David Rockefeller wird 100 Der letzte Tycoon

New Yorks Society feiert den 100. Geburtstag von David Rockefeller, des Patriarchen der US-Dynastie. Der Jubel ist auch eigennützig: Zahllose Gruppen erhoffen sich mit seinem Tod Hunderte Millionen Dollar an Spenden.

David Rockefeller: Seine Vorväter kamen aus Rheinland-Pfalz
AP

David Rockefeller: Seine Vorväter kamen aus Rheinland-Pfalz

Von und (Grafiken)


New Yorks Museumsszene feierte sich selbst: Trotz Regens tanzten Kunststars wie Jeff Koons und Kara Walker im Skulpturengarten herum, mit Schirmen flankiert von Society-Damen und Wall-Street-Haien. Andere saßen im Atrium über Hummersalat, Spargel und Steak.

Bis zu 100.000 Dollar pro Tisch hatten die Gäste hingeblättert, um sich vorige Woche bei der Gartenparty des Museums of Modern Art (MoMA) sehen zu lassen. Wie jedes Jahr war die Gala eine Spendenaktion - diesmal aber fungierte sie zugleich auch als eine vorgezogene Geburtstagsfete.

Der Gefeierte: David Rockefeller, der letzte Patriarch des US-Milliardärsclans, der an diesem Freitag 100 wird. Er erschien auf einen Stock gestützt, mit breitem Grinsen. Es war ein Moment, der den Lauf der Zeit einschmolz: Als seine Mutter - nach der der Skulpturengarten benannt ist - das MoMA 1929 gründete, war er ein Teenager.

Museum of Modern Art in New York: Von der Mutter gegründet
REUTERS

Museum of Modern Art in New York: Von der Mutter gegründet

David Rockefellers Leben spannt sich von der Ära der Industriebarone bis zur digitalen Revolution. 1915 in die reichste, mächtigste Dynastie Amerikas geboren, gehört er einer Generation an, die durch die Macht ihres Geldes herrschte. Heute verblasst er mit einem Vermögen von drei Milliarden Dollar neben Selfmade-Wunderkindern wie Bill Gates (80 Milliarden Dollar) und Mark Zuckerberg (36 Milliarden Dollar).

Eines aber hat er ihnen voraus: Seine Milliarden sind längst verplant, im Todesfall fällig als Mega-Spenden an Organisationen, Institutionen, Universitäten - siehe Grafik:

So viel Geld zum Verteilen
SPIEGEL ONLINE

So viel Geld zum Verteilen

Zahllose Einrichtungen können hoffen, dass sich ihre Finanzlage dann über Nacht verbessert - was Jubelfeiern wie die MoMA-Gartenparty in ein ganz anderes Licht rückt: "So viele Menschen", notierte das Spendenmagazin "Inside Philanthropy" schon vergangenes Jahr spitz, "warten nur darauf, dass David Rockefeller stirbt."

Hunderte Millionen Dollar hat er zu Lebzeiten schon gespendet. Er verstand das stets als "moralische Verpflichtung" der Reichen - ein Mantra seines Großvaters John Rockefeller Sr., des ersten Milliardärs Amerikas und Mitbegründers von Standard Oil, aus dem Exxon, Chevron und Esso erwuchsen: Wohltätigkeit spiele "eine zentrale Rolle, wenn Gesellschaften Lösungen für ihre schlimmsten Probleme finden".

Sie waren die Ur-Einprozentler, die Geldelite: Rockefeller - seine Vorväter kamen aus Rheinland-Pfalz - wuchs im damals größten Privatanwesen New Yorks und dem Landschloss "Kykuit" auf, wo Prominente wie General George Marshall und Flugpionier Charles Lindbergh verkehrten. In seinen Memoiren beschrieb er 2009, wie er auf Rollschuhen zur Schule eierte - diskret gefolgt von einer Limousine mit Chauffeur.

David war der Jüngste von sechs Geschwistern, sein Bruder Nelson wurde Gouverneur von New York und US-Vizepräsident. Er selbst ging als Banker zu einem anderen Familienunternehmen, der Chase Bank. Die führte er, bis sie zur größten US-Bank JPMorgan Chase fusionierte.

