Berlin/Frankfurt - Eigentlich sollte Franz Waas auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag positive Zahlen präsentieren. Doch dazu wird es nicht mehr kommen, der Dekabank-Vorstandschef Franz Waas muss überraschend seinen Hut nehmen. Der Verwaltungsrat habe Waas mit sofortiger Wirkung abberufen und von allen Aufgaben entbunden, teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) am Montag mit.
Das notwendige persönliche Vertrauensverhältnis sei nicht mehr gegeben, hieß es in einer knappen Erklärung, die nicht einmal die in solchen Fällen üblichen Dankesformeln enthielt. Zum kommissarischen Vorstandschef wurde Oliver Behrens bestimmt, der in dem Führungsgremium für das Geschäft mit Wertpapierfonds zuständig ist.
Hintergrund der Entlassung sind laut Mitteilung des Verbandes "unterschiedliche Auffassungen über zusätzliche Tantiemeforderungen aus der ersten Amtszeit für die Jahre 2008 und 2009". In Finanzkreisen hieß es, Waas habe für diese Zeit rückwirkend zusätzliche Boni von bis zu 2,5 Millionen Euro gefordert. Die Dekabank äußerte sich einen Tag vor ihrer Jahrespressekonferenz nicht dazu, Waas war zunächst nicht zu erreichen.
Der frühere HSH-Nordbank-Vorstand Waas hatte den Chefposten am 1. Januar 2006 nach massiven Problemen bei einem Immobilienfonds übernommen und wieder auf Kurs gebracht. Im Juni 2010 hatte der Verwaltungsrat noch den Vertrag des 51-jährigen Managers verlängert. Allerdings gab es innerhalb der Sparkassenfamilie auch Kritik am Risikoprofil der Dekabank unter Waas Führung - obwohl dieser in drei von fünf Amtsjahren Rekordergebnisse vorlegte.
Waas galt als "kleiner Investmentbanker"
Für das Jahr 2010 konnte Waas dank der Erholung an den Märkten einen Rekordgewinn präsentieren. Für das vergangene Jahr erwartete er ein wirtschaftliches Ergebnis im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von rund 400 Millionen bis 500 Millionen Euro.
Doch Waas war als neuer Chef des Fondsanbieters, der nach dem Ausstieg der Landesbanken mittlerweile komplett den Sparkassen gehört, nicht unumstritten. Wiederholt gab es auch Querelen wegen Gehaltsforderungen des Bankchefs Waas, der seit 2006 Vorstandsvorsitzender ist. Das Verhältnis von Waas zu Verbandschef Heinrich Haasis galt als angespannt.
"Die neuen rückwirkenden Bonusforderungen haben das Fass zum Überlaufen gebracht", sagt ein Insider aus dem Umfeld des Aufsichtsgremiums. "Das wurde von Haasis eindeutig als Vertrauensbruch angesehen." Der Sparkassen-Verbandspräsident kritisiere regelmäßig überzogene Boni bei Privatbanken - da könne er die nicht im eigenen Lager durchwinken. Er habe sich dabei eng mit seinem Nachfolger Georg Fahrenschon abgestimmt, der Mitte Mai das Ruder übernimmt. Der Bonus-Streit mit Waas ziehe sich schon seit Monaten hin, berichtet Reuters.
Waas begann seine Karriere 1985 bei der damaligen Bayerischen Vereinbank, heute Teil der Unicredit-Tochter HypoVereinsbank. Für die Münchner leitete er unter anderem die New Yorker Niederlassung, später baute er in der US-Finanzmetropole für die Landesbank Baden-Württemberg die Geschäfte auf. Anschließend verantwortete er für die HSH Nordbank das Kapitalmarktgeschäft. "Er gilt in der Sparkassen-Organisation als kleiner Investmentbanker", sagt ein Sparkassen-Funktionär.
lgr/dpa/Reuters
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