Studie über Dax-Konzerne Deutlich mehr Aktionäre auf Hauptversammlungen

Es sind vielleicht doch nicht die Würstchen, sondern das Mitspracherecht: Laut einer Studie kommen auch deshalb immer mehr Anteilseigner zu den Hauptversammlungen.

Hauptversammlung der Deutschen Bank
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Hauptversammlung der Deutschen Bank


Die Investoren der größten deutschen Börsenunternehmen gehen einer Studie zufolge so rege zu Hauptversammlungen wie noch nie. Bei den Aktionärstreffen der 30 Dax-Konzerne sei die Anwesenheitsquote auf einen Rekordwert von 65,3 Prozent gestiegen, zeigt eine Studie der Finanzierungsberatung Barkow Consulting. Das heißt, dass fast zwei Drittel des Kapitals bei den Hauptversammlungen vertreten waren.

Der Grund für den Anstieg ist wohl doch nicht bei der Qualität des Buffets zu suchen. Die Studie gibt an, dass Investoren immer mehr Wert auf das Thema Corporate Governance legen - also einen Ordnungsrahmen für die Leitung der Unternehmen, der maßgeblich von den Eigentümern mitbestimmt wird.

Das passt in eine Zeit, in der aktivistische Investoren bei großen wie bei kleinen Firmen mit weitreichenden Änderungswünschen für Schlagzeilen sorgen. So wurde am Donnerstag der Einstieg des Hedgefonds Elliott bei Thyssenkrupp bestätigt, mitsamt der Forderung nach operativen Verbesserungen.

Größter Rückgang bei Covestro nach Bayer-Ausstieg

Abgenommen habe die Präsenz auf den Hauptversammlungen nur bei fünf Konzernen, ergibt die Auszählung weiter. Beim Spezialchemiehersteller Covestro war das Minus mit rund 15 Prozentpunkten am gravierendsten - lässt sich aber mit dem Teilausstieg der früheren Konzernmutter Bayer erklären.

Um knapp fünf Prozentpunkte ging das Interesse bei der Merck KGaA zurück. Das nehmen die Experten von Barkow zum Anlass, die Struktur des Pharmakonzerns als Kommanditgesellschaft zu kritisieren. "Bei dieser speziellen Rechtsform kommt den Stammaktionären ohnehin kein entscheidendes Mitspracherecht zu, da alle Macht letztlich bei der familiengeführten Komplementärgesellschaft liegt".

Abstimmungen bei Hauptversammlungen meist juristisch nicht relevant

Auch sonst seien die Abstimmungen bei Hauptversammlungen in vielen Fällen juristisch nicht relevant, da nicht bindend. Ganz selten werden Vorschläge wie zu möglichen Kapitalerhöhungen abgelehnt. Trotzdem hätten die Aktionäre oft einen Einfluss auf das Vorgehen der Konzerne.

Zur Untermauerung dieser These führen die Finanzierungsberater das Beispiel SAP an. So wurde der Vorstand des Softwarekonzerns auf der Hauptversammlung 2017 nur knapp entlastet, nachdem er die Bezahlung - inklusive einem 14-Millionen-Paket für Chef Bill McDermott - nicht als eigenen Punkt auf die Tagesordnung gesetzt hatte.

Daraufhin überarbeitete der Konzern die Tagesordnung und stellte die Vergütung in diesem Jahr als eigenes Thema zur Abstimmung - die Aktionäre winkten es mit einer Zustimmungsquote von 90,1 Prozent durch.

ans/dpa



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