"Deepwater Horizon": BP will sich von Öldebakel freikaufen

Vor knapp zwei Jahren stand BP im Zentrum einer der größten Ölkatastrophen der Geschichte. Von Zerschlagung und Pleite war die Rede. Doch mittlerweile steht der Konzern wieder gut da - und will die Katastrophe mit einer Vergleichszahlung abhaken.

Plattform "Deepwater Horizon": Eine der größten Ölkatastrophen der Geschichte Zur Großansicht
DPA/ US Coast Guard

Plattform "Deepwater Horizon": Eine der größten Ölkatastrophen der Geschichte

London/New York - Der britische Ölkonzern BP will das Debakel um die im Jahr 2010 havarierte Ölplattform "Deepwater Horizon" offenbar jetzt schnell hinter sich lassen. Das Unternehmen verhandle mit der US-Regierung über eine außergerichtliche Einigung bei den Schäden für die Wasserverschmutzung, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg.

Die Strafe für die Verschmutzung des Golfs von Mexiko bei der größten Ölkatastrophe der US-Geschichte könnte sich dabei bis auf 17,6 Milliarden Dollar belaufen. Die US-Regierung wolle für jedes der 4,1 Millionen Barrel Öl, das in den Golf von Mexiko geflossen ist, eine Entschädigung von 4300 Dollar.

Den Informationen zufolge suchen die Briten jetzt auch mit den anderen Unternehmen, die an der Plattform beteiligt waren, eine schnelle Lösung. Hier musste BP zuletzt eine Schlappe hinnehmen. Ein US-Gericht entschied, dass das Schweizer Betreiberunternehmen der Ölplattform, Transocean, nur eine Teilschuld trifft. Der britische Konzern müsse für die Beseitigung der Verschmutzung und die damit verbundenen wirtschaftlichen Schäden aufkommen. Zuvor hatte sich BP unter anderem mit dem Ölfeldbetreiber Anadarko Petroleum Chart zeigen auf Entschädigungszahlungen in Höhe von vier Milliarden Dollar geeinigt.

Insgesamt könnten die Strafzahlungen bei 25 Milliarden Euro liegen

Wie hoch die tatsächliche Zahlung an die USA ausfällt, ist noch offen. In den Vereinigten Staaten sind hohe Forderungen zu Beginn von Schadensersatzprozessen gegen Unternehmen üblich. So sind die von der Regierung geforderten 4300 Dollar je ausgeflossenen Barrel Öl die Obergrenze für den Fall, dass dem Unternehmen grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen wird. Normalerweise werden 1100 Dollar berechnet. Dann läge die Strafe bei 4,5 Milliarden Dollar. Experten gehen davon aus, dass man sich in der Mitte treffen könnte und die Strafe für die Wasserverschmutzung bei rund zehn Milliarden Dollar liegen könnte. BP selbst wollte die Informationen über mögliche Vergleiche mit der Regierung oder andere Unternehmen nicht kommentieren.

Insgesamt könnten sich die Strafzahlungen damit auf rund 25 Milliarden Dollar belaufen. Zu den zehn Milliarden Dollar für die Wasserverschmutzung könnten weitere zehn Milliarden für kriminelles Handeln sowie fünf Milliarden Dollar für die Umweltzerstörung an Land kommen. BP selbst hatte für die möglichen Schäden einst bis zu 40 Milliarden Dollar zurückgestellt, konnte diese Summe aber zuletzt wegen der erzielten Einigung mit einigen Betreiberfirmen auf rund 37 Milliarden Dollar senken.

Das Unternehmen hat sich inzwischen wieder gut von der Katastrophe erholt. Von einer Zerschlagung oder gar Pleite, über die kurz nach dem Unglück spekuliert wurde, ist heute keine Rede mehr. Im Jahr 2011 scheffelte das Unternehmen einen Gewinn von fast 24 Milliarden Dollar.

stk/dpa-AFX

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1.
Altesocke 09.02.2012
Tja, Oelaktien gehen immer!
2.
Sysiphos110 09.02.2012
Irgendwie scheint das keinen mehr so richtig zu interessieren: Bürokratie und BP blockieren Erforschung der Ölpest Der Golf von Mexiko ist ein riesiges Labor. Eine Chance, endlich herauszufinden, wie die Natur eine Ölkatastrophe bewältigt. *Doch es fehlt das von BP zugesagte Geld.* (http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2011-04/oelpest-usa-forschung)
3.
prophet46 19.02.2012
Zitat von sysopDPA/ US Coast GuardVor knapp zwei Jahren stand BP im Zentrum einer der größten Ölkatastrophen der Geschichte. Von Zerschlagung und Pleite war die Rede. Doch mittlerweile steht der Konzern wieder gut da - und will die Katastrophe mit einer Vergleichszahlung abhaken. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,814223,00.html
Für die USA scheint sich Deapwater Horizon (11 Tote, große Umweltsverschmutzung, die aber inzwischen weitgehend abgebaut wurde) zur Cash Cow zu entwickeln. Nicht nur, dass sich viele Geschäftsleute vor Ort mit völlig übertriebenen Schadensforderungen gesund stoßen wollen, auch der Staat will offenbar kräftig absahnen. Dagegen ist der US-Chemiekonzerns Union Carbide Corporation, der in Bhopal (Indien) 1984 aufgrund technischer Pannen mehrere Tonnen giftiger Stoffe in die Atmosphäre ließ. "Schätzungen der Opferzahlen reichen von 3.800 bis 25.000 Toten durch direkten Kontakt mit der Gaswolke sowie bis zu 500.000 Verletzten, die mitunter bis heute unter den Folgen des Unfalls leiden. Tausende erblindeten, Unzählige erlitten Hirnschäden, Lähmungen, Lungenödeme, Herz-, Magen-, Nieren-, Leberleiden und Unfruchtbarkeit." Der damalige Vorstandsvorsitzende von Union Carbide, Warren Anderson, ..entzog sich einer möglichen Bestrafung durch Flucht in die USA. "Die Firma zahlte nach langwierigen Verhandlungen und gegen Verzicht auf Strafverfolgung letztlich durch ein am 14. Februar 1989 vom Obersten Gericht Indiens gefälltes Urteil 470 Millionen Dollar (damaliger Jahresumsatz der Firma: 9,5 Milliarden Dollar) an den indischen Staat". Weitere 250 Millionen US-Dollar zahlten Versicherungen" " Viele Betroffene leiden noch heute unter den Folgen der Verletzungen und Vergiftungen. "(jeweils Wikipedia). Offenbar ist ein Leben in Indien weniger wert als in den USA.
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