Frankfurt am Main/Berlin - Monatelang wurde erbittert verhandelt - jetzt scheint die Zukunft des deutschen Autobauers Opel besiegelt zu sein: Die Treuhand des Unternehmens (siehe Infobox links) hat den Verkauf des Autobauers an den Zulieferer Magna und die russische Sberbank genehmigt.
"Wir sind heute im Beirat zu einer Entscheidung gekommen, von der wir fest glauben, dass sie im besten wirtschaftlichen Interesse von Opel/Vauxhall sowie deren Mitarbeiter ist", sagte der Vorsitzende des Treuhand-Beirats, Fred Irwin, sichtlich gutgelaunt auf einer Pressekonferenz in Berlin. Der Weg für eine erfolgreiche Zukunft der Traditionsmarken Opel und Vauxhall sei damit frei.
Alle vier deutschen Opelwerke sollen weiter betrieben werden, erklärte der Chefunterhändler von General Motors, John Smith. "Das ist derzeit der Plan von Magna und der Sberbank", sagte er. Opel produziert in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern (siehe Infobox links unten). Alle deutsche Arbeitsplätze sind dennoch nicht sicher: Rund 3000 Stellen will Magna in Deutschland streichen, gut 10.000 in ganz Europa. Ganz geschlossen werden soll laut GM das belgische Werk in Antwerpen.
Das aktuelle Konzept sieht vor, dass Magna und die Sberbank einen Anteil von 55 Prozent an Opel erwerben. GM behält 35 Prozent, die Mitarbeiter werden mit 10 Prozent beteiligt. Eine verbindliche Vereinbarung solle in einigen Wochen unterzeichnet werden.
Smith stellt Bedingungen
Die Opel-Treuhandgesellschaft stellte für den Opel-Verkauf allerdings Bedingungen. Die deutschen Staatsgarantien über voraussichtlich 4,5 Milliarden Euro dürften nicht in Russland verwendet werden. "Investitionen in Russland sollten durch andere Finanzquellen finanziert werden", sagte Irwin. Die Verwendung der öffentlichen Mittel müsse in diesem Sinn von der Bundesregierung überwacht werden.
GM-Verhandlungsführer Smith sagte, es werde weitere Gespräche mit der Bundesregierung geben. Er sprach von vier kleineren Vereinbarungen, die noch auszuhandeln seien. Dabei gehe es unter anderem um die Zusammenarbeit beim Einkauf und die technologische Nutzung. Irwin sagte: "Alle wissen, dass viel Arbeit vor uns liegt." Er sei aber zuversichtlich, dass die beste Lösung für die Opel-Werke gefunden worden sei, sagte der GM-Vizepräsident.
Die Entscheidung des Opel-Treuhand-Beirates für den Verkauf an das Magna-Konsortium fiel nach den Worte von Irwin nicht einstimmig. Agenturberichten zufolge stimmte der Vertreter der Bundesregierung bei der Opel-Treuhand, Manfred Wennemer, gegen Magna. Der Vertreter der vier Bundesländer mit Opel-Standorten im Treuhand-Beirat, Dirk Pfeil, enthielt sich der Stimme. Für den Verkauf an Magna und die russische Sberbank stimmten demnach nur die beiden GM-Vertreter.
Wennemer, Ex-Chef des Autozulieferers Continental, übte scharfe Kritik am Konzept von Magna und am Verhalten der Bundesregierung. "Wir haben keine Lösung, die Opel am Ende des Tages in ein wettbewerbsfähiges Unternehmen führen wird", sagte Wennemer. "Ich frage mich, wie ein solches Unternehmen überleben will", sagte er in Berlin. Das gesamte Risiko liege beim Steuerzahler.
Merkel feiert Einigung
Nach Angaben aus Regierungskreisen entschied sich GM letztlich aus finanziellen Gründen für die Trennung von Opel. Eine Sanierung des deutschen Herstellers habe GM nicht stemmen können. Die US-Regierung habe nicht erlaubt, dass Geld aus den 50 Milliarden Dollar Staatshilfen in Europa verwendet würde.
Die Bundesregierung zeigte sich sich erfreut über die Entscheidung zu einem Opel-Verkauf geäußert. "Wir begrüßen das außerordentlich", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Donnerstag nach Gesprächen mit Vertretern des US-Mutterkonzerns GM.
Das Ergebnis liege "auf der Linie dessen, was sich die Bundesregierung auch gewünscht hat" und was sich die Arbeitnehmer von Opel gewünscht hätten, sagte Merkel. "Es hat sich gezeigt, dass sich Geduld und Zielstrebigkeit der Bundesregierung ausgezahlt haben." Es sei aber kein einfacher Weg gewesen, sagte sie.
Auch Bundesaußenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier zeigte sich zufrieden mit dem geplanten Verkauf von Opel an Magna. "Das ist ein guter Tag für Opel und für die Menschen bei Opel."
Koch bietet Milliarden
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) nannte die Entscheidung des GM-Verwaltungsrates einen "entscheidenden Durchbruch" - und er signalisierte Bereitschaft für eine milliardenschwere Beteiligung an den Bürgschaften für Opel. Hessen sei bereit, letztlich an einer Gesamtsumme von 4,5 Milliarden Euro 1,5 Milliarden Euro zu übernehmen, sagte er am Donnerstag in Berlin.
Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers sagte in Düsseldorf, sein Land würde sich entsprechend des Verteilungsschlüssels ebenfalls an den Bürgschaften beteiligen. Thüringens Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz sagte, über die Verteilung der Staatsgarantien sei noch nicht abschließend beraten worden. "Aber wir werden sicher eine Lösung finden." Bund und Länder haben vereinbart, sich die Hilfen für Opel hälftig zu teilen. Die Bundesländer wollen Beiträge entsprechend der Zahl der Opel-Arbeitsplätze beisteuern.
Magna reagiert verhalten
Während die Regierung schon über den Magna-Deal jubelt, reagiert man bei Magna zurückhaltend auf GMs neue Zusagen. "Wir sind noch nicht durch", sagte ein Insider aus dem Umfeld des kanadisch-österreichischen Autozulieferers zu SPIEGEL ONLINE. "Wir warten erst einmal ab, bis der Vertrag unterzeichnet ist - ansonsten aber freuen wir uns." Man dürfe sich "nicht in die Irre führen lassen", sagte der Magna-Insider. Während der Verhandlungen in den vergangenen Monaten hätten sich zu viele Leute "immer wieder geirrt".
Immerhin habe General Motors keine weiteren Bedingungen an Magna gestellt. Der Opel-Verkauf könnte also nach den bisher bekannten Konditionen stattfinden. Konkret würde dies bedeuten:
ssu/wal/AFP/AP/dpa/ddp/Reuters
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