"Deepwater Horizon"-Debakel: BP zahlt acht Milliarden Dollar an Ölpest-Kläger

In letzter Minute hat sich der Energiekonzern BP mit Tausenden Klägern auf Entschädigung wegen der Ölpest im Golf von Mexiko geeinigt. Das Unternehmen zahlt 7,8 Milliarden Dollar - und erspart sich damit einen aufwendigen Gerichtsprozess.

London - Zwei Tage vor Beginn eines Prozesses gegen BP wegen der Ölpest im Golf von Mexiko hat sich der Konzern auf einen Vergleich mit den Klägern eingelassen. BP wird Privatleuten und Firmen 7,8 Milliarden Dollar an Entschädigungszahlungen für das Umweltdesaster leisten, teilte das Unternehmen am Samstag mit. Das Geld soll aus einem Fonds in Höhe von 20 Milliarden Dollar kommen, den BP eigens dafür eingerichtet hat.

Dem Konzern dürften noch weitere Zahlungen bevorstehen, denn eine Einigung mit den staatlichen Stellen in den USA steht noch aus. Mit der größten Gruppe der Zivilkläger hat sich BP aber nun geeinigt. Eine Richterin hatte sich mit Vertretern der Firma und Vertretern der Kläger getroffen und den Vergleich mit ausgehandelt. Dieser müsse nun vom Gericht geprüft und bestätigt werden, hieß es.

Eigentlich sollte am Montag in New Orleans ein Mammutprozess wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko beginnen. Mehr als 100.000 Kläger wollten Entschädigung von BP. Das Verfahren wurde nun verschoben. Die Einigung führe wahrscheinlich dazu, dass sich die Voraussetzungen für den Prozess grundlegend ändern werden, teilte der zuständige Richter mit.

Der Start des Verfahrens mit Millionen von Prozessdokumenten war ursprünglich bereits für den 26. Februar geplant gewesen. Die Parteien erreichten dann zunächst eine Verschiebung auf den 5. März und nun einen weiteren Aufschub.

BP-Chef sieht Fortschritte bei Beseitigung der Schäden

BP-Chef Bob Dudley zeigte sich mit der Einigung zufrieden. Man habe fast zwei Jahre daran gearbeitet. "Die vorgeschlagene Einigung bedeutet signifikante Fortschritte zur Lösung aller Probleme des Deepwater-Horizon-Unfalls", sagte Dudley. Sie trage auch zur wirtschaftlichen und ökologischen Wiederherstellung der Küste im Golf von Mexiko bei.

Bei dem Unglück im April 2010 war die Ölplattform "Deepwater Horizon" explodiert. Elf Menschen starben. Zwischen vier und fünf Millionen Barrel Öl liefen 87 Tage lang ins Meer. Betroffene Privatleute, Firmen, Kommunen, US-Bundesstaaten sowie die Zentralregierung in Washington reichten Klagen gegen BP und andere beteiligte Firmen ein.

BP hat für die Folgen der Ölkatastrophe nach eigenen Angaben bereits vor der Einigung 22 Milliarden US-Dollar ausgegeben. 8,1 Milliarden Dollar gingen an Privat- und Geschäftsleute. 14 Milliarden Dollar musste das Unternehmen für Aufräumarbeiten, Geräte und weitere Dinge im Zusammenhang mit dem Unglück zahlen.

