DII Weitere Firma steigt bei Wüstenstrom-Initiative aus

Die Wüstenstrom-Initiative DII verliert schon wieder einen Finanzier. Auch der Baukonzern Bilfinger wird seinen Vertrag Ende 2014 nicht verlängern. Erst kürzlich hatte der Stromriese E.on seinen Rückzug aus dem Gesellschafterkreis angekündigt.

Solarkraftwerk: Immer mehr Firmen verlassen Initiative für Wüstenstrom
AP

Solarkraftwerk: Immer mehr Firmen verlassen Initiative für Wüstenstrom


Mannheim - Erneuter Rückschlag für die Wüstenstrom-Initiative Desertec Industrial Initiative (DII). Mit dem Baukonzern Bilfinger zieht sich ein weiteres Unternehmen aus dem Konsortium zum Bau großer Solarkraftwerke zurück. "Der Vertrag läuft Ende 2014 aus und wird nicht verlängert", sagte ein Bilfinger-Sprecher am Sonntag.

Grund sei unter anderem, dass die Industrieinitiative DII zwar vor vielen Jahren als unternehmerische Initiative gegründet worden sei, um konktrete Projekte anzugehen. Inzwischen habe sie sich aber zu einer verbandsähnlichen Organisation verändert.

Die DII war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar. Gegenüber dem "Handelsblatt" zeigte sich DII-Chef Paul van Son jedoch optimistisch. "Die Mehrzahl unserer verbleibenden 18 Gesellschafter hat uns gesagt, dass sie bleiben werden", sagte er der Zeitung.

Erst am Freitag war bekannt geworden, dass sich Deutschlands größter Energiekonzern E.on aus dem Gesellschafterkreis der DII zurückziehen will. Die HSH Nordbank hatte sich bereits zum Jahreswechsel verabschiedet.

Die Initiative will Sonnen- und Windkraft in Nordafrika und im Nahen Osten produzieren und zum Teil nach Europa exportieren. Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe sind dafür nötig. Doch inzwischen sind die Kosten einer dezentralen Produktion von erneuerbarer Energie in Europa deutlich gesunken - was das Großprojekt in der Wüste uninteressanter macht.

Dazu hat das Image des Projekts gelitten. Denn die DII hat sich ausgerechnet mit dem Initiator, Ideen- und Namengeber des Projekts - der sogenannten Desertec-Stiftung - zerstritten. Den Namen Desertec darf die DII seitdem eigentlich gar nicht mehr benutzen.

