Debatte über neue Nuklearstrategie Siemens stellt Atomkraft in Frage

Nach der Nuklearkatastrophe in Japan scheint bei Siemens selbst das Undenkbare möglich: Laut "Süddeutscher Zeitung" gibt es in dem Atomkonzern Zweifel an der Zukunft der Kernkraft. Selbst einen Komplettausstieg halten Insider für möglich.

Siemens-Chef Löscher: Energiepolitik der Bundesregierung gibt den Rahmen vor
dapd

Siemens-Chef Löscher: Energiepolitik der Bundesregierung gibt den Rahmen vor


München - Peter Löscher hat ein dickes Problem: Obwohl der Siemens-Chef zunehmend auf erneuerbare Energien setzt, kann er nicht von der Atomkraft lassen. Bisher. Denn die Nuklearkatastrophe in Japan ändert alles. Und so wird laut "Süddeutscher Zeitung" jetzt auch im Siemens-Vorstand angeblich über alle Optionen nachgedacht - selbst über den Komplettausstieg.

Offiziell gibt der Konzern keinen Kommentar. Insider lassen sich jedoch mit Sätzen wie diesen zitieren: "Schon vor Japan war nicht klar, ob die Prognosen aufgehen werden und alle zwei Wochen irgendwo auf der Welt ein Atomkraftwerk gebaut wird", heißt es im Konzern. "Nach Japan kann man mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass es nicht so kommen wird. Sämtliche Prognosen zur Zukunft der Atomkraft waren unrealistisch."

In Arbeitnehmerkreisen würde ein Ausstieg nach Angaben der Zeitung begrüßt. "Wir sind uns darüber im Klaren, dass mit dem Geschäftsfeld erneuerbare Energien langfristig weitaus mehr Arbeitsplätze zu schaffen sind als mit dem Bau von Atomkraftwerken", heißt es dort. Hinzu kommt, dass man bei der IG Metall die Nukleartechnik ablehnt. "Atomenergie hat keine Zukunft", erklärt ein Grundsatzpapier, das der Zeitung vorliegt.

Die Haltung der Arbeitnehmer wird für Löscher wohl nicht ausschlaggebend sein. In den vergangenen Jahren aber war der Chef meist bemüht, die Beschäftigten für die strategischen Entscheidungen zu begeistern. Von einer Entscheidung beim Thema Nuklearstrategie ist Siemens Chart zeigen jedoch noch weit entfernt. Sehr aktiv treibt man das Thema aber nicht voran. Die Energiepolitik der Regierung gebe "den Rahmen vor", heißt es im Umfeld Löschers. Je nachdem wie stark die Atomwirtschaft gebremst werde, könnten sich die Pläne ändern.

Russen nicht mit Ausstiegsszenarien vergraulen

Aber auch andere Faktoren spielen für den Vorstandschef eine Rolle. Vor zwei Jahren hatte Löscher eine Partnerschaft mit der staatlichen russischen Atomfirma Rosatom ausgelobt. Sie sollte die Münchner beim Bau von Atomkraftwerken weit nach vorne bringen. Jetzt fürchtet man, den russischen Partner mit Ausstiegsszenarien zu vergraulen. Schließlich winken in Russland milliardenschwere Aufträge für den Aufbau einer modernen Infrastruktur.

Und dann ist da noch der Fall Areva, der derzeit vor einem Schiedsgericht verhandelt wird. Siemens hatte sich 2001 mit dem französischen Atomkonzern liiert. Die Münchner beteiligten sich mit 34 Prozent an einer Gemeinschaftsfirma, ein Anteil, dessen Wert jüngst auf 1,62 Milliarden Euro taxiert wurde. Löschers Konzern war es aber leid, immer nur Juniorpartner zu sein. Man stritt über Projekte, etwa beim Bau des finnischen AKW Olkiluoto. Entnervt bändelte Manager Löscher mit den Russen an.

Am 21. April nun sollen die Richter entscheiden, ob Siemens dabei gegen das Wettbewerbsverbot verstoßen hat. Der Konzern müsse den Ausgang nun erst einmal abwarten, heißt es laut "SZ" im Konzern.

