Dax auf Höchststand Warum die Börsen Rekorde feiern

12.398 Punkte - so stark war der Dax noch nie. Warum sind Anleger so euphorisch? Und wie lange hält der Optimismus an den Aktienmärkten? Die wichtigsten Antworten im Überblick.

Händler in der Frankfurter Börse
REUTERS

Händler in der Frankfurter Börse

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Der deutsche Leitindex ist am Montag auf einen Stand von 12.398 Punkten geklettert - damit steht der Dax, der die 30 größten Aktiengesellschaften Deutschlands abbildet, so gut da wie nie zuvor in seiner Geschichte. Das letzte Rekordhoch hatte das Börsenbarometer im April 2015 erreicht.

Doch wie kommt der aktuelle Höhenflug zustande? Die Antworten im Überblick.

1. Macrons Wahlerfolg lässt Anleger aufatmen

Die Frankreich-Wahl galt im Vorfeld als eines der wichtigsten Ereignisse für die Finanzmärkte im Jahr 2017. Denn Analysten hatten ein regelrechtes Börsenbeben erwartet für den Fall, dass die EU- und Eurogegnerin Marine Le Pen im ersten Wahlgang deutlich besser abschneiden würde als in den Umfragen. Doch stattdessen bekam der sozialliberale Emmanuel Macron die meisten Stimmen.

Devisenstratege Sebastien Galy von der Deutschen Bank bezeichnete den Erfolg von Emmanuel Macron als "perfektes Szenario" für die Märkte. Macron steht im Gegensatz zu Le Pen für Stabilität, denn er spricht sich beispielsweise klar für Europa und die Partnerschaft der Franzosen mit Deutschland aus. Der frühere Wirtschaftsminister arbeitete mehrere Jahre lang als Investmentbanker für die Schweizer Privatbank Rothschild, deshalb erwarten Investoren von ihm keine Politik, die der Wirtschaft schaden könnte.

Emmanuel Macron
AFP

Emmanuel Macron

Sein Etappensieg löste an den Börsen einen regelrechten Befreiungsschlag aus, Investoren kauften in großem Stil europäische Aktien. Der Euro stieg auf den höchsten Wert seit fünfeinhalb Monaten.

2. Trumps Wahlsieg trieb zuletzt die Börsen an

Doch nicht erst seit Macrons vorläufigem Wahlsieg herrscht an den Börsen Partylaune. Der wesentliche Kurstreiber war zuletzt Donald Trump, weil Investoren auf eine noch stärker anziehende US-Wirtschaft unter dem neuen US-Präsidenten hoffen. Denn Trump hat viel versprochen: die Deregulierung der Bankenbranche, niedrigere Steuern für Unternehmensgewinne und großangelegte Infrastrukturinvestitionen.

Kein Wunder also, dass der US-Leitindex Dow Jones Ende Januar das erste Mal in seiner 132-jährigen Geschichte die historische Marke von 20.000 Punkten durchbrach. Und wochenlang zogen die US-Börsen den deutschen Aktienindex mit nach oben: Seit Trumps Wahlsieg hat auch der Dax um rund 18 Prozent an Wert gewonnen.

3. Die deutsche Wirtschaft ist im Lot

Unabhängig vom Trump- und Macron-Hype ist in den Chefetagen der deutschen Unternehmen die Stimmung derzeit prima.

Die Manager bewerten momentan sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate so gut wie seit Juli 2011 nicht. Große Dax-Konzerne wie Adidas, Daimler und SAP haben zuletzt starke Zahlen vorgelegt - die Renditen der Unternehmen sind auf Rekordniveau. Die Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist historisch gut. Die Rekordstände an den Börsen sind also nicht allein durch politische Ereignisse zu erklären.

4. Ultralockere Geldpolitik der EZB stützt weiterhin die Märkte

Zudem werden die europäischen Börsen weiterhin durch die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gestützt. Seit dem Ausbruch der Finanzkrise im Jahr 2008 pumpt die Zentralbank Milliarden in die Märkte und wird dies auch weiterhin tun. Die Aktienmärkte befinden sich damit noch immer in der Spätphase eines Haussezyklus, der nun schon seit acht Jahren andauert. Seit dem Start des Aufschwungs im März 2009 hat sich der Dax verdreifacht.

