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Geldpolitik: Schweden bekämpft drohende Deflation mit Minuszins

Bankkunde am Automaten in Stockholm (Archiv): Kampf gegen stagnierende Verbraucherpreise Zur Großansicht
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Bankkunde am Automaten in Stockholm (Archiv): Kampf gegen stagnierende Verbraucherpreise

Die schwedische Zentralbank zieht nach: Als Reaktion auf stagnierende Verbraucherpreise senkt sie den Leitzins. Erstmals liegt der Zinswert damit unter 0,0 Prozent.

Stockholm - Im Kampf gegen stagnierende Verbraucherpreise hat die schwedische Notenbank den Leitzins erstmals in den negativen Bereich gesenkt. Der Zins werde von bisher null auf minus 0,1 Prozent reduziert, teilte die Reichsbank in Stockholm mit. Volkswirte hatten eigentlich mit einem unveränderten Zinswert gerechnet.

Auch der Ankauf von Staatsanleihen soll Abhilfe schaffen. Die Reichsbank will Papiere mit Laufzeiten von einem bis fünf Jahren im Wert von umgerechnet 1,03 Milliarden Euro kaufen. Die Notenbank folgt mit ihrer Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), die Ende Januar breit angelegte Staatsanleihekäufe beschlossen hatte.

Schweden ist zwar nicht Teil der Eurozone, aber als EU-Mitglied wirtschaftlich eng mit der Währungsunion verflochten. Zuletzt hatten weltweit eine Reihe von Notenbanken ihre Geldpolitik weiter gelockert. Der Euro legte nach der Entscheidung der Reichsbank zu und stieg auf 9,64 Kronen. Zuvor hatte der Euro noch bei rund 9,50 Kronen notiert.

Die Notenbank verwies zur Begründung ihrer Entscheidung auch auf die gefallenen Ölpreise. Diese würden zwar die Konjunktur stützen, jedoch gleichzeitig das Preisniveau weiter drücken. Zudem erhöhe die jüngste Entwicklung in Griechenland die Unsicherheit.

loe/dpa/AFP

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1. Warum Schweden
hjoburg 13.02.2015
Warum gerade Schweden, sind die nicht solide und gehören nicht dem Euro an? Also warum die Gefahr von Deflation und Negativ Zinsen Warum Nullzinsen und Deflation in Schweden? Die sind doch solide?! Weil ja immer die Zentralbanken und Politik darauf hinweist, dass diese Zinspolitik den Südländern geschuldet sei? Viele haben diesen Zusammenhang aber bis heute noch nicht gemerkt oder können und wollen ihn wegen ihrer ideologischen Scheuklappen nicht wahrhaben. Wer gibt schon gern den Monetarismus und all die aus ihm abgeleiteten Modelle auf, an denen er sich jahrzehntelang orientiert hat? Und wer nimmt schon freiwillig das Wort Lohnpolitik in den Mund, wo doch Löhne angeblich auf Märkten ohne jede politische Einflussnahme zustande kommen oder wenigstens Sache der Tarifparteien sind, nicht aber Gegenstand der Wirtschaftspolitik im engeren Sinne? Würden die Geldpolitiker den Nexus zwischen der Entwicklung der gesamtwirtschaftlichen Lohnstückkosten und der Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen Preisniveaus ernst nehmen, wäre der Ausweg aus den deflationären Tendenzen in Europa klar vorgezeichnet: Die Zentralbanken müssten sich für höhere Löhne aussprechen und die Gewerkschaften ermutigen, einer weiteren Erosion des Lohnniveaus entschieden entgegen zu treten. Sie müssten den Regierungen in den Arm fallen, wenn deren Reformvorhaben auf das Lohnniveau drücken und damit deflationär wirken. Ja, die Geldpolitiker müssten anerkennen, ihr geldpolitisches Ziel Nummer eins, die Preisstabilität, nicht aus eigener Kraft erreichen zu können, zumindest dann nicht, wenn es mit der Inflationsrate gegen null oder sogar darunter geht. Wer die Nullzins-Politik kritisiert, der sollte sie wenigstens nicht denen in die Schuhe schieben, die nichts dafür können, nämlich nicht den Krisenländern – das legt das Beispiel Schweden ganz eindeutig nahe. Sondern der sollte diejenigen dafür verantwortlich machen, die nicht bereit sind, ihre Vorstellungen von der Funktionsweise einer Marktwirtschaft und insbesondere ihre Inflationstheorie der Realität anzupassen, aber dennoch an den Schalthebeln der Wirtschaftspolitik sitzen.
2. Deflation als Schreckgespenst...
aussächsischersicht 18.02.2015
...ist jedenfalls nicht besser als Inflationsangst. Besser sind schon gleichbleibende Geldwerte. Nur eines frage ich mich dabei: Warum soll es immer nur Richtung Geldentwertung - schleichende Enteignung - gehen, für Zockerei, die Otto-Normalbürger nun einmal nicht verschuldet hat? Warum nicht auch mal in die umgekehrte Richtung? Wegen der Konjunktur? Ich jedenfalls treffe meine Kaufentscheidungen nach Bedarf und Kassenlage, vielleicht sollte die Geld- und Finanzpolitik endlich wieder zu der simplen Erkenntnis zurückkehren, dass man nur Produkte erzeugen und verkaufen, Geld realistisch bewerten und Menschen zeugen, gebären, ernähren und beerdigen kann, dass man nur vererben kann, was da ist. Bestraft man Menschen für normales, wirtschaftlich logisches, sparsames Handeln, so darf man sich über die anschließende Ausbreitung unnormaler Verhaltensweisen, auch tiefere Verwerfungen verschiedener Art, nicht wundern.
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