Deal mit Australiern: Siemens will sich Hightech-Metalle sichern

Der Markt für Seltene Erden befindet sich fest in der Hand Chinas, Hightech-Hersteller klagen über die Abhängigkeit. Siemens versucht nun den Befreiungsschlag: Der Technologie-Konzern will die begehrten Rohstoffe gemeinsam mit einem Partner in Australien selbst fördern.

Seltene Erden (aus Mine in den USA): Faktisches chinesisches Monopol Zur Großansicht
REUTERS

Seltene Erden (aus Mine in den USA): Faktisches chinesisches Monopol

München - Es ist ein langfristig angelegtes Projekt: Mit einem Joint Venture will sich Siemens den Zugriff auf Seltene Erden sichern, die der Dax-Konzern zur Herstellung von Hochleistungsmagneten benötigt. Mit der australischen Lynas Corporation Limited sei eine Absichtserklärung zur Gründung eines Gemeinschaftsunternehmens unterzeichnet worden, teilte Siemens Chart zeigen am Donnerstag mit. Lynas soll dabei über langfristige Lieferverträge spezielle Metalle liefern, die zur Herstellung sogenannter Neodym-Dauermagnete für energieeffiziente Antriebe und für Generatoren von Windturbinen gebraucht würden.

Der deutsche Technologie-Konzern wird die Mehrheit an dem Joint Venture halten: Nach eigenen Angaben beteiligt sich Siemens Chart zeigen mit 55 Prozent. Die Details würden derzeit erarbeitet. "Das geplante Gemeinschaftsunternehmen ist für uns strategisch von Bedeutung, um eine langfristige und stabile Versorgung mit Hochleistungsmagneten zu sichern", begründete Ralf-Michael Franke, Chef der Siemens-Division Drive Technologies, den Schritt.

Erschließung der Vorkommen dauert ein Jahrzehnt

Hintergrund des Schritts ist das faktische Monopol Chinas bei den wertvollen Seltenen Erden. Die begehrten Rohstoffe werden für viele Hightech-Produkte wie Elektromotoren, Windräder und Smartphones benötigt. Derzeit liefert China mehr als 95 Prozent dieser Mineralien für den Weltmarkt. Die Volksrepublik hatte die Ausfuhr Seltener Erden zuletzt aber eingeschränkt und mehrere Minen unter staatliche Kontrolle gebracht. Die Preise waren deshalb im vergangenen Jahr um 130 Prozent gestiegen.

Allerdings wird das vereinbarte Gemeinschaftsunternehmen erst auf lange Sicht für eine gewisse Unabhängigkeit von China sorgen können: Laut "Wall Street Journal" dauert es etwa ein Jahrzehnt, bis Vorkommen der Mineralien neu erschlossen werden können.

Der weltweite Rohstoffmarkt ist hart umkämpft. Zuletzt sorgte ein Urteil der Welthandelsorganisation zu Exportbeschränkungen Pekings bei Rohstoffen wie Zink, Koks oder Magnesium für Aufregung. China verstößt nach Ansicht der WTO mit den erhobenen Ausfuhrzöllen und Quoten gegen internationale Handelsvereinbarungen. Auch den Export Seltener Erden hat China stark eingeschränkt. Beobachter schließen nicht aus, dass das Urteil hier richtungsweisend sein könnte, auch wenn diese Rohstoffe nicht explizit Gegenstand der WTO-Entscheidung waren.

fdi/dpa-AFX/AFP

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 5 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Toll-langfristig gedacht
zeitzeuge10 07.07.2011
Bei Siemens hat man schon immer strategisch gedacht.Eine tolle Firma. In Frankreich wird sowas von der zentralistischen Regierung gesteuert.Hier müssen das die Firmen in die hand nehmen,weil wir zuviel föderal aufgestellt sind-eine Schwäche.
2. Endlich.
wbieber 07.07.2011
Glückwunsch an SPON, dass sie sich diesen wichtigen Themas endlich einmal annehmen. Ein umfassendes Meinungsbild zum Thema Seltene Erden gibt es hier (http://www.theeuropean.de/debatte/6667-seltene-erden).
3. Perfekt
bl4ckbird 07.07.2011
Ich hab mir heute gleich mal ein paar Aktien von Lynas gegönnt. :)
4. befremdender Beitrag
Flam 08.07.2011
Zitat von zeitzeuge10Bei Siemens hat man schon immer strategisch gedacht.Eine tolle Firma. In Frankreich wird sowas von der zentralistischen Regierung gesteuert.Hier müssen das die Firmen in die hand nehmen,weil wir zuviel föderal aufgestellt sind-eine Schwäche.
Andere Meinung: Siemens ist genauso ein Sauhaufen wie andere Großkonzerne. In Anbetracht der Korruptionsskandale der letzten Monate drängt sich bei diesem Beitrag die Frage auf, ob auch hierfür der siemens'sche Etat für Public Relations bemüht wurde. Das Engagement von Siemens an dieser Stelle entspringt rein wirtschaftlichen Überlegungen. Die Ergebnisse nutzen Siemens und niemandem sonst. Vernünftig und richtig, ja, aber keine Loblieder außer vielleicht unternehmerischer Art wert. Es ist die ureigenste Aufgabe von Unternehmen sich ihre Rohstoffe für die Produktion zu beschaffen. Da hat die Regierung sich rauszuhalten. Wir haben keine Planwirtschaft. Dass Siemens in der Lage ist so zu handeln zeigt, dass die Voraussetzungen hierzu gegeben sind. Und nur die Voraussetzungen hat eine staatliche Instanz gegebenenfalls zu schaffen. Föderalismus ist eine Stärke in unserer Demokratie, die in Kauf nimmt, bei Entscheidungen und Umsetzungen schwerfälliger zu werden. Für Frankreich mit seiner ausgeprägten Protestkultur mag die zentralistische Ausrichtung in Ordnung gehen. Für Deutschlands Demokratie wäre sie zusätzliches Gift zu unserem politischen Phlegma. Ich kann Ihnen in keinem Punkt zustimmen.
5. Seltene Erden: Der wichtigste Rohstoff des 21. Jahrhunderts
MeyerSebastian 13.07.2011
Die Preise für die begehrten Rohstoffe waren im vergangenen Jahr deshalb um 130 Prozent gestiegen. Westliche Industrieländer hatten China dabei wiederholt vorgeworfen, das Angebot künstlich zu verknappen. Auch auf der Anlegermesse Anfang Mai 2011 in Frankfurt waren die Seltenen Erden ein Thema. Schaut Euch am besten dazu mal ein Video an, das wir dort gemacht haben, in dem sich Herr Brüning zu dem Thema äußert: http://www.youtube.com/user/DeutscheAnlegermesse#p/u/0/PXqmPX_17zc Herr Brüning hat zu diesem Thema ebenfalls ein Buch geschrieben, das sich mit diesem Thema auseinandersetzt. Eine Leseprobe gibt es unter http://www.financebooks.de/xist4c/web/Seltene-Erden---Der-wichtigste-Rohstoff-des-21--Jahrhunderts_id_41__dId_98400_.htm Wie denkt Ihr über diesen Rohstoff? Ist China ein Preistreiber? Wie kann man davon profitieren als Anleger? Ich bin gespannt auf Eure Beiträge! Viele Grüße!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Wirtschaft
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
RSS
alles zum Thema Seltene Erden
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 5 Kommentare
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Begehrte Metalle: Seltene Erden