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25 Jahre Dax: Die Neuen machen nichts als Ärger

Von Christian Kirchner

25 Jahre Dax: Das sind die fünf Renditeraketen Fotos
Volkswagen

Am Montag wird der Dax 25 Jahre alt - ein Erfolgsmodell für Anleger. Doch noch besser schneidet ab, wer seit 1988 alle Veränderungen des wichtigsten deutschen Börsenindex ignoriert hat.

Von den vielen Börsenbonmots von André Kostolany dürfte eines am ehesten hängen geblieben sein: Aktien soll man kaufen und sich dann schlafen legen. Dass Kostolanys Rat auch heute Berechtigung hat, zeigt ein Blick auf den Deutschen Aktienindex Dax, der am Montag seinen 25. Geburtstag feiert und stets die Kursentwicklung der 30 größten und liquidesten deutschen Aktien abbildet. Seit der Gründung 1988 kletterte der Dax so im Schnitt um rund acht Prozent pro Jahr und notiert derzeit bei knapp 8000 Punkten.

Doch wo stünde der Dax für jene, die Kostolanys Rat folgten? Die also den Dax in seiner Gründungszusammensetzung von Juli 1988 gekauft und sich anschließend in einen komatösen Schlaf begeben hätten? Einfach die drei Dutzend Dax-Indexrauswürfe und -neuaufnahmen und die über 100 Neugewichtungen seiner Mitglieder ignoriert hätten?

Die verblüffende Antwort: Der staubige Ur-Dax stünde heute bei rund 10.500 Punkten. Konservativ gerechnet. Und das, obwohl man mit Gründungsmitgliedern wie Deutsche Babcock, Nixdorf oder Karstadt in die Pleite geschlittert und Kursraketen wie SAP Chart zeigen verpasst hätte.

Wie kann das sein? Vereinfacht gesprochen: Weil beim Dax seit den späten neunziger Jahren der Wurm drin ist. Und das nicht nur wegen der seitdem allgemein schwachen Börsenlage. Deutlich wird das bei einem Blick auf den Dax-Kursindex, der im Gegensatz zum bekannten Dax Dividendenausschüttungen außen vor lässt: Der Kursindex müsste vom heutigen Niveau aus noch einmal rund 50 Prozent zulegen, um wenigstens seinen Stand aus dem Jahr 2000 wieder zu erreichen.

Um die gute Entwicklung des Ur-Dax zu verstehen, stellt man sich am besten einen Supermarkt vor: Streift man dort durch die Gänge, verführen in der Regel die Sonderangebote zu Kauf. Sind die Nudeln, die Äpfel oder das Wasser deutlich günstiger als sonst üblich, packt man sich gerne etwas mehr davon in den Wagen oder tätigt, etwa bei Kleidung, einen Impulskauf.

Das Prinzip Aktienindex

Bei gängigen Indizes wie dem Dax greift paradoxerweise das umgekehrte Prinzip - und nur wenige nehmen Anstoß daran: In den Index steigt auf, wer durch Kursanstiege zum Kreis der 30 größten deutschen Titel gehört. Und innerhalb des Index selbst wird umso höher gewichtet, je höher der Kurs und damit die Marktkapitalisierung eines Wertes ist. Die Marktkapitalisierung errechnet sich aus der Zahl der handelbaren Aktien multipliziert mit dem Kurs.

Für einen Investor des Deutschen Aktienindex Dax heißt das: Er kauft prozyklisch, was bereits im Kurs gestiegen ist. Er nimmt sich also immer die Produkte aus dem Regal, die gerade besonders teuer sind.

Derzeit sind etwa BASF und Bayer aufgrund starker Kursentwicklungen die Schwergewichte im Dax, die Commerzbank Chart zeigen und ThyssenKrupp Chart zeigen nach heftigen Kursverlusten die Fliegengewichte. Wer also heute 10.000 Euro in den Dax investiert, steckt anteilig knapp 2.000 Euro in Aktien von BASF Chart zeigen und Bayer Chart zeigen, aber nur rund 150 Euro in Commerzbank- und ThyssenKrupp-Aktien. Im Jahr 2000 steckte man auf diesem Wege viel Geld in Telekom-Werte und Versicherer, 2007 wiederum in Finanzwerte, weil die gerade en vogue waren.

