Online-Marktplatz für Selbstgemachtes Dawanda hat dichtgemacht

Nach zwölf Jahren ist Dawanda Geschichte: Der Onlinemarktplatz hat in der Nacht zum Freitag geschlossen. Die Besucher werden zum Konkurrenten Etsy weitergeleitet.

Dawanda-Laden in Berlin (Dezember 2012)
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Dawanda-Laden in Berlin (Dezember 2012)


Die Ankündigung traf vor zwei Monaten viele Verkäufer hart - nun ist es geschehen: Dawanda ist in der Nacht offline gegangen. Auf dem Onlineportal verkauften Händler viel Selbstgemachtes. Seit Freitagmorgen werden Besucher der Website automatisch auf die Seiten des US-Konkurrenten Etsy umgeleitet. Eine entsprechende Vereinbarung hatten Dawanda und Etsy getroffen.

Dawanda war Ende 2006 in Berlin von Claudia Helming gegründet worden, die auch als Geschäftsführerin fungiert. Angeboten wurden unter anderem Kleidung, Dekorationen, Kindersachen - von der Häkelmütze bis zur Schnullerkette. Seinen Verkäufern hatte Dawanda empfohlen, zu Etsy zu wechseln. Beide Portale hätten ein Tool entwickelt, damit Dawanda-Verkäufer ihre Shops umziehen können.

Dawanda-Chefin und Etsy-Managerin im Interview

Ende Juni hatte Helming das Aus für Dawanda verkündet. Sie habe sich eingestehen müssen, dass es Dawanda alleine nicht gelingen werde, das Wachstum weiter voranzutreiben, schrieb sie damals ihren Verkäufern. Im Interview mit SPIEGEL ONLINE sagte Helming: "Es kamen mehrere Faktoren zusammen. Das Onlinebusiness ist international, wir sind hier an unsere Grenzen gestoßen. Auch technisch, hier wären grundlegende Neuerungen nötig gewesen."

fdi/dpa



insgesamt 3 Beiträge
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kaltmamsell 31.08.2018
1. Kein Start-up-Steigbügel: Dawanda war Hobby
Die Gig-Economy dieser Art hat ein klares Ranking: Air-B&B, wenn und wo es denn lokal rechtlich möglich ist, kann offenbar schon nennenswert was abwerfen. Uber, wo erlaubt, bietet zumindest gewisse Strategien einer vordergründig rentablen Selbstausbeutung, wenn man nicht alle Betriebsausgaben in Rechnung stellt. Und dann gibt es einen relativ steilen Ruck nach unten. Selbst wenn gewisse Dawanda-Artikel sehr schön und mitunter auch absolut professionell und sorgfältig entworfen und hergestellt wurden: Da wird als betriebswirtschaftliches Ergebnis kaum mehr als ein Zustupf herausgekommen sein. Leider. Werden die Karten nochmals etwas neu gemischt mit reduzierten Krankenkassenbeiträgen für Selbstständige? Oder können sie auch so in einer Art von Minijob-Kategorie laufen? Und dann kommt ja noch die angekündigte Rentenversicherungspflicht für Selbstständige hinzu. Ich fände es schon schön, wenn die Dinge hier insgesamt etwas einfacher laufen könnten. Ich würde mir wünschen, dass die stärksten 20 bis 40 Prozent durchkommen. Irgendwo muss man die Grenze ziehen - und schafft damit natürlich auch wieder Unrecht. Das nähme ich in Kauf. Es geht mir hier nicht um die Rettung der Armen, sondern um den Schutz spannender Anregungen, die eine Volkswirtschaft wie die unsere gut gebrauchen kann. Wir wissen doch mitunter gar nicht mehr, wo wir stehen und was für uns echte Werte sind. Vielleicht möchten wir auch gar nicht mal die fertigen Produkte, es könnte sein, dass uns das Anfertigen eigener Kreationen besonders viel wert ist. Das wäre dann eher die Vermittlung entsprechender Fertigkeiten. Auch das ist ein interessantes Tätigkeitsfeld, das gerade im digitalen Effizienzfieber einen sinnvollen Ausgleich bietet.
cool.laura 31.08.2018
2. Es gibt ja einige Alternativen
Wie viele andere werde ich nicht bei Etsy bleiben. Ich habe dort noch nichts verkauft und mein Shop/meine Produkte werden auch kaum angesehen. Die rechtliche Unsicherheit kommt noch hinzu. Aber es gibt ja auch einige neue deutsche Plattformen wie Palundu, Tahai.de oder Emerondo. Ich werde mich dahin umorientieren, solange meine Artikel noch kostenlos bei Etsy sind.
Binar 01.09.2018
3. Schade
Ich habe gerne Dawanda benutzt. Habe mir nach eigenen Wünschen Schmuck herstellen lassen, oder auch gerne Stoffe gekauft, die sonst schon ausverkauft waren. Meine Erfahrungen waren sehr gut. Klar, ich kenne auch Etsy. Habe es als Alternative zu Ebay oder Dawanda benutzt, wenn Dinge, die dort nicht zu finden waren, bei Etsy noch zu haben waren. Allerdings finde ich Etsy sehr gross und unübersichtlich und bei Suchen nicht sehr treffsicher. Es werden dann einfach zu viele Alternativen angeboten. Wer will schon 150 Seiten durchstobern wenn er was sucht. Ich werde mir mal die Seiten von cool.laura ansehen um zu sehen ob ich eine echte Alternative zu DaWanda finde.
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