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ssu/dpa-AFX

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insgesamt 58 Beiträge
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johnnybongounddie5goblins 13.04.2014
1. Hab ich ja gesagt, koennte ich jetzt bruellen
Aber ich weise auf was anderes hin: Wenn die Wirtschaft einen falschen Weg einschlägt, wird die Übung abgebrochen und gut ist. Das ist beim Staat nicht möglich, der treibt seine Energiewende weiter, auch wenn 90% wissen, dass es danebenging. Bis zur Stunde null.
solarfix 13.04.2014
2. Desertec war von Beginn an nur ein Prestigeprojekt der Industrie
Kein vernünftiger Mensch versenkt einen dreistelligen Milliardenbetrag in der Wüste von Krisenländern. Das Vorhaben war von Anfang an Schwachsinn. Wieder eine Energieabhängigkeit mehr....... Die Energieerzeugung gehört dezentral vor Ort organisiert. Also, unterstützen wir lieber die Energiewende in Deutschland, das macht mehr Sinn!
interessierter_mitbürger 13.04.2014
3. ...
Wenn ich mir die Karte angucke, dann tät ich als Investor auch abspringen! U.a. Libyen, Syrien, Ägypten,Israel (mögl. Erweiterung auf: Irak, Jemen,Jordanien, Saudi-Arabien, ...)... Wer kam denn auf die Idee? Baut doch erstmal in halbwegs stabilen Ländern und Regionen etwas auf, möglicherweise Marokko, zumal da ja offenbar Wind- UND Solarenergie angepeilt ist; und schafft erstmal Fakten und Erfahrungswerte! Anschließend kann man es ja immernoch erweitern.
rohfleischesser 13.04.2014
4.
Zitat von johnnybongounddie5goblinsAber ich weise auf was anderes hin: Wenn die Wirtschaft einen falschen Weg einschlägt, wird die Übung abgebrochen und gut ist. Das ist beim Staat nicht möglich, der treibt seine Energiewende weiter, auch wenn 90% wissen, dass es danebenging. Bis zur Stunde null.
Der Vorstandsvorsitzende von Bilfinger ist ein gewisser Roland Koch. Von diesem würde ich mit Sicherheit keine visonären, langfristig orientierten Strategien erwarten, denn er hat schon in seiner aktiven Zeit als Politiker und hessischer MP nichts verfängliches in Sachen Umwelt- und Klimaschutz getan.
MoorGraf 13.04.2014
5. doch, auch der Staat gibt Projekte auf, wenn diese nicht gehen
Zitat von johnnybongounddie5goblinsAber ich weise auf was anderes hin: Wenn die Wirtschaft einen falschen Weg einschlägt, wird die Übung abgebrochen und gut ist. Das ist beim Staat nicht möglich, der treibt seine Energiewende weiter, auch wenn 90% wissen, dass es danebenging. Bis zur Stunde null.
Beim Staat wie auch in der Wirtschaft werden manchmal Projekte weitergetrieben, auch wenn sie eigentlich nicht mehr sinnvoll sind, z.B. weil das Ego von dem CEO (Ministerpräsident etc.) dran hängt oder weil keiner seinen Irrtum eingestehen will. Da könnte man Gorsleben nennen, den Phaeton oder wahrscheinlich die Elbphilharmonie in Hamburg. Aber meistens werden falsche Projekte auch beerdigt, da wären die Gaspipeline Nabucco ein Beispiel, Wackersdorf, der Transrapid oder die Zeppelinwerke im Osten. Es gibt auch Projekte, bei denen je nach Interessenlage oder persönlicher Betroffenheit die Einschätzung von "90% wollen das nicht" ein bisschen auseinandergeht. Beispiel wäre Stuttgart 21, bei dem eine Volksabstimmung in Stuttgart (überraschenderweise?) ergab, dass eine (wenn auch knappe) Mehrheit der Stuttgarter für den Weiterbau ist, auch wenn die Medien häufig so klingen, als ob außer einer korrupten oder bestochenen Minderheit keiner S21 will. Bei der Energiewende mag es ähnlich sein. Ich für meinen Teil bin für die Abschaffung von Atomstrom (ich halte ihn wirtschaftlich für zu teuer, wenn man alle Kosten einrechnet und ich halte ihn für eine sehr unfaire Last für unsere Kinder). Ich bin sehr für die Einsparung von Energie, für erneuerbare Energien und für deren Bevorzugung auch durch meine Steuergelder. Wenn´s nach mir ginge, gäbe es keine Ausnahmen für die Industrie (und ich glaube auch nicht, dass das Arbeitsplätze kosten würde, wenn man die Subvention für die Industrie weglässt), also hätte ich auch gerne Änderungen an der Energiewende, aber im Großen und Ganzen finde ich das alles sehr, sehr richtig und zwingend notwendig. Mag sein, dass das andere anders sehen, aber dass "90% wissen, dass es daneben geht" stimmt für mich nicht und für die Menschen, mit denen ich zusammen bin/spreche etc. stimmt das auch nicht. Grundsätzlich: sowohl die CDU als auch die SPD (und die Grünen und auch die FDP) haben im Wahlkampf klar gesagt, dass die Atomkraftwerke abgeschaltet werden, dass wir in Deutschland einen höheren Anteil an erneuerbaren Energien bekommen werden und dass das natürlich Geld kostet. Und 90% der Deutschen haben diese Parteien gewählt. Also ich würde das erstmal demokratisch akzeptieren und wenn das wirklich 90% der Deutschen nicht wollen, wird bei der nächsten Wahl z.B. eine AFD, die gegen die Energiewende ist, vielleicht 90% bekommen. Aber wie schon gesagt: meine Stimme hätten sie nicht und ich schätze eben, dass es deutlich weniger als 90% sind, die die Energiewende einfach nicht wollen.
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