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Schuldenkrise: Dax bricht um drei Prozent ein

Die Euro-Krise spitzt sich zu, Anleger fürchten die Folgen. Weltweit schlossen die Aktienindizes im Minus, die Rohstoffpreise fallen drastisch. Verschärft wurde die Entwicklung durch das vorübergehende Verbot von Leerverkäufen in Italien und Spanien.

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Dax-Kurve am Montag: Die Sorge um Spanien wächst

Hamburg - Die Woche hat mit schlechten Nachrichten aus der Euro-Zone begonnen. Griechenland droht ein Ende der internationalen Finanzhilfen, in Spanien müssen erste Regionen von der Zentralregierung gestützt werden. Anleger in Deutschland reagierten äußerst besorgt: Der deutsche Aktienindex (Dax Chart zeigen) fiel am Nachmittag zeitweise um mehr als 3,5 Prozent und schloss mit einem Minus von 3,2 Prozent .

Zuvor hatten die Börsen in Italien und Spanien vorübergehend Leerverkäufe untersagt. In Italien gilt das Verbot bis Freitag, in Spanien für die kommenden drei Monate. Bei Leerverkäufen handeln Investoren mit geliehenen Aktien, sie spekulieren dabei auf sinkende Kurse.

Die Nachricht von den Verboten ließ die Märkte europaweit weiter absacken. Der Euro rutschte vorübergehend unter 1,21 Dollar, stabilisierte sich aber später. Die Mailänder Börse verlor 2,8 Prozent. Der spanische Leitindex Ibex machte dagegen sein zeitweiliges Minus von bis zu 5,5 Prozent größtenteils wieder wett und schloss 1,1 Prozent niedriger. Die Kurse an der Börse in Athen fielen gar um mehr als sieben Prozent.

Auch der New Yorker Aktienmarkt hat mit Kursverlusten geschlossen. Der Dow-Jones-Index notierte zum Handelsende mit einem Minus von 0,8 Prozent bei 12.721 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 schloss bei 1350 Stellen, was einem Rückgang um 0,9 Prozent entspricht. Der Nasdaq verlor 1,2 Prozent und ging mit 2890 Zählern aus dem Handel.

In Japan notierte der Nikkei-Index zum Handelsende ein Minus von knapp 1,9 Prozent, in Hongkong verlor der Hang Seng drei Prozent. Die Börsenkurse in Shanghai sanken um 1,3 Prozent. Börsianer begründeten die trübe Stimmung auch mit der Warnung eines Mitgliedes der chinesischen Zentralbank, wonach sich das chinesische Wachstum weiter abschwächen könnte.

Auch Finanzaktien litten unter den Meldungen. Die Titel der Deutschen Bank Chart zeigen fielen um 4,6 Prozent, die der Commerzbank Chart zeigen um 6,1 Prozent. Die Bankenbranche wird auch von den Ermittlungen zu Manipulationen des Libor-Zinses erschüttert, dabei soll die Justiz mittlerweile erste Festnahmen planen.

Aus Furcht vor einem Nachfrage-Rückgang infolge der Schuldenkrise verkauften Anleger Rohstoffe. Ein Barrel der US-Rohölsorte WTI kostete mit 89,44 Dollar 2,3 Prozent weniger als am Freitag. Brent-Öl Chart zeigen verbilligte sich um 2,6 Prozent auf 103,96 Dollar.

Spanische Risikoaufschläge erreichen Rekordniveau

Zuletzt wuchsen vor allem Sorgen um die finanzielle Überlebensfähigkeit Spaniens. Die Risikoaufschläge für spanische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von zehn Jahren stiegen deutlich über das kritische Niveau von sieben Prozent und zugleich auf den höchsten Stand seit Einführung des Euro. Die spanische Zentralbank teilte am Montag mit, die Wirtschaft des Landes im zweiten Quartal sei voraussichtlich um 0,4 Prozent geschrumpft. In den zwei Quartalen zuvor hatte der Rückgang 0,3 Prozent betragen.

Die Euro-Finanzminister hatten zwar am Freitag endgültig Kredite in Höhe von bis zu 100 Milliarden Euro für die angeschlagenen spanischen Banken genehmigt. Investoren befürchten aber, dass auch der spanische Staat trotz der Hilfen für seine Banken selbst zum Kandidaten für Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds wird.

Spaniens Wirtschaftsminister de Guindos will sich am Dienstagabend mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) treffen, wie ein Ministeriumssprecher in Berlin mitteilte. Vorab dementierte de Guindos erneut, dass sein Land sich vollständig unter den Euro-Rettungsschirm flüchten muss. "Selbstverständlich" schließe die spanische Regierung dies aus, sagte de Guindos. Die Zuspitzung der Lage an den Märkten sei "unlogisch".

Die Wall Street schloss sich zum Handelsbeginn dem Abwärtstrend in Europa an. Der Dow-Jones- Chart zeigen-Index der Standardwerte fiel im Mittagshandel um 1,1 Prozent zurück, der breiter gefasste S&P 500 verlor 1,3 Prozent. Der Index der Technologiebörse Nasdaq Chart zeigen verlor 1,8 Prozent.

