Streit um Millionen-Boni: Dekabank-Chef wird überraschend entlassen

Der Chef des Sparkassen-Fondsdienstleisters Dekabank, Franz Waas, muss gehen - Grund ist ein Streit um Geld: Er forderte offenbar rückwirkend Boni in Millionenhöhe. Der Zoff konnte nicht gelöst werden, jetzt setzte der Verwaltungsrat den 51-jährigen Manager fristlos vor die Tür.

Dekabank: Vertrauensverhältnis zum Vorstandschef zerrüttet Zur Großansicht
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Dekabank: Vertrauensverhältnis zum Vorstandschef zerrüttet

Berlin/Frankfurt - Eigentlich sollte Franz Waas auf der Bilanzpressekonferenz am Dienstag positive Zahlen präsentieren. Doch dazu wird es nicht mehr kommen, der Dekabank-Vorstandschef Franz Waas muss überraschend seinen Hut nehmen. Der Verwaltungsrat habe Waas mit sofortiger Wirkung abberufen und von allen Aufgaben entbunden, teilte der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) am Montag mit.

Das notwendige persönliche Vertrauensverhältnis sei nicht mehr gegeben, hieß es in einer knappen Erklärung, die nicht einmal die in solchen Fällen üblichen Dankesformeln enthielt. Zum kommissarischen Vorstandschef wurde Oliver Behrens bestimmt, der in dem Führungsgremium für das Geschäft mit Wertpapierfonds zuständig ist.

Hintergrund der Entlassung sind laut Mitteilung des Verbandes "unterschiedliche Auffassungen über zusätzliche Tantiemeforderungen aus der ersten Amtszeit für die Jahre 2008 und 2009". In Finanzkreisen hieß es, Waas habe für diese Zeit rückwirkend zusätzliche Boni von bis zu 2,5 Millionen Euro gefordert. Die Dekabank äußerte sich einen Tag vor ihrer Jahrespressekonferenz nicht dazu, Waas war zunächst nicht zu erreichen.

Der frühere HSH-Nordbank-Vorstand Waas hatte den Chefposten am 1. Januar 2006 nach massiven Problemen bei einem Immobilienfonds übernommen und wieder auf Kurs gebracht. Im Juni 2010 hatte der Verwaltungsrat noch den Vertrag des 51-jährigen Managers verlängert. Allerdings gab es innerhalb der Sparkassenfamilie auch Kritik am Risikoprofil der Dekabank unter Waas Führung - obwohl dieser in drei von fünf Amtsjahren Rekordergebnisse vorlegte.

Waas galt als "kleiner Investmentbanker"

Für das Jahr 2010 konnte Waas dank der Erholung an den Märkten einen Rekordgewinn präsentieren. Für das vergangene Jahr erwartete er ein wirtschaftliches Ergebnis im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre von rund 400 Millionen bis 500 Millionen Euro.

Doch Waas war als neuer Chef des Fondsanbieters, der nach dem Ausstieg der Landesbanken mittlerweile komplett den Sparkassen gehört, nicht unumstritten. Wiederholt gab es auch Querelen wegen Gehaltsforderungen des Bankchefs Waas, der seit 2006 Vorstandsvorsitzender ist. Das Verhältnis von Waas zu Verbandschef Heinrich Haasis galt als angespannt.

"Die neuen rückwirkenden Bonusforderungen haben das Fass zum Überlaufen gebracht", sagt ein Insider aus dem Umfeld des Aufsichtsgremiums. "Das wurde von Haasis eindeutig als Vertrauensbruch angesehen." Der Sparkassen-Verbandspräsident kritisiere regelmäßig überzogene Boni bei Privatbanken - da könne er die nicht im eigenen Lager durchwinken. Er habe sich dabei eng mit seinem Nachfolger Georg Fahrenschon abgestimmt, der Mitte Mai das Ruder übernimmt. Der Bonus-Streit mit Waas ziehe sich schon seit Monaten hin, berichtet Reuters.

