Dax-Konzerne Das sind Deutschlands mächtigste Aufsichtsrätinnen

Sie sind Deutschlands mächtigste Frauen, aber sie sind noch in der Minderheit - die Aufsichtsrätinnen von der Kapitalseite. Sie heißen Schaeffler, Piëch oder Bagel-Trah. Was auffällt: Viele von ihnen stammen aus Unternehmerdynastien.

Henkel-Erbin Simone Bagel-Trah: Einzige Aufsichtsratschefin eines Dax-Konzerns
DPA

Henkel-Erbin Simone Bagel-Trah: Einzige Aufsichtsratschefin eines Dax-Konzerns


Hamburg - Eine haben Deutschlands Dax-30-Unternehmen fast immer auf der Liste, wenn sie sich auf die Suche nach einer weiblichen Aufseherin machen: Renate Köcher. Sie ist mit gleich drei Posten die umtriebigste Kontrolleurin in der Konzernelite des Landes. Köcher, im Hauptberuf Meinungsforscherin, sitzt bei der Allianz, bei BMW und Infineon im Aufsichtsrat. Das macht ihr bislang keine nach.

Demnächst dürfte Köchers Telefon im Institut für Demoskopie Allensbach noch häufiger klingeln. Ab 2016 soll es nach Willen der Union und SPD eine verbindliche Frauenquote von 30 Prozent in den Kontrollgremien der börsennotierten Firmen geben. Das EU-Parlament sprach sich am Mittwoch sogar mit breiter Mehrheit für eine 40-Prozent-Quote aus. Noch sind die meisten großen Unternehmen weit davon entfernt, diese Quoten zu erfüllen. Bisher liegt der Frauenanteil in allen 30 Dax-Aufsichtsräten nach Angaben des Lobbyvereins Fidar bei gerade mal knapp 22 Prozent - wenn man die von der Arbeitnehmerseite entsandten Frauen mitzählt. Bei Fresenius gibt es nicht eine einzige Frau im Aufsichtsrat.

Neben Köcher gilt auch Ann-Kristin Achleitner als heiße Kandidatin für weitere Aufsichtsratsposten. Sie sitzt schon bei Linde Chart zeigen und bei Munich Re Chart zeigen im Kontrollgremium, hat also reichlich Erfahrung. Wäre der Einzelhandelskonzern Metro Chart zeigen nicht aus dem Leitindex geflogen, wäre Achleitner wie Renate Köcher in drei Dax-Konzernen vertreten.

Noch drei weitere Frauen haben bei den bedeutendsten 30 Unternehmen zwei Kontrollposten: Nicola Leibinger-Kammüller (Lufthansa, Siemens), Sari Baldauf (Daimler, Telekom) und Annika Falkengren (Munich Re, Volkswagen).

Nur eine Frau ist Chefin des Aufsichtsrats: Simone Bagel-Trah bei Henkel. Die 44-Jährige ist die Ur-Ur-Enkelin des Konzern-Gründers Fritz Henkel. Im Allgemeinen fällt auf, dass sich Töchter (Trumpf-Chefin Nicola Leibinger-Kammüller, BMW-Erbin Susanne Klatten) oder Ehefrauen (Ursula Piëch, Maria-Elisabeth Schaeffler) vergleichsweise häufig in den Aufsichtsräten wiederfinden.

Und nicht zuletzt sind es Wissenschaftlerinnen, die schon heute in den Aufsichtsräten der Dax-Konzerne vertreten sind. Etwa Katja Windt (Jacobs University Bremen) bei der Deutschen Post oder Dina Dublon (Harvard Business School) bei der Deutschen Bank.

Es ist durchaus wahrscheinlich, dass sich die Konzerne in den nächsten Jahren besonders häufig an den Unis umschauen werden, um die Quote zu erfüllen. Denn Wissenschaftlerinnen wachsen häufiger nach als Unternehmerkinder oder -gattinnen.

Deutschlands Aufsichtsrätinnen im Jahr 2013. Klicken Sie auf die Bilder, um mehr zu erfahren.

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insgesamt 68 Beiträge
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philbird 20.11.2013
1. optional
Danke für dieses Beispiel wie korrumpiert dieses Land ist. Die Durchlässigkeit der Schichten ist einfach nicht mehr gegeben und das liegt genau an diesen Umständen. Und da wundert man sich innerhalb der Eliten, warum die Eliten gehasst werden....
Peter Werner 20.11.2013
2.
Was mich einmal interessieren würde: Wieviele dieser Damen aus "Unternehmerdynastien" waren an Gründung bzw. Aufbau des jeweiligen Unternehmens aktiv beteiligt und wieviele wurden einfach ins gemache Nest geboren? Wie haben Susanne Klatten, Ursula Piëch, Maria-Elisabeth Schaeffler usw. zum Erfolg bzw. zum Aufstieg des Unternehmens beigetragen? Ist natürlich auch bei den Herren von Interesse.
acitapple 20.11.2013
3.
Zitat von philbirdDanke für dieses Beispiel wie korrumpiert dieses Land ist. Die Durchlässigkeit der Schichten ist einfach nicht mehr gegeben und das liegt genau an diesen Umständen. Und da wundert man sich innerhalb der Eliten, warum die Eliten gehasst werden....
daher ist die quote auch für die katz. es wird nicht so sein, dass gretchen von nebenan einfach mal so in den aufsichtsrat berufen wird um die quote zu erfüllen. selbst wenn, sie wird nicht dafür sorgen, dass lieschen ebenfalls befördert wird. die ganze quote ist sowas von hahnebüchen... andererseits wundern die personalien nicht, oder ? diese leute wachsen bereits im entsprechenden umfeld auf, wie auch z.b. der sohn vom bäcker oder die tochter des spediteurs. große namen und komplexe sachverhalte lernen sie quasi von kindesbeinen an. die sprösslinge der alleinerziehenden lehrerin werden mit solchen themen niemals in kontakt kommen, frühestens nach dem studium und das ist zu spät. abgesehen davon ist das richtige netzwerk 1000 mal wertvoller als der tollste uni-abschluss. das war immer so und wird immer so sein, übrigens auch im hochgepriesenen, objektiven kommunismus.
bild-leser 20.11.2013
4. Erbinnen, Witwen und Quotenfrauen
Ich vermute, dass demnächst neben den Erbinnen und Witwen auch Manuela Schwesig in etlichen Aufsichtsräten der DAX-Unternehmen vertreten sein wird. Ob den Unternehmen und der deutschen Wirtschaft damit geholfen sein wird, ist mehr als fraglich.
bert1966 20.11.2013
5.
Zitat von sysopDPASie sind Deutschlands mächtigste Frauen, aber sie sind noch in der Minderheit - die Aufsichtsrätinnen von der Kapitalseite. Sie heißen Schaeffler, Piëch oder Bagel-Trah. Was auffällt: Viele von ihnen stammen aus Unternehmerdynastien. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/dax-weibliche-aufsichtsratsmitglieder-anteilseignerseite-a-934389.html
Na: kein Problem ! Da muss halt eine Quote her ! Mindestens 30 Prozent der weiblichen Aufsichtsräte in DAX-Unternehmen sollten in Zukunft aus Gesetz aus Hartz IV-Haushalten der dritten Generation stammen.
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