Dax auf Jahreshoch Börsianer haken Krise vollständig ab

Für die Börse ist die Finanzkrise endgültig Geschichte: Der Dax stieg am Donnerstag zeitweise auf 6377 Punkte - und damit auf den höchsten Stand seit der Lehman-Pleite im September 2008. Vor allem gute Daten aus deutschen Unternehmen haben dem Leitindex den Schub gegeben.

Handelsraum an der Frankfurter Börse: Dax so hoch wie zuletzt vor der Lehman-Pleite
REUTERS

Handelsraum an der Frankfurter Börse: Dax so hoch wie zuletzt vor der Lehman-Pleite


Frankfurt am Main - Deutschlands Börsianer jubeln: Die Unternehmen machen wieder ordentliche Gewinne, die Industrie vermeldet ein großes Auftragsplus und die Zahl der offenen Stellen steigt. An der Frankfurter Börse lösten die Nachrichten am Donnerstag Hochstimmung aus: Der Dax Chart zeigen stieg zeitweise um mehr als 0,7 Prozent auf 6377 Punkte - und damit auf ein neues Jahreshoch. So hoch hatte der deutsche Leitindex zuletzt vor der Lehman-Pleite notiert.

Bereits am Vormittag hatte der Dax den Auftwärtstrend markiert. Die erste gute Nachricht war noch vor der Eröffnung der Börse bekannt geworden: Die staatlich gestützte Commerzbank Chart zeigen kündigte an, noch in diesem Jahr in die Gewinnzone zurückkehren zu wollen. Außerdem hat das Finanzinstitut im zweiten Quartal deutlich mehr verdient als erwartet. Nun wird spekuliert, ob die Bank mit der Rückzahlung der Milliardenhilfen vorzeitig beginnen kann - also noch vor 2012.

Doch auch aus der Industrie kamen am Donnerstag positive Nachrichten: Nach dem unerwarteten Rückgang im Vormonat seien die Auftragseingänge im Juni preis- und saisonbereinigt deutlich um 3,2 Prozent gestiegen, teilte das Wirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Experten hatten im Schnitt nur mit einem Anstieg der Bestellungen um 1,8 Prozent gerechnet.

Das Ministerium verwies auf einen überdurchschnittlichen Umfang an Großaufträgen. Vor allem aus dem Ausland zog die Nachfrage an - um kräftige 5,7 Prozent. Die Inlandsnachfrage fiel dagegen mit einem Plus von 0,3 Prozent bescheiden aus. Im Jahresvergleich ergibt sich im Juni insgesamt ein bereinigtes Auftragsplus von 24,6 Prozent.

Künftig dürfte sich die Situation noch verbessern, wenn auch mit einer etwas schwächeren Dynamik, hieß es weiter. So zeigt auch der aussagekräftigere Zweimonatsvergleich (Mai/Juni gegenüber März/April) ein Plus von 3,2 Prozent - ein Indikator für die Aufwärtsbewegung.

Das Auftragsplus im Juni sei eine erneute Bestätigung für einen äußerst kräftigen Aufschwung im Frühjahr und eine gute Vorgabe für das dritte Quartal, hieß es auch in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie der NordLB. Der verarbeitende Sektor dürfte die Krise inzwischen weitgehend hinter sich gelassen haben.

Zahl der offenen Stellen stieg im zweiten Quartal um zehn Prozent

Den steigenden Aufträgen entsprechend stocken die Unternehmen ihre Mitarbeiterzahlen auf. So legte die Zahl der offenen Stellen im zweiten Quartal um zehn Prozent zu, teilte das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (IAB) mit. "Der Anstieg betraf allerdings ausschließlich Westdeutschland, wo die Auftragszuwächse in der Industrie zu erhöhtem Einstellungsbedarf führten", schrieben die Forscher.