mmq/dapd/Reuters

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1. WIR zahlen!
artikel.5 03.03.2012
BP zahlt? Von wegen, wir zahlen, und das hat BP genauso wie jeder andere konzern längst eingeplant. Huch, Bohrloch kaputt? Macht nix, stopfen wir den Schreihälsen das Maul mit einer Handvoll Dollar, erhöhen die Spritpreise und machen weiter wie bisher, bis zum nächsten Leck im Bohrloch... Die Welt ist gross und nach uns die Sintflut.
2.
rigodot 03.03.2012
Zitat von artikel.5BP zahlt? Von wegen, wir zahlen, und das hat BP genauso wie jeder andere konzern längst eingeplant. Huch, Bohrloch kaputt? Macht nix, stopfen wir den Schreihälsen das Maul mit einer Handvoll Dollar, erhöhen die Spritpreise und machen weiter wie bisher, bis zum nächsten Leck im Bohrloch... Die Welt ist gross und nach uns die Sintflut.
Die Frage ist wohl eher wer das Geld bekommt. In der Regel ist es immer so, dass der mit der meisten Kohle den Schadensersatz einklagt und die anderen Geschädigten erhalten nur einen winzigen Bruchteil wie es bei der Mutter von Norman Finkelstein der Fall war.
3. Zweierlei Maß
prophet46 03.03.2012
Zitat von sysopIn letzter Minute hat sich der Energiekonzern BP mit Tausenden Klägern auf Entschädigung wegen der Ölpest im Golf von Mexiko geeinigt. Das Unternehmen zahlt 7,8 Milliarden Dollar - und erspart sich damit einen aufwändigen Gerichtsprozess. "Deepwater Horizon"-Debakel: BP zahlt acht Milliarden Dollar an Ölpest-Kläger - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819016,00.html)
Ich will die Tragik des Ölunfalls nicht verniedlichen, aber es ist schon mehr als erstaunlich wie es den Amerikanern gelingt, diesen Unfall finanziell zu ihren Gunsten auszubeuten. Wie Ken Feinberg, der beauftrage neutrale Verwalter des 20 Mrd. $ BP-Entschädigungsfonds in Hunderten von Schadensfällen feststellte, wurde z.T. aberwitzige, durch nichts begründbare Forderungen an BP gestellt. Hier scheinen sich einige Geschäftsleute eine goldene Nase verdienen zu wollen. Auch der amerikanische Staat wird noch Strafzahlungen in X-facher Milliardenhöhe einfordern. Nicht so großzügig verfahren US-Firmen, wenn sie Schäden im Ausland anrichten. Bei der Katastrophe im indischen Bhopal, die sich 1984 ereignete und die vom US-Chemiekonzerns Union Carbide Corporation ausgelöst wurde, starben zwischen 3.000 und 5.000 Menschen an den unmittelbaren Folgen. Hunderttausende leiden noch heute an den Folgen. An Entschädigung hat man gerade einmal 470 Mio. $ bezahlt, 250 Mio. $ kamen von Versicherungen. Dieses Fall gilt als die größe Umweltkatastrophe. Im jüngsten Skandal, bei dem es um die Ölverseuchung von Teilen des Regenwaldes in Ecuador durch die US-Ölfirma Chevron geht, wurden von den von der Regierung für die Beseitigung geforderten 18 Mrd. $ bisher noch nichts bezahlt. Die Regulierung wird wohl jahrelang verschleppt werden.
4. Tanken Sie doch woanders!
Stuhlbeinsäger 03.03.2012
Zitat von artikel.5BP zahlt? Von wegen, wir zahlen, und das hat BP genauso wie jeder andere konzern längst eingeplant. Huch, Bohrloch kaputt? Macht nix, stopfen wir den Schreihälsen das Maul mit einer Handvoll Dollar, erhöhen die Spritpreise und machen weiter wie bisher, bis zum nächsten Leck im Bohrloch... Die Welt ist gross und nach uns die Sintflut.
...oder besser noch: öfter mal gar nicht! Die meisten glauben gar nicht, wie beschwingt und frei es sich ohne spritfressende Rostlaube lebt. Sie blenden völlig aus, wie groß der Teil ihres Einkommens ist, den sie Jahr für Jahr in einen PKW pumpen. "Angewiesen" - das ist DIE Vokabel Nr. 1, wenn es darum geht, ob es auch mal ohne geht. "Angewiesen" wie auf einen Wäschetrockner, einen Cappuccino-Vollautomaten. Wenn das Gehirn von der Bequemlichkeit gelähmt wird, dann hilft nur noch ein drastisch steigender Benzinpreis, um die Füße wieder auf den Boden zu kriegen. Gestern war wieder ein Grund zum Feiern: 1 Barrel über 125 USD! Ich bin gespannt, wann Otto und Elfriede Normalo die Schüssel stehen lassen. Bei 2 EUR / Liter? Bei 2,50 EUR? Irgendwie würde das ins Bild unserer ach-so-modernen Gesellschaft des 21. Jahrhunderts passen: das Weltklima wurde gerettet von hohen Energiepreisen. Naja, Einsicht wäre besser gewesen, aber so ist es auch OK.
5. Großstädter?
tubaner 03.03.2012
Zitat von StuhlbeinsägerDie meisten glauben gar nicht, wie beschwingt und frei es sich ohne spritfressende Rostlaube lebt. Sie blenden völlig aus, wie groß der Teil ihres Einkommens ist, den sie Jahr für Jahr in einen PKW pumpen. "Angewiesen" - das ist DIE Vokabel Nr. 1, wenn es darum geht, ob es auch mal ohne geht.
Lassen Sie mich raten: Sie leben in einer Großstadt oder einem Ballungszentrum. Da lässt es sich natürlich leicht arrogant daher reden. In München brauch ich auch keinen PKW, da komm ich mit Ubahn und Bus jederzeit überall im Umkreis von 50km hin. In meiner Heimatstadt sieht es aber etwas aus: die nächste Bushaltestelle ist von meinem Elternhaus 1km entfernt und wird werktags von drei Bussen angefahren (morgens der Schulbus in die Stadt hinein, mittags und nachmittags auf die Dörfer hinaus), an Wochenende und in den Schulferien gar nicht. Und jeden Tag bei jedem Wetter 10 bis 20km mit dem Rad zur Arbeit fahren ist auch utopisch.
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