"Deepwater Horizon" Ölkatastrophe kostet laut BP knapp 62 Milliarden Dollar

Vor sechs Jahren explodierte die Ölplattform "Deepwater Horizon" - mit dramatischen Folgen für Mensch und Natur. Nun hat der Konzern BP erstmals eine Kostenrechnung der Katastrophe vorgelegt.

Brennende Ölplattform im Jahr 2010
REUTERS

Brennende Ölplattform im Jahr 2010


Die Explosion der Ölplattform "Deepwater Horizon" kostet laut dem britischen Konzern BP insgesamt knapp 62 Milliarden Dollar. Steuerliche Effekte drücken die Belastung für BP dabei von 61,6 auf 44 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen in einer vorläufigen Schlussrechnung erklärte.

Bei der Explosion der "Deepwater Horizon" im April 2010 im Golf von Mexiko waren elf Menschen ums Leben gekommen. Über Monate hatte das Leck am Bohrloch nicht geschlossen werden können - 3,19 Millionen Barrel Öl liefen nach Berechnung eines US-Gerichts ins Meer. Das entspricht mehr als 500 Millionen Liter.

Es war eines der größten Unglücke in der Geschichte der Erdölförderung auf See. Erst nach vier gescheiterten Anläufen und 87 Tagen konnten Ingenieure eine Stahlglocke über die offene Quelle stülpen und den starken Strom aus dem Ölfeld stoppen. Mehr als 2000 Kilometer Küste wurden verschmutzt.

Im vergangenen Jahr hatte sich BP mit den US-Behörden auf eine Strafzahlung von rund 20 Milliarden Dollar geeinigt - eine der größten Strafen für ein Unternehmen in der Geschichte.

stk/dpa



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insgesamt 17 Beiträge
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sschuste 15.07.2016
1. Mal in Relation setzen
Laut wolframalpha.com verbrauchen die USA knapp 18,5 Mio Barrel Öl am Tag. Mag sich jeder selber ausrechnen, wie lange die im Golf verloren gegangene Menge ausgereicht hätte (Tipp: nicht sehr lange). Die Frage mag erlaubt sein, ob "das bisschen" Verschmutzung des Wassers überhaupt noch der Rede wert ist.
MisterD 15.07.2016
2.
Da sieht man mal, mit welch unterschiedlichen Maßen in den USA gemessen wird. Wenn ein paar Diesel etwas mehr Schadstoffe in die Luft pusten, kostet das 16 Milliarden. Wenn Shell einen kompletten Ozean verpestet und zig Kilometer Strand auf Jahrzehnte verseucht, dann kostet das 20 Milliarden.
holzkopftom 15.07.2016
3. BP vs VW
Für eine solche Umweltverschmutzung kommt BP, in meinen Augen, günstiger weg als VW. 2000km verschmutze Küste im Vergleich zu ~450 000 Diesel Pkws....
chjuma 15.07.2016
4. 62 Milliarden
eine gewaltige Zahl, bei der dem gestandenen Ökonomen das Wasser in der Hose steigt. Aber geschenkt. Was diese Katastrophe wirklich kostet, steht nirgendwo. Nämlich unwiederbringliches Leben, kaputte Strände, eine zerstörte Umwelt und wenn wir Menschen so weiter wurschteln kosten uns diese Katastrophen, zu denen ich auch die Kriege zähle, schlicht und ergreifend die Existenzgrundlage. Dann hat der Planet Erde die Seuche Mensch überstanden. Aber rechnet ruhig weiter in Zahlen. Da fallen mir die Worte eines alten Indianerhäuptlings ein:"Erst wenn der letzte Baum gefallen, der letzte Fisch gefangen und der letzte Fluss vergiftet ist wird der Weiße Mann erkennen dass man Geld nicht essen kann!" Dem ist nichts hinzuzufügen außer, dass sich nun alle Menschen angewöhnt haben, es dem Weißen Mann gleich zu tun.
schumbitrus 15.07.2016
5. Wo findet sich den Hinweis auf
Sorry, aber diese Fixierung auf Kosten des Unternehmens sind etwas einseitig. Denn auf der anderen Seite steht ein Verlust an Lebensqualität, an Gesundheit und vermutlich an Jobs in den Küstenregionen - nicht nur durch die Katastrophe, sondern auch die Schäden durch die verwendeten Chemikalien zum überdecken der direkten Auswirkungen. Es liegt in der Natir der Sache, dass all diese Schäden niemals vollumfänglich erstattet wurden bzw. erstattet werden konnten. Und genau da bleibt die Gemeinschaft auf Kosten sitzen, die etwas allgemein formuliert durch Neoliberalismus und dessen unmenschliche "Gesetze" gemacht werden - weil einige wenige das Privileg haben sollen, alle anderen zur privaten Profit-Steigerung in Geiselhaft zu nehmen. In diesem Fall sind es die diversen Risiken der Tiefsee-Erdöl-Förderung, in anderen Fällen die Ausbeutung von "Bodenschätzen" in Polar-Regionen, der Betrieb von AKWs oder der Einsatz von Gentechnik zur Nahrungsmittelherstellung. Die 62 Milliarden stellen eben nur einen Bruchteil der wahren Kosten dar, die die Gemeinschaft tatsächlich zu tragen hat. Wenn ein Artikel dann aber Tränen über die Verluste des Unternehmens vergießt, dann wird ignoriert, dass WIR es sind, die mitbestimmen müssen, welche Risiken akzeptabel sind und welche eben nicht - weil wir so oder so die tatsächlichen und einzigen Refinanzierer dieser Desaster sind. In der neoliberalistischen Quasi-Religion wird uns diese Entscheidungskompetenz abgesprochen und sie wird in die Hände weniger Menschen gelegt, die höchst egoistische Partikular-Interessen vertreten - und deren (unverantwortlichen) Zechen wir immer und immer zu zahlen haben!
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