SPIEGEL ONLINE

Weitere Geldquellen: Immobilien, Investments, Luxusresorts, Ranches - und die Familienstiftung. Die steuerte David mit seinen Brüdern vom Rockefeller Center aus, das ihr Vater 1933 erbaut hatte. Die legendäre Büroflucht im 56. Stock, voller impressionistischer und moderner Kunst, gab er erst Ende 2014 auf, da hatte er den Wolkenkratzer-Komplex längst an den Immobilienmogul Jerry Speyer verkauft.

Rockefeller Center: Vom Vater erbaut
Corbis

Rockefeller Center: Vom Vater erbaut

Den Rest des Nachlasses regelte Rockefeller schon 2005, zu seinem 90. Geburtstag. Das MoMA, das bisher 150 Millionen Dollar eingesteckt hat, soll bei seinem Tod 100 Millionen Dollar bekommen. Auch die von seinem Vater gegründete Rockefeller University erhält 100 Millionen Dollar. Später kam seine Alma Mater Harvard hinzu, mit ebenfalls 100 Millionen Dollar. Zudem hat er eine Milliarde Dollar für den "Giving Pledge" verfügt, die Spendeninitiative der US-Milliardäre - womit er selbst die jüngste Freizügigkeit von Apple-Chef Tim Cook übertrifft.

Dass aber selbst solche Großmut dieser Tage daneben liegen kann, zeigte sich nicht zuletzt bei der Gartenparty des MoMA. Während sich Rockefeller drinnen krächzend freute ("Ich danke euch allen für einen wunderbaren, wunderbaren Abend!"), standen draußen Hunderte Museumsangestellte im Regen und protestierten mit Sprechchören.

Der Grund: Das MoMA will die Krankenversicherung kürzen und die Gehälter nur minimal erhöhen. Durchschnittslohn: 49.000 Dollar.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Badischer Revoluzzer 12.06.2015
1. Es gibt einen Western
mit dem Titel "Die Geier warten schon".
Freidenker10 12.06.2015
2.
Ich halte zwar nicht soviel davon seinen Reichtum ausgerechnet Museen zu Spenden, um denen den Erwerb von unsinnig teuren Bildern zu ermöglichen, aber von dieser generellen Spendenbereitschaft der US-Reichen könnte sich unser Geldadel auch mal eine Scheibe abschneiden!! Nicht vergessen, ihr könnt sowieso nichts mitnehmen!!!!
Freeman69 12.06.2015
3. Widerlich
wie kann man so einen Menschen, der nachweislich Tausende in Armut und Verderben gestürzt hat als Wohltäter der Welt darstellen. Erstens sind seine "Spenden" nur dazu da seine Steuerlast zu senken und zweitens bezahlt er diese mit dem Geld, dass er sich durch seine kriminellen Geschäfte erwirtschaftet hat. Schämt euch Spiegel!
W. Robert 12.06.2015
4. Capo di Capi
Ein Mann, über den man besser nicht schreibt, was man denkt. Da ist einfach zu viel Geschichte der übleren Sorte involviert. Man wird schreiben, er haben die Welt verändert. Wenn man sich das Chaos aber anschaut bleibt nicht viel übrig vom „Philanthropen“. Sein segensreiches Wirken wird uns noch so manche grauen Haare verschaffen. Sein Vermögen ist eher aus steuertechnischen Gründen so „niedrig“. Soviel sei gesagt: Ein Bill Gates ist ein Zwerg dagegen. Genau betrachtet hat der gute Mann das Recht, sein eigenes Geld zu drucken, man nennt das „Dollar“.
Bueckstueck 12.06.2015
5. Hä?
"Heute verblasst er mit einem Vermögen von drei Milliarden Dollar neben Selfmade-Wunderkindern wie Bill Gates (80 Milliarden Dollar) und Mark Zuckerberg (36 Milliarden Dollar). Eines aber hat er ihnen voraus: Seine Milliarden sind längst verplant, im Todesfall fällig als Mega-Spenden an Organisationen, Institutionen, Universitäten" Gates hat er in der Beziehung gar nichts voraus. Der hat zu Lebzeiten schon ein Vielfaches des Rockefeller Gesamtvermögens für Wohltätige Zwecke verplant und gespendet -> die Bill und Melinda Gates Stiftung - und ihre Kinder kriegen dereinst auch mal nur vergleichsweise Krumen als Erbe, denn der Überwiegende Teil wird ebenfalls in die Stiftung fliessen die dann ihrerseits zahlreiche Projekte finanziert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.