Wachstumsmarkt: E.on sucht Heil in der Türkei

Der Energiekonzern E.on will künftig auch in der Türkei Geld verdienen. Das Unternehmen übernimmt 50 Prozent am türkischen Stromerzeuger Enerjisa. Der bisherige Eigentümer aus Österreich bekommt zum Tausch Wasserkraftwerke in Bayern.

E.on-Elektroniker in Brandenburg: Der Blick geht nach Osten Zur Großansicht
dapd

E.on-Elektroniker in Brandenburg: Der Blick geht nach Osten

Düsseldorf - E.on expandiert nach Osten: Der Energiekonzern übernimmt 50 Prozent der Anteile am türkischen Energieunternehmen Enerjisa. Dieses war 2007 von der türkischen Sabanci-Gruppe gemeinsam mit dem österreichischen Stromanbieter-Verbund gegründet worden. Die Österreicher erhalten im Gegenzug für ihre Enerjisa-Aktien von E.on Anteile an acht bayerischen Laufwasserkraftwerken und rund 300 Millionen Euro in bar. Der Tausch soll im ersten Quartal 2013 abgeschlossen werden, insgesamt hat die Transaktion eine Größenordnung von 1,5 Milliarden Euro.

In Deutschland ist E.on an seine Wachstumsgrenzen gestoßen, zudem kämpft der Konzern mit Schulden von mehr als 35 Milliarden Euro und will bis zu 11.000 Jobs streichen. "In der Türkei haben wir genau das gefunden, was wir gesucht haben - einen stabilen Markt mit interessanten Wachstumsperspektiven und einen hervorragenden Partner, der bestens etabliert ist", sagte E.on-Chef Johannes Teyssen am Dienstag.

Mit Sabanci will E.on bis 2020 in der Türkei über Kraftwerke mit einer Leistung von bis zu 8000 Megawatt verfügen. Damit würde der Anteil Enerjisas am Erzeugungsmarkt von vier auf zehn Prozent zulegen. Die Zahl der Endkunden - die meisten von ihnen in Ankara und Umgebung - soll von knapp 3,5 auf sechs Millionen steigen. Atomkraftwerke will E.on in der Türkei nicht errichten. Bis 2015 plant der Konzern jährliche Investitionen von etwa 150 bis 200 Millionen Euro in das Gemeinschaftsunternehmen - gemessen an früheren Milliardeninvestitionen in neue Märkte in Südeuropa oder Russland überschaubare Summen.

Mit dem Vorstoß in der Türkei kann Teyssen zum Ende eines schwierigen Jahres noch einen Erfolg verbuchen. Mitte November hatte der größte deutsche Energiekonzern noch mit der Rücknahme seiner Geschäftsprognosen für die kommenden Jahre für einen Kurssturz der Aktie gesorgt.

Auch Lufthansa liebäugelt mit der Türkei

In Brasilien hat sich E.on bereits an dem Versorger MPX des deutschstämmigen Milliardärs Eike Batista beteiligt. Das Gemeinschaftsunternehmen soll in Brasilien und Chile Kraftwerke mit einer Kapazität von rund 20.000 Megawatt betreiben. Teyssen hatte auch einen Blick auf den indischen Markt geworfen, einen Einstieg dort aber vorerst verworfen.

E.on ist nicht das einzige Unternehmen, das derzeit auf den türkischen Markt schielt. Lufthansa verhandelt mit Turkish Airlines über eine engere Kooperation, sogar eine Überkreuzbeteiligung soll im Gespräch sein. Turkish-Airlines-Chef Temil Kotil sagte der "Financial Times Deutschland", im ersten Quartal 2013 werde eine Entscheidung fallen. Lufthansa-Chef Christoph Franz sprach von "ungelegten Eiern".

dab/dpa/Reuters

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1. Ach so!
artusdanielhoerfeld 04.12.2012
Aus dem deutschen Stromkunden läßt sich nicht mehr herauspressen, also geht E.ON eben neue Weidegründe erschließen. Interessant, denn der Konzern geht offensichtlich davon aus, dass es in der Türkei mehr zu holen gibt als hier. Wo das wohl herkommt...?
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