Edelmetall-Schmuggel Kongos Blutgold strömt auf den Weltmarkt

Früher finanzierten afrikanische Warlords ihre Bürgerkriege mit Diamanten. Im Kongo übernimmt jetzt immer häufiger geschmuggeltes Gold diese Rolle. Eine Reise zu den schmutzigen Quellen eines edlen Metalls.

Goldschürfer schleifen Säcke voller Sediment im Osten Kongos: Der Schmuggel boomt
REUTERS

Goldschürfer schleifen Säcke voller Sediment im Osten Kongos: Der Schmuggel boomt

Von Nicholas Bariyo, Francesca Freeman und Liam Pleven,Wall Street Journal Deutschland


Geländefahrzeuge holpern eine staubige Piste entlang. Ihr Ziel ist ein Grundstück in der kongolesischen Stadt Goma am Kiwusee. Vier Meter hohe Mauern schützen die Anlage vor allzu neugierigen Blicken. Ein bewaffneter Sicherheitsposten beobachtet jede Bewegung der Autos und ihrer Insassen. In dem Komplex sitzt Thiery Buzima in seinem Eckbüro und füllt geschäftig Formulare aus. Früher hat er mit Zinn gehandelt. Jetzt handelt er mit Gold. Und sein neues Geschäft floriert.

Buzimas Handelsfirma bildet das erste Glied in einer langen und undurchsichtigen Kette geschmuggelten Goldes. Sie führt von den konfliktbeladenen Zonen der Demokratischen Republik Kongo in Zentralafrika zu den Basaren in Dubai und in Juwelierläden auf der ganzen Welt.

Dieser Artikel ist im Wall Street Journal Deutschland erschienen.
Buzima kauft Gold von anderen Händlern und von Bergarbeitern aus kongolesischen Dörfern. Die bearbeiten im Osten des Kongo Felsen entlang der Flüsse und Berghänge, die von Rebellen beherrscht werden. Seine Kunden sind in erster Linie Schmuggler. Sie verstecken das Gold in Autos und Lastern, die die kostbare Fracht über die Landesgrenze hinweg in benachbarte Länder schaffen. Dort werden die wertvollen Klumpen zunächst neu zertifiziert, mit gefälschten Frachtdokumenten versehen und zusammen mit anderem Gepäck in Richtung Naher Osten und Asien auf den Weg gebracht, berichten an dem Schmuggelprozess Beteiligte.

Ertragsmargen von bis zu 30 Prozent

Der Aufstieg der Goldschmuggler hat dazu beigetragen, dass die gewaltsamen Aufstände im Kongo nicht zur Ruhe kommen. Und die Schwarzhändler sind mittlerweile so virulent, dass Gold bald mit demselben Makel behaftet sein könnte wie die "Blutdiamanten" aus Afrika vor einem Jahrzehnt.

Buzima ist relativ neu im Geschäft. Zusammen mit vielen anderen, die im Kongo kleine Minen beackern, stieg er im vergangenen Jahr auf den illegalen Markt ein. Der hohe Preis für Gold lockte. Und außerdem hatten neue US-Gesetze den legalen Handel mit kongolesischen Metallen beschnitten. Den edlen Rohstoff zu schmuggeln, ist ohnehin lukrativer. Es winken Ertragsmargen von bis zu 30 Prozent. "Jede Woche trudeln bei mir neue Aufträge ein", erzählt Buzima und blättert durch die Papiere auf seinem Schreibtisch. "Das Umfeld verändert sich ständig, und wir müssen dann nachziehen."

Der World Gold Council, der die führenden Goldproduzenten der Welt vertritt, hat ebenfalls reagiert. Im vergangenen Jahr veröffentlichte der Verband Richtlinien für die Bergbauunternehmen, die darauf abzielen, Gold aus Konfliktgebieten aus der Lieferkette herauszuhalten. Andere Branchenvertretungen und internationale Organisationen haben ihrerseits vergleichbare Leitfäden für Scheideanstalten, Juweliere und andere Vertreter der Zunft herausgegeben. Sie orientieren sich in ihren Bemühungen am sogenannten Kimberley-Prozess beim Handel mit Diamanten. Über dieses komplexe System soll mittels staatlicher Herkunftszertifikate der Handel mit Blutdiamanten unterbunden werden. Mit Blutdiamanten wurden und werden verschiedene Kriege in Afrika finanziert, obwohl nach Ansicht einiger Beobachter die Flut an Edelsteinen aus Kriegsgebieten durch den Kimberley-Prozess bereits mit Erfolg eingedämmt wurde.