Eine Korrektur könnte bald folgen

Doch trotz der momentan guten Stimmung, gibt es auch Anzeichen für eine Korrektur an den Börsen. Denn allmählich verliert Donald Trump seinen Zauber, sein Image als "Dealmaker" ist dahin. Kürzlich ist er mit seinem Versuch, Obamas Gesundheitsreform Obamacare abzuwickeln, spektakulär gescheitert. Nun zweifeln Anleger, ob Trump es überhaupt schafft, all seine geplanten Vorhaben durchzusetzen.

Die US-Indizes bewegen sich deshalb seit Wochen kaum. Und US-Aktien sind bereits recht teuer - einen größeren Rücksetzer an der Wall Street halten viele Experten für nicht unwahrscheinlich. Das würden auch die Börsen in Deutschland zu spüren bekommen.

Außerdem steht längst nicht fest, ob Macron auch in zwei Wochen die Stichwahl gegen Marine le Pen gewinnt. "Es ist noch zu früh, Entwarnung zu geben, was einen Zusammenbruch der Finanzmärkte und ein Ende des Euro betrifft", sagte der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher. Doch Börsianer sind sich sicher: Die Eurozone ist gerettet, und das feiern sie an diesem Tag euphorisch.

insgesamt 62 Beiträge
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philemajo 24.04.2017
1. Wenn boße Erleichterung schon genügt ...
Nur weil sich das worst case scenario aktuell in Frankreich nicht realisiert hat, ist die Partylaune an den Finanzmärkten nur ein Vorbote für den Crash! Korrekturen gibt es, wenn Marktübertreibungen reflektiert und bereinigt werden. Dies würde aber eine kritische Bewertung der wirtschaftlichen Gesamtlage erfordern. Da dies nicht (hinreichend) geschieht, wird es aber auch kein kontrolliertes Luft-Herauslassen geben, sondern einen lauten Knall. Griechenland ist nicht über den Berg, der Brexit unausweichlich, die USA erkennen allmählich das gewählte Luftschloss. Frankreich und viele andere auf Generationen hin verschuldet, so dass das das Lot nur durch schleichende Enteignung und Gefährdung der Vorsorgesysteme noch gehalten wird. Nordkorea, Iran, Syrien, NATO-/Russlandkonflikt usw. und noch keine Klärung bzw. Entspannung erkennbar. Das Aufatmen nach dem ersten Wahlgang in FRA ist politisch und emotional nachvollziehbar, Rekordstände bei Aktien aber ein guter Zeitpunkt zum Verkauf!!!
dr.eldontyrell 24.04.2017
2. Warum die Börsen Rekorde feiern?
Aus dem gleichen Grund, warum die Bundesregierung im Armutsbericht die Passage bezüglich Besitz - politischer Anteilnahme gestrichen hat: Die Reichen kaufen die Politik. Und verdienen prächtig daran. Zitat Warren Buffett: There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.
thequickeningishappening 24.04.2017
3. Wo soll Das viele Geld auch hin
Wenn der Markt alle Hemmungen verliert dann ist es hoechste Eisenbahn! Die Bankenrettung haette nie stattfinden sollen und Die Die jetzt noch aufspringen sollten sich warm anziehen! Je laenger der Zeitpunkt des Knalls in die Zukunft verschoben wird desto größer wird Er sein!
Zündkerze 24.04.2017
4. sehr allgemein
der Artikel. Das der DAX aufgrund der Wahl des Herrn Trump einen Sprung nach oben gemacht hat muss mir entgangen sein. Im Gegenteil, die Stimmen des Herrn Trump für mehr Protektionismus haben den Dax Konzernen etwas zu denken gegeben. Ich sehe eher mittel- bis kurzfristig ein Ende der Zinspolitik der Notenbak für wahrscheinlich. Das dürfte den deutschen Bösren die Party vermiesen.
RenegadeOtis 24.04.2017
5.
Zitat von dr.eldontyrellAus dem gleichen Grund, warum die Bundesregierung im Armutsbericht die Passage bezüglich Besitz - politischer Anteilnahme gestrichen hat: Die Reichen kaufen die Politik. Und verdienen prächtig daran. Zitat Warren Buffett: There’s class warfare, all right, but it’s my class, the rich class, that’s making war, and we’re winning.
Nunja, da dies 2003 als Brief an seine Investoren ging wäre es wohl blöd zu sagen "Ach übrigens: Wir kriegen aufs Maul und werden alles verlieren. Gebt ihr mir jetzt all euer Geld?" Siegparolen in Kriegen klingen übrigens immer so, von beiden Seiten. Egal ob man gerade gewinnt oder verliert, die Realität hat damit nichts zu tun.
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