Machtwechsel bei Siemens Löscher dementiert Wunsch nach Cromme-Abgang

Noch-Siemens-Chef Peter Löscher dementiert, er fordere im Gegenzug für sein Ausscheiden den Abgang von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Es gehe ihm ausschließlich um das Wohl der Firma und der Mitarbeiter, sagte Löscher. Dafür fordern Aktionärsschützer Crommes Rücktritt.

Siemens-Führung: Cromme (l.) und Löscher (Archivfoto)
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Siemens-Führung: Cromme (l.) und Löscher (Archivfoto)


München - Der Showdown fällt aus: Peter Löscher, noch bis Mittwoch Vorstandschef von Siemens, hat dementiert, dass er den Abgang des mächtigsten Mannes im Konzern, Gerhard Cromme, fordere. "Es geht mir ausschließlich um das Wohl von Siemens und der 370.000 Siemensianer, die zu Recht stolz auf ihr Unternehmen sind", sagte Löscher der "Bild"-Zeitung. Auch ein Siemens-Sprecher teilte in München mit, es stimme nicht, dass Löscher seinen Vorstandsposten nur dann räumen wolle, wenn zugleich auch Cromme das Kontrollgremium verlasse.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte zuvor berichtet, Löscher wolle sich in seine Ablösung nur fügen, wenn auch Cromme zurücktrete. Ansonsten wolle er es auf eine Kampfabstimmung in der Sitzung des Aufsichtsrats am Mittwoch ankommen lassen. Für den Rauswurf muss das Gremium eine Zweidrittelmehrheit zusammenbekommen.

Dafür haben Aktionärsschützer den Rücktritt des Aufsichtsratschefs gefordert. "Herr Cromme soll den Übergang an der Siemens-Spitze noch gut steuern und dann seine eigene Nachfolgeregelung in die Hand nehmen", sagte die Sprecherin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Daniela Bergdolt, der "Welt". Nur mit einem Wechsel auf den Chefsesseln von Vorstand und Aufsichtsrat habe Siemens wirklich die Möglichkeit für einen Neuanfang.

Die Siemens-Aufseher hatten sich am Wochenende auf die Absetzung Löschers und auf die Berufung von Finanzvorstand Joe Kaeser als Nachfolger geeinigt. Löscher war nach zahlreichen Misserfolgen zunehmend in Bedrängnis geraten. Höhepunkt der Pannen-Serie war die zweite Gewinnwarnung bei Siemens in nicht einmal drei Monaten am Donnerstag.

Zwar ist Kaeser noch nicht offiziell als Nachfolger für den Chefposten benannt, am Aktienmarkt bekam er am Montag aber bereits Vorschusslorbeeren: Für die Siemens Chart zeigen-Aktien ging es im frühen Handel um gut anderthalb Prozent nach oben, auch der Dax Chart zeigen startete freundlich in die Woche.

Die Anleger hatten bereits am Freitag auf eine Absetzung von Löscher spekuliert, und damit eine Erholung nach dem Kurseinbruch vom Donnerstag infolge der Gewinnwarnung eingeleitet. "Entscheidend ist jetzt allein der Name des Nachfolgers", kommentierte ein Händler. Der Markt reagiere erleichtert, dass sein Wunschkandidat Kaeser wohl auch der Favorit des Aufsichtsrats ist. Kaeser gilt nicht nur als analytischer Denker und Stratege, sondern auch als hervorragender Kenner des weit verzweigten Konzerns.