Gold, das aus dem Kongo herausgeschmuggelt werde, stelle eine Bedrohung für die Branche dar, sagt Terry Heymann, der beim World Gold Council für ein Projekt zuständig ist, das gewährleisten soll, dass Gold nur auf verantwortungsvolle Weise geschürft wird. Jegliche Verbindung zu bewaffneten Auseinandersetzungen "untergrabe" das Image, das das Edelmetall bei den Konsumenten genieße, meint er.

Bis zu 40 Kilometer Fußmarsch mit Rebellen-Eskorte

Der seit zwölf Jahren andauernde Preiszuwachs bei Gold hat an Schwung verloren. Doch die kongolesischen Händler lassen sich von der jüngsten Verlangsamung nicht beeindrucken. Ihr Geschäft verläuft so dynamisch wie zuvor. Abermillionen von Goldunzen werden im Boden des Kongo vermutet. Doch Unruhen und Aufstände suchen das Land schon seit Jahrzehnten heim. In diese Grauzone sind einzelne Goldgräber vorgestoßen. Und in der Folge hat sich die Gesamtproduktion während der vergangenen fünf Jahre fast vervierfacht. Nach Daten von Thomson Reuters GFMS, die den Goldmarkt nachbilden, wurden dort 2012 geschätzt 26 Tonnen Gold abgebaut. Der Großteil wird außer Landes geschmuggelt.

Der Händler Justin Basimuka legt manchmal einen Fußmarsch von bis zu 40 Kilometern zurück, um zu behelfsmäßig angelegten Minen in seinem Einzugsbereich zu gelangen. Rund 60 Dollar am Tag zahlt Basimuka den Rebellen, damit sie ihn sicher über die Dschungelpfade geleiten. Von den Schürfern kauft er Goldstaub, den er an Zwischenhändler in Goma weiterverhökert. Wie viel er auf seinem Gang verdient, hängt ganz davon ab, wie oft er auf dem Rückweg anderen Rebellen in die Hände fällt, die ihn ihrerseits schröpfen. "Manchmal mache ich das Doppelte, wenn es nicht allzu viele Kontrollpunkte gibt", berichtet Basimuka.

Die Gelegenheiten, sich im Kongo illegal bereichern zu können, nahmen noch weiter zu, nachdem die US-Regierung 2010 im Rahmen ihrer Wall-Street-Reformen das Dodd-Frank-Gesetz verabschiedet hatte. Demnach müssen in den USA notierte Gesellschaften offenlegen, ob ihre Produkte mit Metallen - darunter Tantal, Zinn, Wolfram und Gold - gefertigt wurden, mit denen möglicherweise Gewalttaten in der Demokratischen Republik Kongo und den umliegenden Regionen finanziert wurden.

Ein großer Teil des kongolesischen Goldes landet in Slums an der Grenze zu Uganda. Dort besorgen sich die Schieber gefälschte Zertifikate. Auf ihnen ist zu lesen, dass das Edelmetall entweder aus Uganda oder dem Südsudan stammt, wie Menschenrechtsforscher berichten. Zertifikate dieser Art sind erhältlich, weil die Regierung keine präzisen Informationen über die Produktion kleiner Goldminen in diesen Ländern hat, sagt Stephen Turyahikayo, der in der Region als Berater für Minenzertifizierungen arbeitet.

Uganda: "Schmuggler sind die Ausnahme"

Schmuggler seien die Ausnahme und nicht die Regel, beteuert Peter Lokeris, der Minister für Energie und Mineralien in Uganda. Die ugandischen Beamten seien "strikt angewiesen", sicherzustellen, dass nur Exporte, die von der kongolesischen Regierung freigegeben wurden, zugelassen werden. "Einige Verstöße kann man aber nie ausschließen."

Die schwache Zentralregierung von Kongo hat Mühe, die Gewalt zwischen mehreren Milizen und Rebellengruppen im Land einzudämmen. Die Gruppierungen, zu denen auch die Bewegung 23. März oder kurz M23, zählt, haben die goldreichen Territorien im Osten des riesigen zentralafrikanischen Landes unter sich aufgeteilt.

Nach Angaben von Menschenrechtsbeobachtern beteiligen sich auch kongolesische Soldaten an dem Goldschwarzhandel, vermutlich in Gebieten an der Grenze zu Burundi.