Waas begann seine Karriere 1985 bei der damaligen Bayerischen Vereinbank, heute Teil der Unicredit-Tochter HypoVereinsbank. Für die Münchner leitete er unter anderem die New Yorker Niederlassung, später baute er in der US-Finanzmetropole für die Landesbank Baden-Württemberg die Geschäfte auf. Anschließend verantwortete er für die HSH Nordbank das Kapitalmarktgeschäft. "Er gilt in der Sparkassen-Organisation als kleiner Investmentbanker", sagt ein Sparkassen-Funktionär.

lgr/dpa/Reuters

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1. Hm
Herr Hold 02.04.2012
Zitat von sysopDPADer Chef des Sparkassen-Fondsdienstleisters Dekabank Franz muss gehen - Grund ist ein Streit um Geld: Franz Waas forderte offenbar rückwirkend Boni in Millionenhöhe. Der Zoff konnte nicht gelöst werden, jetzt setzte der Verwaltungsrat den 51-jährigen Manager fristlos vor die Tür. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825353,00.html
"obwohl dieser in drei von fünf Amtsjahren Rekordergebnisse vorlegte." Dann wünsche ich dem Nachfolger und dem Unternehmen auch viel Erfolg!
2.
Altesocke 02.04.2012
Zitat von sysopDPADer Chef des Sparkassen-Fondsdienstleisters Dekabank Franz muss gehen - Grund ist ein Streit um Geld: Franz Waas forderte offenbar rückwirkend Boni in Millionenhöhe. Der Zoff konnte nicht gelöst werden, jetzt setzte der Verwaltungsrat den 51-jährigen Manager fristlos vor die Tür. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825353,00.html
Und lassen sie mich raten: Er wird seine Boni jetzt wohl auf jeden Fall noch bekommen, oder?
3. Die wird dann Herr Waas
herr_kowalski 02.04.2012
Zitat von sysopDPADer Chef des Sparkassen-Fondsdienstleisters Dekabank Franz muss gehen - Grund ist ein Streit um Geld: Franz Waas forderte offenbar rückwirkend Boni in Millionenhöhe. Der Zoff konnte nicht gelöst werden, jetzt setzte der Verwaltungsrat den 51-jährigen Manager fristlos vor die Tür. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,825353,00.html
wohl erfolgreich einklagen, nach dem Motto: "schließlich bin ich Leistungsträger und das steht mir zu".
4. Schnell zurueck zur Mittelmaessigkeit
gerhard_summerer 03.04.2012
Das Sparkassen-Landesbank-Lager hat ueber Jahrzehnte keine Probleme gehabt, schlechten Leistungen und enormen Verlusten schwindelerregende Summen hinter zu werfen. Mit dieser Tradition kann man natuerlich nicht brechen ! Da erdreistet sich ein Vorstandsvorsitzender doch eine verlustbringende Institution wie die DEKABank von Verlusten zu Ertraegen umzumodeln - waehrend die Eigentuemer der DEKA weiter massiv Geld verlieren. Das geht nicht ! Es unterstreicht ja nur, dass es eben doch moeglich ist Investitionsrisiken und Analgestrategien so zu steuern, dass entgegen dem Geschehen am breiten Markt Geld verdient werden kann. Und dann erdreistet sich dieser Vorstandsvorsitzende doch auch noch seine vertraglich vereinbarte Verguetung einzufordern. Dies nicht sofort, sonder zwei Geschaeftsjahre spaeter, nachdem klar ist, dass aus diesen Jahren keine Abschreibungen oder Wertberichtigungen mehr drohen. UNERHOERT ! Dann doch lieber in der Zukunft wieder (mindestens) zweistellige Boni zahlen, keine Ausschuettungen an die Eigentuemer vornehmen und sich sein, das man niemanden fuer den Erfolg der Bank "unmoralisch" bezahlt haben koennte. Da sollten die Anleger in Deka-Fionds schnellstens ihr Geld nehmen und bei anderen Institution anlegen.
5. "Kleiner Investment Banker"
mks1412 03.04.2012
Zitat von Herr Hold"obwohl dieser in drei von fünf Amtsjahren Rekordergebnisse vorlegte." Dann wünsche ich dem Nachfolger und dem Unternehmen auch viel Erfolg!
Franz Waas (Ph.D) den kenn ich aus meiner Zeit bei der Bayerischen Vereinsbank unddie HSH Nordbank. Ein I -Banker im Westentaschen Format. Große Klappe, Nahkampfhaarschnitt, ex Kampfsportler und intellektuelles Mittelmaß, wie die meisten deutschen "I-Banker". Soll er doch bei Goldman Sachs anheuernund die Millionen kassieren, wenn er so wirklich gut ist!
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