Nun ist es im Supermarkt keine sonderlich clevere Strategie, umso mehr in den Wagen zu legen, je teurer die jeweiligen Güter sind. An der Börse leider auch nicht. Und doch fußt das Prinzip vieler Indizes wie dem Dax genau darauf. Die Folgen werden seit den späten neunziger Jahren immer deutlicher sichtbar: Die zu hohen Kurse der in den Index gelangten Aufsteiger haben dem Dax nicht geholfen, sondern ihm zugesetzt, weil sich Flop an Flop reiht. Beispiele dafür sind Epcos Chart zeigen, Infineon Chart zeigen, MLP Chart zeigen, die Hypo Real Estate Chart zeigen, die Postbank Chart zeigen oder K+S.

"Der Fluch der Sieger"

Ebenso war der Aufstieg zum größten Dax-Wert - und die damit einhergehende hohe Gewichtung im Index - seit den späten Neunzigern eine Art Todeskuss für die Aktie. 1998 war die Allianz größter Dax-Wert, wer also damals den Dax als Index kaufte, investierte das meiste Geld anteilig in Aktien des Versicherungsriesen. Der Allianz-Kurs hat sich seitdem gedrittelt. Der Allianz Chart zeigen folgte Daimler Chart zeigen als Indexschwergewicht - der Kurs hat sich bis heute halbiert. Anschließend war die Telekom größter Dax-Wert (die hat sich gefünftelt), 2002 Siemens Chart zeigen (seitdem nicht vom Fleck gekommen), 2006 wiederum E.on (seitdem gedrittelt).

Dass Unternehmen nach ihrem Aufstieg zur Nummer eins im Index schwach abschneiden, ist auch keine Besonderheit des Dax, sondern ein empirisch gut belegtes weltweites Phänomen, das sich einmal mehr im Absturz der Apple-Aktie Chart zeigen der vergangenen Monate zeigt. "Der Fluch der Sieger" nennt der US-Kapitalmarktforscher Robert Arnott die Beobachtung, dass die jeweils zur größten eines Marktes aufgestiegenen Aktien in den zehn Jahren nach ihrem Aufstieg pro Jahr rund drei bis vier Prozentpunkte schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt.

Warum aber häufen sich die Probleme ausgerechnet seit den späten Neunzigern? Seit damals läuft auch der Siegeszug der passiven Indexfonds weltweit, die stumpf eins zu eins die ihnen anvertrauten Mittel in den Index investieren - und deren Transaktionen von Spekulanten antizipiert und von vielen faulen Fondsmanagern oft auch einfach nur kopiert werden. So machen am Ende doch fast alle dasselbe: kaufen, was gerade en vogue ist.

Fazit: Dax-Indexfonds sind immer noch eine gute Anlage

Was können Anleger daraus lernen? Natürlich vor allem Vorsicht mit Dax-Aufsteigern und den jeweiligen Indexriesen walten zu lassen, wenn sie Einzeltitel kaufen. Aber es wäre auch töricht, den Dax aufgrund der offenkundigen Schwierigkeiten der letzten Dekade zu verschmähen. Für Privatanleger ist ein Indexfonds auf den Dax eine gute Anlage, denn der Dax ist ordentlich diversifiziert über 30 Titel. Er ist ein Globalisierungsprofiteur, denn seine Mitglieder erwirtschaften rund die Hälfte der Umsätze im Ausland, und die Anbieter von Dax-Indexfonds begnügen sich mit nur 0,1 bis 0,2 Prozent Gebühren pro Jahr.

Und: Besser als die meisten Privatanleger - die meist zu lange an langfristig enttäuschenden Aktien wie der Telekom oder Daimler Chart zeigen festhalten - und besser auch als die meisten aktiven Fondsmanager ist der Dax allemal.

