Neuer Rekord Dax knackt 10.000-Punkte-Marke

Nach dem Zinsentscheid der EZB hat der Dax zum ersten Mal die Marke von 10.000 Punkten übersprungen. Die Notenbank kündigte auch neue milliardenschwere Geldspritzen an, um die Kreditvergabe in Südeuropa anzukurbeln.


Frankfurt am Main - Angetrieben von der lockeren Geldpolitik der EZB ist der Dax erstmals in seiner fast 26-jährigen Geschichte über die Marke von 10.000 Punkten geklettert. Der entscheidende Schritt gelang zu Beginn der Pressekonferenz mit dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Der deutsche Leitindex stieg um 0,9 Prozent auf ein Rekordhoch von 10.013 Zählern. Kurz darauf fiel er knapp unter die historische Marke zurück. Zum Handelsende stand er bei 9948 Punkten. Der Euro fiel auf ein Vier-Monats-Tief von 1,3504 Dollar.

Zuvor hatte die Notenbank den Leitzins, zu dem sich Banken Geld leihen können, auf einen historischen Tiefstwert von 0,15 Prozent gesenkt. Die EZB reagierte damit auf die anhaltende Wirtschaftsflaute. Zudem ist die Teuerung im Euroraum seit Monaten sehr niedrig. Einige Ökonomen warnen daher vor einer Deflation - also einem Preisverfall auf breiter Front, der die Konjunktur abwürgen könnte.

Auch eine weitere Entscheidung der EZB sorgt für Aufsehen: Erstmals wird der Einlagensatz, zu dem Banken kurzfristig Geld bei der Notenbank parken können, in den negativen Bereich gedrückt. Er sinkt von bisher null Prozent auf minus 0,10 Prozent.

"Es muss verdammt schlimm um die Eurozone stehen"

Anleger setzen nun offenbar auf weitere geldpolitische Entscheidungen der EZB. Die Notenbank will mit einer neuen milliardenschweren Geldspritze die stockende Kreditvergabe in den Krisenländern Südeuropas beleben. Die EZB verleiht abermals billiges Geld, erstmals allerdings mit einer Laufzeit von vier Jahren bis 2018, wie EZB-Präsident Draghi mitteilte. Die Vergabe der Notkredite wird anders als bisher an die Bedingung geknüpft. So sollen die Mittel auch wirklich bei kleinen Unternehmen und privaten Haushalten ankommen, die auf Darlehen angewiesen sind. Damit soll die Konjunktur belebt werden. Das Programm soll zunächst einen Umfang von 400 Milliarden Euro haben.

In der Krise hat die EZB bereits Billionensummen in das marode Finanzsystem gepumpt, um den stockenden Kreditfluss in Teilen der Währungsunion zu beleben. Doch die Banken nutzten das billige Geld stattdessen, um damit höher verzinste Staatsanleihen aufzukaufen.

Nun verspricht die EZB den Banken noch länger als bisher unbegrenzte Liquiditätsversorgung und verzichtet künftig darauf, überschüssige Mittel mit wöchentlichen Gegengeschäften aus dem Markt zu nehmen.

"Draghi schießt aus allen Rohren", sagte ein Geldhändler. "Das ist mehr als die 'Dicke Bertha'. Es muss verdammt schlimm um die Eurozone stehen, wenn so viel Geld reingepumpt werden muss." Draghi selbst hatte einem vorherigen Kreditprogramm scherzhaft den Namen "Dicke Bertha" verpasst, nach einem Geschütz aus dem Ersten Weltkrieg.

mmq/dpa/Reuters

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insgesamt 102 Beiträge
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Seite 1
GaliX622 05.06.2014
1. Betruf
Dieses Betrügerische System. Unfassbar, aber das frisch erschaffene Geld muss unbedingt an die reichen dieser Welt verteilt werden. Bravo Europa. Bravo 1% Kapitalismus!
Solid 05.06.2014
2. Inflation
Na da weiß man doch gleich, wo die Inflation stattfindet, die sich bei den Löhnen so partout nicht einstellen mag, trotz negativer Zinsen.
@de 05.06.2014
3. Sieht
jmd außer mir noch den Zusammenhang mit dem Leitzins. Die spannende Frage ist doch was die Börsen tun werden wenn der Leitzins auf ein normales Niveau wieder steigt, dann kommt die nächste Börsen/Banken Krise.
nowiamfree 05.06.2014
4. ....
Na, jetzt wissen wir ja wohin mit dem Geld wenn schon das Sparen nichts mehr bringt!
wurzer 05.06.2014
5. Dax 10000
Jetzt ist den Spekulanten wieder Tür und Tor geöffnet. Uns kleinen Sparern und Rentnern, gibt man nun gar keine Zinsen mehr, auf das Ersparte. Es ist unglaublich, welche Macht die Geldmafia hat.
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