Börsen im Plus Dax verdaut Trump-Schock

Der Wahlsieg von Donald Trump hat den deutschen Aktienmarkt nur kurzfristig erschüttert. Der Dax fiel zwar zum Handelsstart um knapp drei Prozent, schloss aber letztlich deutlich im Plus.

Frankfurter Börse am 9. November 2016
Getty Images

Frankfurter Börse am 9. November 2016


Der deutsche Leitindex hat den Handelstag entgegen aller Erwartungen im Plus beendet. Der Dax Chart zeigen schloss mit einem Gewinn von 1,56 Prozent bei 10.646 Punkten. Auch der MDax Chart zeigen, in dem kleinere Unternehmen abgebildet sind, lag zu Börsenschluss 0,24 Prozent höher. Der Technologiewerte-Index TecDax rückte um 1,19 Prozent auf 1750 Punkte vor.

Nach dem Überraschungssieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl war zunächst ein schwarzer Börsentag erwartet worden. Am Vormittag fiel der deutsche Leitindex denn auch um bis zu drei Prozent. Im Tagesverlauf verringerte der Dax seine Verluste jedoch nach und nach wieder. Und als gegen Ende des deutschen Handels die US-amerikanische Wall Street mit Gewinnen eröffnete, drehte der Dax ins Plus.

Experten haben für die Börsenreaktionen mehrere Erklärungen:

  • Trump dürfte seine beunruhigenden Pläne für die Einwanderung oder eine protektionistische Handelspolitik letztlich abmildern, sagte beispielsweise Analyst Andrew Garthwaite von der Bank Crédit Suisse.
  • Zudem könnten sich die geplanten höheren Staatsausgaben und eine Senkung der Unternehmenssteuern positiv auf Aktien auswirken.

EZB will notfalls Märkte stabilisieren

Die Ratingagentur Fitch warnte indes vor negativen Folgen der geplanten Wirtschaftspolitik des Siegers Donald Trump. Kurzfristig dürfte Trump zwar wegen der besonderen Stärke der Wirtschaft keine Gefahr für die Kreditwürdigkeit der USA darstellen, teilte Fitch am Mittwoch mit. Doch mittel- bis langfristig würden seine Pläne - sofern sie voll umgesetzt würden - die Bonität belasten. Bislang haben die Vereinigten Staaten bei Fitch die Top-Kreditnote "AAA" mit stabilem Ausblick.

Viele Details von Trumps Wirtschaftspolitik sind noch unklar. Doch sein Wahlversprechen, in großem Stil Steuern zu senken, stellt nach Einschätzung vieler Ökonomen ein Risiko für die Staatsfinanzen dar. Die Schuldenquote werde "dramatisch steigen", wenn Trump seine Steuerkürzungen wie geplant durchsetzen würde, so Fitch. Die Kreditwächter warnten zudem vor negativen Folgen durch eine protektionistische Politik. Trump hatte angekündigt, Handelsabkommen auf den Prüfstand zu stellen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) kündigte an, bei Turbulenzen an den Finanzmärkten notfalls einzugreifen. Dies sei sicherlich kein guter Tag für die Weltwirtschaft, sagte Österreichs Notenbank-Chef Ewald Nowotny. "Auf jeden Fall sind wir vorbereitet, auch im Notfall auf Interventionen", sagte das EZB-Ratsmitglied.

Sein slowenischer Kollege Bostjan Jazbec sagte, die Europäische Zentralbank und die US-Notenbank Federal Reserve seien in der Lage, auch auf wirtschaftliche Schocks in Folge des US-Wahlergebnisses angemessen zu reagieren.

ssu/dpa

Mehr zum Thema


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.