Der kongolesische Regierungschef Augustin Matata Ponyo streitet eine Beteiligung seiner Truppen an dem illegalen Treiben ab und beschuldigt stattdessen die M23. Dagegen verwehrt sich wiederum Amani Kabasha, ein Sprecher der M23-Bewegung. Seine Gruppe mische da nicht mit. Gold werde größtenteils in Gebieten gefördert, die die M23 nicht kontrolliere. "Es liegt in der Verantwortung des Staates zu gewährleisten, dass nicht geschmuggelt wird", sagt er.

Die Forscher des Enough Project, die Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bekämpfen, haben sich ebenfalls mit dem Goldhandel im Kongo beschäftigt. Die Aktivisten schätzen, dass im vergangenen Jahr zwischen elf und 14 Tonnen Gold illegal aus dem Kongo herausgeschafft wurden. Im Jahr 2010 sollen es nur vier Tonnen gewesen sein.

Multinationale Schmuggler-Mafia macht Rückverfolgung so gut wie unmöglich

Aber die multinationale Schmuggler-Mafia lässt sich nur schwer auseinandernehmen. Die ohnehin schwache Spur an Dokumenten, mit denen sich die Herkunft des Goldes eventuell noch nachweisen ließe, versiegt oft ganz, sobald das Edelmetall in Dubai, dem Geschäftszentrum der Vereinigten Arabischen Emirate, angekommen ist.

Versehen mit gefälschten Dokumenten, die den Herkunftsort verschleiern, können bis zu 110 Pfund an Gold aus Konfliktgebieten den Zoll passieren, solange ein lizensierter, ortsansässiger Händler in den Begleitpapieren aufgeführt ist, erklärt Ruben de Koning, Mitglied einer Uno-Expertengruppe für den Kongo. "Und so verliert sich die Spur des Goldes", schließt er nüchtern. "Vom Flughafen aus kann es überall hingelangen."

Die meisten Goldsendungen, die es aus dem Flughafen in Dubai hinausschaffen, haben jedoch das gleiche Ziel. Sie landen bei Goldveredlern, die sich mit ihren kleinen Läden nahe beim lokalen Goldmarkt angesiedelt haben. Die Spezialisten vermischen Gold unterschiedlichen Ursprungs und verschmelzen es zu Barren. Diese werden gegen Cash an Juweliere und Händler des Souk weiterverkauft. Wenn das Gold dann seine Weiterreise antritt und Dubai verlässt, gehört Indien, der Weltmeister unter den Goldkonsumenten, zu den beliebtesten Bestimmungsorten.

Das Edelmetall wird aber auch direkt nach Indien geschmuggelt. Die indische Regierung hatte im vergangenen Jahr die Einfuhrzölle auf Gold erhöht. Durch den Schmuggel soll die Zahlung der Zölle umgangen werden, sagen Beamte der indischen Steuerfahndung. Deshalb müsse es sich allerdings nicht notwendigerweise um sogenanntes Blutgold aus Konfliktgebieten handeln.

Bachhraj Bamalwa, dem Präsidenten des Handelsverbands der indischen Edelsteinhändler und Juweliere, bereitet der Schwarzhandel dennoch Kopfzerbrechen. Er befürchtet, die USA und die EU-Länder könnten ein Einfuhrverbot für indische Edelsteine und Schmuck verhängen, wenn sie den Verdacht hätten, dass indische Einzelhändler Blutgold in Umlauf bringen.

In den vergangenen Monaten haben indische Zollbeamte geschmuggelte Goldstückchen aus Fernsehgeräten gefischt und unter den doppelten Böden verschiedenster Koffer hervorgezaubert. Im Januar fingen sie am Flughafen von Mumbai einen schwer beladenen Passagier ab. In seinem Gepäck fanden sich Goldbarren im Wert von 46.000 Dollar. Sie waren fein säuberlich in Schokoladenpapier verpackt.