"Das war ein Ausverkauf in Übersee", sagte Brian Battle, Händler bei Performance Trust Capital Partners. Das schwindende Vertrauen spiegele sich auch an den US-Börsen wider. "Das Problem ist größer und schlechter lösbar als die Finanzkrise von 2008."

Wie schon in Europa gerieten auch in den USA Bankenaktien unter Druck, da die Geschäftsmodelle der Finanzinstitute in der Regel besonders stark von der Konjunkturentwicklung abhängen. So fiel etwa der Kurs von Morgan Stanley Chart zeigen um 2,9 Prozent.

dab/dpa/AFP/Reuters/dapd

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insgesamt 119 Beiträge
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1. Kontraindikator
bauagent 23.07.2012
Die Politiker sind in den letzten Jahren zu verlässlichen Kontraindikatoren geworden. Wenn der spanische Finanzminister nun heilig konstatiert, dass Spanien keinesfalls unter den Rettungsschirm geht kann angenommen werden, dass genau dies passiert. Haben alle von Schäuble das große Lügen-Einmal-Eins gelernt.
2.
mhampel 23.07.2012
Zitat von sysopDPADie Euro-Krise spitzt sich zu, Anleger fürchten die Folgen. Aktienindizes in ganz Europa sind tief im Minus, auch die Rohstoffpreise fallen drastisch. Verschärft wurde die Entwicklung durch das vorübergehende Verbot von Leerverkäufen in Italien und Spanien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,845952,00.html
Ja, der DAX "stürzt" auch ab, wenn sich unsere Kanzlerin am Rücken kratzt. Man sucht doch nur eine Reaktion auf irgendwas. Mittlerweile ist der DAX auch nur noch 3% im Minus und demnächst vielleicht wieder 4% im Plus. Das sind doch alles Null-Nachrichten. Ist nicht irgendwo ein Tier ausgebrochen, um das Sommerloch zu füllen?
3. Finanzkrieg gegen Europa und den Euro
klaus64 23.07.2012
Neben der Cyberwar haben wir nun anscheinend auch einen Finanzkrieg der den weltweit erfolgreichen Euro von der Platte fegen will. Hat jemand davon einen Nutzen ? Dann sollte man dort auch den Urheber vermuten.
4. oh schlimm
jamesbrand 23.07.2012
sehr schlechte Nachricht, wenn die Rohstoffe abstürzen dann fällt der Benzinpreis, das wollen wir Profiteure doch nicht.
5. hm
kein Ideologe 23.07.2012
shortselling ist verboten und die Märkte stürzen ab. Das soll doch die Ursache vieler Übel sein? Haben wir vielleicht nicht doch die schlechte Nachricht und deren Boten verwechselt?
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So funktioniert der Rettungsfonds ESM
Volumen
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) kann bis zu 500 Milliarden Euro an Hilfsgeldern vergeben. Nur 80 Milliarden Euro davon werden wirklich eingezahlt, der Rest sind Garantien. Nicht angerechnet werden die bereits vergebenen Hilfen aus dem vorläufigen Rettungsfonds EFSF sowie bilaterale Kredite der Euro-Staaten an Griechenland.
Einzahlung
Die 80 Milliarden Euro Kapital werden in fünf Tranchen eingezahlt; zwei im Jahr 2012, zwei weitere 2013 und eine letzte bis Mitte 2014. Erst dann hat der Fonds sein komplettes Ausleihvolumen von 500 Milliarden Euro erreicht. Bis dahin kann es eng werden: Der ESM muss stets 15 Prozent von dem Geld besitzen, das er in Notfällen verleiht. Er müsste also 15 Milliarden Euro besitzen, um ein Rettungspaket von 100 Milliarden Euro schnüren zu können. Um für eine Übergangsphase gerüstet zu sein, soll der vorläufige Rettungsfonds EFSF noch bis Mitte 2013 einspringen können, falls der ESM noch nicht ausreichend gefüllt ist. Im EFSF befinden sich noch rund 240 Milliarden Euro, die nicht für bestehende Hilfsprogramme ausgegeben wurden.
Aufgabe
Der ESM soll Mitgliedsländern der Euro-Zone helfen, die Schwierigkeiten haben, sich am Finanzmarkt frisches Geld zu leihen - etwa wenn die Zinsen für Staatsanleihen zu hoch sind, um sie dauerhaft zahlen zu können. Es gibt keine feste Definition, ab welchem Zinsniveau Staaten Hilfe beantragen müssen oder können - als Faustregel gelten aber sieben Prozent für zehnjährige Staatsanleihen. Bei Erreichen dieses Werts hatten Länder wie Portugal oder Irland Hilfen aus dem Vorgängerfonds EFSF beantragt. Im Gegenzug für Hilfen aus den Rettungsfonds müssen die Krisenländer strenge Sparauflagen einhalten und Strukturreformen beschließen.
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