Degi Europa: Immobilienfonds-Auflösung schockiert Anleger

Vor dem Bankencrash galten sie als fast idiotensichere Anlage, dann aber gerieten offene Immobilienfonds in die Krise - nun wird Degi Europa geschlossen, der zweite Mega-Fonds binnen vier Wochen. Wie viel Geld noch an die Investoren gezahlt wird, ist unklar.

Problemfonds: Vorübergehend geschlossen Fotos
AP

Frankfurt am Main - Schon seit zwei Jahren kamen die Anleger nicht mehr an ihr Geld, der offene Immobilienfonds Degi Europa war wegen der Turbulenzen am Immobilienmarkt eingefroren worden. Laut Gesetz ist dies maximal zwei Jahre möglich. Doch eine erneute Öffnung des 1,3 Milliarden Euro schweren Fonds war nicht möglich. Wie die Fondsverwaltung Aberdeen mitteilte, folgt nun die Auflösung.

Nach dem US-Grundinvest-Fonds von KanAm Ende September ist es bereits das zweite Aus für einen offenen Immobilienfonds. Dabei galt die Anlageform bis zum Ausbruch der Immobilienkrise in den USA als grundsolide. Rund drei Millionen Deutsche haben Geld in offenen Immobilienfonds angelegt. Beim ebenfalls kriselnden Fonds P2 Value von Morgan Stanley ist die Entscheidung über eine Öffnung noch nicht gefallen.

Grundsätzlich funktionieren die Fonds so: Das Geld der Anleger wird nicht nur in Grundstücke, Hotels, Büropaläste und Gewerbeobjekte investiert, sondern auch in Zinspapiere oder andere schnell verfügbare Anlagen. Dadurch soll gesichert sein, dass Investoren jederzeit Fondsanteile verkaufen können. Werden allerdings zu viele Anteile abgezogen, reichen die flüssigen Mittel nicht mehr aus, die Fonds geraten in Schieflage.

Rückzahlung alle sechs Monate

Beim Degi Europa ist nun laut Aberdeen nicht garantiert, dass die vorhandenen Barmittel des Fonds ausreichten, um die Rückgabewünsche der Anleger bei einer Wiederöffnung zu bedienen.

Die Anleger sollen nun in halbjährlichen Abständen schrittweise ausgezahlt werden. Eine erste Tranche solle es voraussichtlich im Januar 2011 geben. Wie hoch die Rückzahlung letztlich ausfällt, ist unklar.

Der Degi Europa war 1972 aufgelegt worden und galt lange Zeit als ein erfolgreicher Klassiker unter den offenen Immobilienfonds. Nach einer Übersicht des Branchenverbands BVI waren Ende August rund ein Dutzend offene Immobilienfonds in Deutschland eingefroren worden, die zusammen knapp 25 Milliarden Euro vor allem für Privatanleger verwalten. Insgesamt waren laut Übersicht rund 88 Milliarden Euro in offenen Immobilienfonds angelegt.

cte/Reuters/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 23 Beiträge
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1. Der Finanzoptimierer
FastFertig, 22.10.2010
So ein windiger Finanzoptimierer hat mir auch einmal so eine vorgemalte Statistik gezeigt. Sehen Sie nur, seit 1972 geht es immer nur nach oben. Immer nur: rauf, rauf, rauf. Wenn sie 1972 eingestiegen ... (blablabla).... heute reich!
2. Fonds-Auflösung schockiert Anleger...
marzla 22.10.2010
Das einzig Idiotensichere im Anlagegeschäft ist der Profit der Banken und Ihrer Berater. Die wahren Idioten sind ausnahmslos die Anleger!
3. jetzt verstehe ich ...
pallanza, 22.10.2010
Jetzt verstehe ich wieder mal, weshalb mir meine Volksbank Ende 2008 unbedingt Immobilienfonds verkaufen wollte und dann äußerst stinkig reagiert hat (Gesprächsabbruch), als ich das nicht wollte, weil ich angesichts der anlaufenden Krise von Mietausfällen etc. ausging. Ist doch logisch, dass bei einem Konjunktureinbruch weniger Fläche gebraucht wird und dass es zu Zahlungs- und Mietausfällen kommt. Die haben schlichtweg Geld gebraucht um zu überleben. "Anlageberater"? Das sind schlicht und einfach Verkäufer, die ihre Vertriebsziele und Provisonswünsche haben.
4. offene Immobilienfonds am Ende ??
sic tacuisses 22.10.2010
Vielleicht haben ja die so betroffenen, bei denen es sich durchwegs um "Besserverdiener" handeln dürfte, eine genügend starke Lobby, um dem Treiben solcher Kriminellen endlich Einhalt zu gebieten. Die Politik wird nur tätig, wenn es Ohrfeigen setzt
5. interessante Theorie...
amw52, 22.10.2010
Zitat von marzlaDas einzig Idiotensichere im Anlagegeschäft ist der Profit der Banken und Ihrer Berater. Die wahren Idioten sind ausnahmslos die Anleger!
aber ich frage mich, warum denn trotz dieser idiotensicheren Profite so viele Banken so riesige Verluste machten?
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