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1. In den DAX investieren ist sicher nicht das Dümmste
michibln 30.06.2013
Trotzdem sollte man als deutscher Anleger mehr den internationalen Markt im Blick haben. Der DAX ist durch seine starken Anteil an zyklischen Aktien recht volatil, außerdem streut man mit internationalen Investments das Risiko breiter.
2. Chapeau!
huggythebear 30.06.2013
Guter Artikel! Die Frage ist, wieso trotz Outperformance von Index-Trackern und zufällig zusammen gewürfelten Portfolios immer noch so viel Geld in aktive Fonds mit ihren hohen Gebühren fliesst...
3. optional
kumi-ori 30.06.2013
Ich glaube, dass es noch einen Grund gibt für das Elend der passiven Indexfonds, und das sind die Riesterrenten. Der Riesterrentner kann nicht eben mal so schnell das Anlageprinzip wechseln, nur weil ihm gerade der gesunde Menschenverstand das sagt. Nehmen wir mal ein Beispiel: ein Verzweiflungstäter schließt hohe Leerverkäufe auf einen größeren Automobilkonzern ab. Gleichzeitg entdeckt ein anderer Cowboy das Hobby, alle Aktien ebendieses Konzerns zu sammeln wie Briefmarken. So bauen beide zusammen einen völlig absurden Preisdruck auf. Wir kennen das Ende vom Lied. Der eine Cowboy wird vom Orient-Express überrollt, der andere wird in den Urlaub geschickt und darf erst wieder dann mitspielen, wenn er so einen langen Schnurrbart hat, wie der Zetsche. Man könnte jetzt sagen "Vier Fäuste und ein Halleluja" - was geht uns das an? Aber jetzt kommt die alles überrollende Herde der Riesterlinge aus den Löchern gekrochen und frisst den VW-Aktienmarkt noch kahler, als er eh schon ist. Dabei sind sie nicht mal eigentlich böse - sie können eben nicht anders. Wenn das Gewicht im Dax steigt, dann müssen sie nach Index nachkaufen, das heißt ihre Bank macht das für sie. Sie können nur mit dem Kursteil von Spiegel Online im Ohrenbackensessel sitzen und zusehen, wie ihr schönes Geld verplempert wird. Denn dass die Blase platzen muss, daran führt ja kein Weg vorbei. Sobald einer der beiden Helden tot ist, fällt das Ding in sich zusammen.
4. .
TS_Alien 30.06.2013
Weitaus ehrlicher als der Performance-DAX ist der Kurs-DAX. Der steht im Moment bei rund 4200 Punkten. Denn die Dividenden erhält man nur als Besitzer der Aktien, die Kurshöhen interessieren sowohl Käufer als auch Verkäufer der Aktien. Etliche DAX-Schwergewichte sind weit von ihre Kurshöchstständen entfernt. D.h. in der Vergangenheit haben viele Besitzer dieser Aktien enorme (Buch-)Verluste hinnehmen müssen. Der DAX ist dennoch gestiegen. So toll, wie der DAX tut, sind Aktienanlagen auch nicht. Und in Zukunft werden noch viele DAX-Schwergewichte (Automobilfirmen, ...) unter Druck geraten, weil die Konkurrenz oftmals die besseren Produkte anbietet.
5. .
TS_Alien 30.06.2013
Interessant ist auch der Eurostoxx 50 (den Kursindex meine ich). Dort sieht man sehr gut, dass im 5-Jahresverlauf die Aktien der beteiligten Unternehmen rapide an Wert verloren haben. Der Trend im letzten Jahr geht zwar leicht nach oben, aber das ist durch das billige Geld und die Stützungskäufe der EZB für Staatsanleihen nur eine kurzfristige Erholung.
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Zum Autor
  • Maxim Sergienko
    Christian Kirchner, Jahrgang 1975; Studium der Politologie und Germanistik an der Uni Mannheim, anschließend Volontariat an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten. Von 2003 bis 2008 Finanzredakteur beim "Handelsblatt" und Geschäftsführender Redakteur von "New Investor" in Düsseldorf, von 2008 bis 2010 leitender Redakteur und von 2011 bis 2013 stellvertretender Ressortleiter Finanzen der Gruner+Jahr-Wirtschaftsmedien in Frankfurt am Main.

    In seiner Kolumne "Anlegemanöver" hinterfragt Kirchner für SPIEGEL ONLINE die typischen Anlagefloskeln und nimmt neue Produkte und Kampagnen der Finanzdienstleister unter die Lupe.

So steht der Dax gerade
19:42 Uhr Kurs absolut in %
DAX 10.147,46 -8,75 -0,09
MDax 20.809,93 +26,03 0,13
TecDax 1.674,98 +7,41 0,44
E-Stoxx 2.972,23 +3,74 0,13
Dow 18.570,85 +53,62 0,29
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