nck/dpa

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CT.Bauer 29.07.2013
1. Er will es sich mit Cromme nicht verderben.
Manchmal hat man den Eindruck, sie stünden beide auf der Gehaltsliste von GE. Diese Schleimerei Löschers, dass er das Wohl von Siemens und den Mitarbeitern im Auge habe, fällt ihm leider etwas spät ein. 50 Mio an Gehalt und 2 Milliarden an Schaden, der alleine ihm anzulasten ist, sprchen eine deutliche Sprache. Da das der Aufsichtsrat bisher scheinbar nicht gemerkt hat, gehört auch Cromme und Co ausgesondert und auf den Müll der Geschichte.
cyranodemadrid 29.07.2013
2. Machtwechsel bei Siemens
Also, es wâre absurd einen Oberbuchhalter (Finanzvorstand) an die operative Spitze des Unternehmens zu setzen. Ein Hochtechnologiekonzern ist eine wirklich sehr komplexe Sache.
postbote101 29.07.2013
3. ...
Zitat von sysopAPNoch-Siemens-Chef Peter Löscher dementiert, er fordere im Gegenzug für sein Ausscheiden den Abgang von Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Es gehe ihm ausschließlich um das Wohl der Firma und der Mitarbeiter, sagte Löscher. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/dementi-loescher-will-doch-keine-abloesung-von-cromme-a-913672.html
Löscher soll angeblich bis zu 9 Mio. Euro Ablöse bekommen. Nach Abgang bei Siemens: Löscher kassiert 9 Millionen Euro Abfindung - N24.de (http://www.n24.de/n24/Nachrichten/Wirtschaft/d/3258372/loescher-kassiert-9-millionen-euro-abfindung.html) Jetzt mal ehrlich, Siemens & Co., ihr feuert quasi Euren Vorstand und bezahlt den auch noch zwei Jahresgehälter plus fiktiver Boni aus??? Es wurde doch in den letzten Jahren genug über Gier-Banker geschrieben. Haben nur Sie die Signale nicht kapiert oder meint Siemens über alles erhaben zu sein? Löscher hat keine 9 Mio. verdient. Das ist lächerlich und viel zu viel. Diese Größenordnung ist niemandem mehr zu erklären. Völlig Albern!
contrafdp 29.07.2013
4. Ob Cromme, Löscher oder all die anderen (gescheiterten) nadelbestreiften Wirtschaftsfuzzis, das Produkt...
muss im Vordergrund stehen, dann klappt es auch mit der Rendite! Wenn man sich allerdings ausschließlich von betriebswirtschaftlichen Erwägungen leiten lässt und das scheint ja geradezu das Mantra unserer Zeit zu sein, dann können sich massive Probleme einstellen, die das Produkt an sich, also seine Qualität betreffen. Wenn der Betriebswirtschaftler dem Ingenieur vorschreibt, dass das Wasser künftig gefälligst den Berg hinaufzulaufen hat, dann wirds gefährlich. Wieso studieren denn so viele Betriebswirtschaft und vergleichsweise doch so wenig Ingenieurwissenschaften? Na, weil das Klima heute allgemein so ist, dass viele glauben, ihren persönlichen beruflichen Erfolg in der Wirtschaft am besten verwirklichen zu können. Volkswirtschaftlich gesehen mag das kurzfristig funktionieren, so lange genügend gute Produkte auf dem Markt sind. Langfristig gesehen kann sich solch ein Fokus auf die Betriebswirtschaft allerdings rächen. Und genau das sehen wir nun bei Siemens. Jetzt müsste ein exzellenter Techniker mit gesundem Wirtschaftsverstand ans Ruder und kein Finanzvorstand. Es ist da schon ein fatales Signal, wenn man den Bock zum Gärtner macht. Die Marke "Made in Germany" wurde und wird nicht durch die so genannten Nieten in Nadelstreifen kreiert und repräsentiert, sondern durch deutsche Ingenieurskunst. Hierauf müsste der Fokus wieder viel stärker gelegt werden, dann kommt der wirtschaftliche Erfolg automatisch. Am Anfang steht schließlich das Produkt, das verkauft werden will...
glass88 29.07.2013
5. Vorschusslorbeeren wegen 1,5%?!?!?
Lesen Sie eigentlich was Sie schreiben...das war gerade mal der Ausgleich für den 6% Fall, nix Käser, sorry Kaeser. Das kommt davon dass das Siemens Corporate Directory kein "ä" kann... Siemens zu kennen ist eines, Siemens auf den richtigen Weg mit dem nötigen Impuls zu bringen ist ein anderes.
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