Gerade größere Firmen würden mehr neue Mitarbeiter als vor einem Jahr suchen, während bei kleinen Unternehmen der Bedarf noch nicht gestiegen sei. Wenn derzeit Fachkräftemangel auftrete, dann insbesondere in den größeren Betrieben, die in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden.

Insgesamt seien derzeit 805.000 Stellen offen, davon 683.000 im Westen und 122.000 im Osten Deutschlands. Dazu kommen 172.000 weitere Arbeitsgelegenheiten wie etwa Ein-Euro-Jobs. Fast jeder dritte Arbeitsplatz ist den Angaben nach jedoch nicht sofort zu besetzen, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt.

yes/dpa/Reuters

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
sic tacuisses 05.08.2010
1. Geschichte wiederholt sich..!!!!
Zitat von sysopFür die Börse ist die Finanzkrise endgültig Geschichte: Der Dax stieg am Donnerstag zeitweise auf 6377 Punkte - und damit auf den höchsten Stand seit der Lehman-Pleite im September 2008. Vor allem gute Daten aus deutschen Unternehmen haben dem Leitindex den Schub gegeben. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,710307,00.html
Klar doch, man spekuliert aufs neue. Wenn Plumber Joe denen wieder auf den Leim gegangen ist und seine Groschen, Cents oder andere von den unverzinsten Bankkonten in Aktien verschoben hat, platzt die nächste Blase. Wetten !
Kaworu 05.08.2010
2. -/-
Kann man dieser "Hurra-die-Krise-ist-vorbei"-Meldung diesmal trauen?
frank_lloyd_right 05.08.2010
3. Kann man nicht.
Zitat von KaworuKann man dieser "Hurra-die-Krise-ist-vorbei"-Meldung diesmal trauen?
...klar, die deutschen Auto- und Maschinenexporte haben mal wieder ein High, aber Amiland und England, der ganze europäische Süden sind abgebrannt - die Chinesen haben ein paar mehr Millionäre, die sich jetzt alle noch schnell ein paar Sachen kaufen - auch bestimmt *echte* schweizer Rolex-Uhren, gleichzeitig aber bekommt China erste ernsthafte Probleme - denn es ist ja auch eine Exportplutokratie, und kaum einer kauft mehr die falschen chinesischen Rolex. China versucht, jetzt woanders hin zu verkaufen, sogar nach Afrika - erstmal bestellen sie gerade noch mehr Maschinen, um noch mehr zu produzieren. Versuchen kann man´s, eine Weile funktioniert´s vielleicht. Aber die Erde ist rund-rund-rund... Die Europäer kaufen nicht mehr viel, die Amis fast nichts... denen geht es echt mies, nur redet man hier momentan ungern davon. Darum steht auch das deutsche Exportmonster auf schönbemalten und hochgeredeten, aber tönernen Füßen mitten im Sand. Eine Rezession (das Wort Krise ist unzutreffend) kann sich jahrzehntelang auswirken - daß wir die Grenzen des Wachstums erreicht und überschritten haben, ist kaum wegzudiskutieren, und hey - wir erzeugen unsere Energie bald wieder hauptsächlich mit Kohle, der Fortschritt ist auch hier sowas von klar erkennbar...
davehapp 05.08.2010
4. haha lol
Das System hat sich noch nicht geändert, also ist die Krise noch nicht vorbei. Die Frage ist nur, wer profitiert von der Krise und wer nicht??? Der Steuerzahler kommt für alles auf, das ist ja inzwischen klar.
tobyasd, 05.08.2010
5. Nun denn: Geld zurück, aber sofort! Und verzinst!
Wenn das so ist, muss man doch wohl sagen: Geld zurück, aber sofort! Bevor auch diese Blase platzt. Auf keinen Fall vergessen sollte man bei der Rückzahlung die Zinsen. Am besten orientiert man sich dabei gleich an den marktüblichen Renditeerwartungen im Finanzmarktsektor. Also 25%.
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