Dax klar im Minus: Athener Regierungskrise macht Anleger nervös

Trotz der Absage des Referendums - die Turbulenzen in Griechenland verunsichern die Börsenprofis: Vor der Vertrauensabstimmung im Athener Parlament schließt der Dax mit 2,7 Prozent im Minus. Auch die Maßnahmen der G20 gegen die Euro-Krise überzeugten die Anleger offenbar nicht.

Kurstafel in Frankfurter Börse: Weiterhin Pleitegefahr für Griechenland Zur Großansicht
REUTERS

Kurstafel in Frankfurter Börse: Weiterhin Pleitegefahr für Griechenland

Frankfurt am Main - Die politische Krise in Athen und die Enttäuschung über die Beschlüsse auf dem G20-Gipfel schlagen auf die Aktienkurse durch: Vor der mit Spannung erwarteten Vertrauensfrage im griechischen Parlament ist der Dax Chart zeigen am Freitag deutlich ins Minus gerutscht. Bei Handelsschluss stand das deutsche Börsenbarometer bei 5966 Punkten mit 2,7 Prozent im Minus, zwischenzeitlich sackte es sogar um mehr als drei Prozent ab. Auch der Euro Chart zeigen verlor deutlich an Wert.

Noch am Vortag hatte der Leitindex von der Absage des griechischen Plebiszits über das Euro-Rettungspaket profitiert und deutlich gewonnen. Nun sorgt Analysten zufolge die anstehende Vertrauensabstimmung über die Regierung des Premierministers Georgios Papandreou dafür, dass die Anleger sich an den Finanzmärkten zurückhalten.

"Selbst wenn das Referendum nicht kommt, sind mehrere Wochen der politischen Instabilität zu erwarten", sagte eine Fondsmanagerin. Wegen der Regierungskrise in dem angeschlagenen Land und der auf Eis gelegten Auszahlung der nächsten Kredittranche "besteht weiterhin die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands", heißt es in einer Studie der Landesbank Berlin.

Auch die Nachrichten vom G-20-Gipfel in Cannes und schlechte Wirtschaftsdaten in Deutschland drückten die Stimmung der Investoren. Der Beschluss der 20 führenden Wirtschaftsnationen, die Großbanken neu zu strukturieren, drückte die Bank-Aktien in die Verlustzone, auch wenn die neuen Regeln für die systemrelevanten Kreditinstitute erst ab dem Jahr 2016 eingeführt werden sollen. Zudem sorgte die Aussage von Bundeskanzlerin Angela Merkel für Verunsicherung, das Interesse der G-20-Staaten an einer Beteiligung am Rettungsfonds EFSF sei gering.

Börsen in New York und London verlieren ebenfalls

Der Euro-Kurs brach nach dem Ende des G-20-Gipfels ein. Die europäische Gemeinschaftswährung wurde am frühen Abend mit 1,3759 Dollar gehandelt - in der Mittagszeit hatte der Euro noch 1,3862 Dollar gekostet. "Die Enttäuschung über die Ergebnisse des G-20-Gipfels hat den Euro belastet", sagte ein Analyst. Die Hoffnung, dass die Politik ein klares Signal in der Schuldenkrise gibt, sei nicht erfüllt worden.

Nicht viel besser als in Frankfurt sah es an den anderen internationalen Börsenplätzen aus. In New York schloss der Dow-Jones-Index Chart zeigen ebenfalls im Minus, der amerikanische Leitindex verlor ein halbes Prozent. Der EuroStoxx 50 Chart zeigen gibt ebenso wie die französische CAC 40 Chart zeigen mehr als zwei Prozent ab. Der britische FTSE 100 Chart zeigen ist mit Verlusten von etwas weniger als einem halben Prozent nicht so stark von der neuen Unsicherheit über den Euro betroffen.

Aus der deutschen Industrie kamen ebenfalls schlechte Nachrichten für die Börsianer. Die Auftragseingänge gingen laut Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums im September preis-, kalender- und saisonbereinigt um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück. Das war der stärkste Rückgang seit dem Januar 2009.

fdi/Reuters/dpa-AFX

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Börse
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren

Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.