenbank Fed sorgt für Unruhe: Ein Mitarbeiter hat ein extrem börsenrelevantes Papier verfrüht an Banken wie Goldman Sachs und Citigroup verschickt. Den Notenbankern dürfte die Panne höchst ungelegen kommen.

Von John W. Mullins, Jon Hilsenrath und Jeffrey Sparshott, Wall Street Journal Deutschland

US-Notenbank Fed in Washington: 150 Empfänger der E-Mail
REUTERS

US-Notenbank Fed in Washington: 150 Empfänger der E-Mail


Eine Datenpanne bei der US-Notenbank Federal Reserve hat neue Zweifel am Umgang mit börsenrelevanten Informationen geweckt. Wie die Fed am Mittwoch mitteilte, schickte ein Mitarbeiter die Mitschrift des jüngsten geldpolitischen Treffens versehentlich 19 Stunden zu früh an einige der größten US-Banken und Investmentfirmen.

Namhafte Finanzkonzerne wie Goldman Sachs, Barclays Capital, Wells Fargo, Citigroup, UBS, der Hedgefonds King Street Capital und die Beteiligungsgesellschaft Carlyle Group fanden das brisante Dokument schon am Dienstagnachmittag im Mail-Postfach. Normalerweise hätte die Mitschrift des März-Treffens der Fed erst am Mittwochnachmittag US-Zeit veröffentlicht werden sollen.

Offizielle Fed-Vertreter bemerkten die Panne erst am Mittwochmorgen und beeilten sich daraufhin, das Papier der gesamten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Außerdem benachrichtigten sie die Wertpapieraufsicht SEC sowie die Commodity Futures Trading Commission.

"Völlig versehentlich"

Nach Angaben eines Notenbanksprechers "sieht alles danach aus, dass [die Veröffentlichung] völlig versehentlich erfolgte". Bisher gab es kein Anzeichen dafür, dass die ersten Empfänger der Mail vor anderen mit den Informationen an der Börse gehandelt haben.

Trotzdem dürfte den Notenbankern das Datenleck höchst ungelegen kommen. Sie debattieren gerade darüber, ob sie ihr freigiebiges Anleihekaufprogramm langsam zurückfahren sollen, bei dem sie jeden Monat 85 Milliarden US-Dollar ausgeben. Marktteilnehmer warten gespannt auf jedes noch so kleine Signal, das den künftigen geldpolitischen Kurs der Fed anzeigen könnte. Die Mitschriften der internen Notenbank-Diskussionen sind deshalb hochgradig börsenrelevant. Alle sechs Wochen werden sie veröffentlicht.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.
Einige derjenigen, die schon am Dienstag das Papier im Postfach fanden, sagten, sie hätten die vorzeitige Veröffentlichung selbst auch erst bemerkt, als die Fed offiziell darauf hinwies. Andere meldeten sich auf die Bitte nach einem Kommentar nicht umgehend zurück oder wollten sich zu der Sache nicht äußern.

Viele der Empfänger waren ohnehin mehr an der Bundespolitik in Washington interessiert als am Börsenhandel an der Wall Street. Insgesamt 150 Einzelpersonen, darunter Mitarbeiter des Kongresses und Vertreter von Verbänden wie der American Bankers Association hatten die Fed-Mitschrift knapp einen Tag zu früh bekommen. Die Notenbank veröffentlichte sämtliche Namen und Mail-Adressen am Mittwochabend. Ein Viertel der Adressaten arbeitet für Großbanken, Investmentfonds oder Handelsvereinigungen in Washington.

Am Dienstag zeigten der Leitindex SPDR S&P 500 für börsennotierte Fonds und der Index für Optionen auf den S&P 500 - zwei Standardgradmesser des Marktgeschehens - keine ungewöhnlichen Ausschläge, die auf einen frühen Handel mit Fed-Informationen hinweisen könnten. Offensichtlich veranlasste die Datenpanne niemanden zum Börsenhandel.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
iffel1 11.04.2013
1. Na dann kann doch die Veröffentlichung in aller Ruhe in der Zeitung passieren !
Wenns eh keinen interessiert. Abgesehen davon scheint bei der FED Wichtiges nicht durch das Vier-Augen-Prinzip gewährleistet zu sein.
wadenzwicker 11.04.2013
2. Das ist gaaaanz anders...
Nicht die vorgezogene Mail ist die Panne, das ist Usus. Der Lapsus, dass es blöderweise bekannt geworden ist, das ist die Panne!
kf_mailer 11.04.2013
3. Panne?
Die FED ist eine private Institution, da kann man wohl kaum von Panne reden.
cm131069 11.04.2013
4. Ein Schelm,...
...der Böses dabei denkt.
OlafHH 11.04.2013
5. Panne?
Auch durch Wiederholung wird es nicht richtiger, dass die FED eine private Institution wäre. Wiki: "Auch durch amerikanische Bundesgerichte wurde bereits entschieden, dass es sich bei den Federal Reserve Banks um öffentliche Institutionen des Bundes („federal instrumentalities“) handelt." In der Tat sind private Banken Anteilseigner, insofern könnte man allerdings einen Interessenkonflikt vermuten.
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