Originalartikel auf Wall Street Journal Deutschland

Mitarbeit: Biman Mukherji in Neu Delhi, Asa Fitch und Alex MacDonald in Dubai

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insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
egowehner 21.04.2013
1. Aber bitte..
geben Sie doch nicht den Warlords die Schuld, die sind auch nur Afrikaner und koennen nicht oder kaum lesen. `Der Weltmarkt` ist das Maentelchen, hinter dem sich die alten wie die neuen Kolonialherren verbergen. Wenigstens die einfache Wahrheit waere angemessen fuer ein renommiertes Nachrichtenmagazin.
tsaag 21.04.2013
2. Immer wieder Dubai und VAE
Es ist schon interessant hier ganz offen über die zwielichtige Rolle von Dubai als eines der vereinigten arabischen Emirate zu lesen. Wer sich etwas mehr damit beschäftigt oder gar nicht nur zum shoppen dahin fliegt, kann leicht erkennen auf welchen Fundamenten dieses Emirat gebaut ist: Schmuggel (Edelmetalle, Plaggiate, auch Menschen!) und Steuerparadies. Ich konnte vergangenes Jahr beim Frühstück im Hotel unfreiwillig einem deztschen "Geschäftsmann" zuhören, der in einem Telefonat mit einem Steuerflüchtling die verschiedenen Möglichkeiten der "legalen" Steuervermeidung in Deutschland schilderte. Dennoch wollte selbst Herr Steinbrück noch nicht in Dubai einmarschieren, warum wohl nicht?
HEK 21.04.2013
3.
Zitat von sysopREUTERSFrüher finanzierten afrikanische Warlords ihre Bürgerkriege mit Diamanten. Im Kongo übernimmt jetzt immer häufiger geschmuggeltes Gold diese Rolle. Eine Reise zu den schmutzigen Quellen eines edlen Metalls. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/der-weg-des-goldes-zum-weltmarkt-blutgold-aus-dem-kongo-a-894740.html
Es geht doch gar nicht um "Blutgold" oder den Schmuggel an sich. Es geht darum, dass der Weltmarkt für Gold (wie auch für Diamaten) von wenigen kontrolliert wird und der Preis künstlich hochgehalten wird, obwohl weder Gold noch Diamanten wirklich knapp sind. Und es ist nun einmal schlecht fürs Geschäft, weil schlecht für den Goldpreis, wenn die auf dem Weltmarkt auftauchende Goldmenge steigt. "dass Gold nur auf verantwortungsvolle Weise geschürft wird" - haha! Verantwortungsvoll für wen? Für die Goldbranche!
sturmimwasserglas 21.04.2013
4. Butter bei die Fische
Also, wie viel Gold kommt denn jetzt auf diesem Weg von da? 0.01%, 0.001% der Weltproduktion? Und wie vergleicht sich das, z.B., in $$ zu Dingen wie Gammelfleisch in Deutschland?
chrissey 21.04.2013
5.
Zitat von HEKEs geht doch gar nicht um "Blutgold" oder den Schmuggel an sich. Es geht darum, dass der Weltmarkt für Gold (wie auch für Diamaten) von wenigen kontrolliert wird und der Preis künstlich hochgehalten wird, obwohl weder Gold noch Diamanten wirklich knapp sind. Und es ist nun einmal schlecht fürs Geschäft, weil schlecht für den Goldpreis, wenn die auf dem Weltmarkt auftauchende Goldmenge steigt. "dass Gold nur auf verantwortungsvolle Weise geschürft wird" - haha! Verantwortungsvoll für wen? Für die Goldbranche!
Ja was heisst eigentlich Verantwortungsvoll und warum dieser Begriff Blutgold? Blutdiamanten haben diesen Namen weil damit blutige Kaempfe finanziert wurden. Der Artikel sagt nicht viel darueber wie wo wasund warum sich gewisse Gruppen im Kongo bereichern wollen. Die meisten sind froh einen Job in den Minen zu haben, meiner Meinung nach waere es alles andere als Verantwortungsvoll Gold aus dem Congo zu verbannen weil viele Leute Ihre Arbeit verlieren würden. Nachhaltig waere es gezielt Arbeiter ueber Stipendien nach D zu holenund zb an d Uni Aachen oder an d Bergakademie auszubilden. Der Goldpreis ist übrigens sehr nach Angebot und Nachfrage bestimmtund viele grosse Investmenthaeuser hatten historisch eher ein Interesse den Kurs niedrig zu halten. Gold wird auch nicht wie Diamanten von ueberwiegend nur einer Company kontrolliert (De Beer). Es ist halt alles etwas komplizierter letztendlich muss man es so sehen hier fliesst wenigstens etwas Geld in die Tasche der kleinen Maenner im Kongo im Gegensatz dazu koennte es auch in die Taschen von Rio Tinto oder Xstrata fliessen.
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