yes



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outdoor 05.04.2011
1. AKW-Konzern Siemens stellt Atomkraft in Frage
Siemens stellt nicht die Atomkraft in Frage, sondern stellt in Frage das alle zwei Wochen ein neues Akw gebaut wird. Das ist reine wirtschaftliche Überlegung und selbstverständlich passt sich das Unternehmen an. Wo steht denn im Artikel das Siemens die Technik grundsätzlich in Frage stellt? Was Arbeitnehmervertreter in Deutschland sagen, ist völlig irrelevant. Die Überschrift ist einfach falsch oder der Artikel wird so geschrieben, dass es belegt wird das Siemens die Atomkraft in Frage stellt. So eine Überschrift ist reine Desinformation.
Dumpfmuff3000 05.04.2011
2. xxx
Zitat von sysopNach der Nuklearkatastrophe in Japan scheint bei Siemens selbst das Undenkbare möglich: Laut "Süddeutscher Zeitung" gibt es in dem Atomkonzern Zweifel an der Zukunft der Kernkraft. Selbst einen Komplettausstieg halten Insider für möglich. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,755057,00.html
Auf Dauer wird mit EE mehr Geld zu verdienen sein, aufgrund - der politischen Bedingungen - der steigenden Fördergelder - der Tatsache, daß Kernkraft auf den fossilen Energieträger Uran angewiesen ist, der in schätzungsweise 50 Jahren verbraucht sein wird Schön, daß es möglicherweise doch noch Konzerne gibt, die, wenn auch aus Profitgründen, langfristig denken. Ich bin gespannt, ob nicht im Zuge solcher Entwicklungen die eine oder andere technische Neuerung realisiert wird, die bisher jahrelang in einer Schublade verstaubt ist. Kein Grund für naive Euphorie, aber doch für vorsichtigen Optimismus.
syracusa 05.04.2011
3. @ outdoor
Zitat von outdoorSiemens stellt nicht die Atomkraft in Frage, sondern stellt in Frage das alle zwei Wochen ein neues Akw gebaut wird. Das ist reine wirtschaftliche Überlegung und selbstverständlich passt sich das Unternehmen an. Wo steht denn im Artikel das Siemens die Technik grundsätzlich in Frage stellt? Was Arbeitnehmervertreter in Deutschland sagen, ist völlig irrelevant. Die Überschrift ist einfach falsch oder der Artikel wird so geschrieben, dass es belegt wird das Siemens die Atomkraft in Frage stellt. So eine Überschrift ist reine Desinformation.
Danke! Darf ich Sie zukünftig damit zitieren?
Dumpfmuff3000 05.04.2011
4. xxx
Zitat von outdoorSiemens stellt nicht die Atomkraft in Frage, sondern stellt in Frage das alle zwei Wochen ein neues Akw gebaut wird. Das ist reine wirtschaftliche Überlegung und selbstverständlich passt sich das Unternehmen an. Wo steht denn im Artikel das Siemens die Technik grundsätzlich in Frage stellt? Was Arbeitnehmervertreter in Deutschland sagen, ist völlig irrelevant. Die Überschrift ist einfach falsch oder der Artikel wird so geschrieben, dass es belegt wird das Siemens die Atomkraft in Frage stellt. So eine Überschrift ist reine Desinformation.
Aus ethischen Gründen machen die das sicher nicht, aber ehrlich gesagt können Sie von der Industrie auch keine Selbstverpflichtungen erwarten, aus systemimmantenten Gründen. Den ethischen, ökologischen, sozialen Rahmen etc. zu setzen, innerhalb derer Unternehmen wirtschaften, ist Sache der demokratischen Gesellschaft und nicht des Wirtschaftssystems selber, auch wenns natürlich erfreulich wäre wenn Konzerne auch nach ethischen Überlegungen handeln. Es ist Sache der Politik, ein Klima zu schaffen, in dem sich das Umschwenken auf EE mehr lohnt als das Festhalten an Wahnsinnstechnologien wie der Kernkraft. WENN Siemens - und ich seh das auch eher kritisch, eine Schwalbe macht noch keinen Sommer - EE vorantreibt, ist mir persönlich total egal, ob die das aus Profit- oder sonstigen Gründen tun.
Schmerzbefreit 05.04.2011
5. ...
natürlich hält siemens es für möglich - die sind aus dem Thema ja eh RAUS. bedeutet die haben ihren atomsektor vor über 10 jahren verkauft und halten nur noch minderheiten beteiligung, diese wollten sie eh schon vor knapp nem jahr veräußern und auststeigen. und anschließend wollen sie mit den Russen ein konsortium bilden... natürlich ist es da einfach auszusteigen, weil man muss einfach nur nocht mehr einsteigen. das einzigste was siemens momenten noch mit AKWs zu tun hat ist das sie teile dazu produzieren und liefern, mit dem bau haben sie ansich nichts mehr zu tun, d.h. z.b. die liefern eventuell noch die turbinen oder so teile aber mit dem atomaren part haben sie eh nix mehr am hut.
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