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Wüstenstrom-Projekt: E.on und HSH Nordbank ziehen sich aus Desertec zurück

Die Wüstenstrom-Initiative Desertec verliert zwei Gründungsmitglieder. Der Energiekonzern E.on und die HSH Nordbank ziehen sich aus dem Projekt zurück. Dagegen steigt der Einfluss aus China.

Düsseldorf/Hamburg - Desertec schrumpft weiter: Mit E.on und der HSH Nordbank verlassen zwei Gründungsmitglieder die Wüstenstrominitiative. Das bestätigten Sprecher der beiden Unternehmen SPIEGEL ONLINE, zuvor hatte die "Süddeutsche Zeitung" ("SZ") über den Ausstieg berichtet. Bereits Ende 2012 hatten Siemens Chart zeigen - das ebenfalls zu den Gründern der Planungsgesellschaft Desertec Industrial Initiative (DII) gehörte - und Bosch ihren Ausstieg aus dem Projekt verkündet.

Der größte deutsche Energiekonzern E.on Chart zeigen kündigte an, den bis Ende 2014 laufenden Kooperationsvertrag mit der DII nicht zu verlängern. "E.on wird sich wieder ausschließlich auf eigene Vorhaben konzentrieren und dabei auch die Entwicklung der Märkte im Bereich erneuerbarer Energien in Afrika und im Mittleren Osten mit Interesse verfolgen", teilte der Konzern mit. E.on hatte das Projekt vom Beginn im Jahr 2009 an mit Geld und Mitarbeitern unterstützt.

Für die verbliebenen Mitglieder des Desertec-Projekts könnte es bald noch dicker kommen. Denn auch weitere Unternehmen prüften ihren Ausstieg, berichtet die "SZ". DII-Chef Paul van Son beschwichtigte jedoch. Veränderungen im Firmennetzwerk der Initiative habe es immer gegeben, und das werde auch so bleiben, sagte er der Zeitung. Die deutsche Politik sei nach wie vor ein wichtiger Unterstützer. Durch die Ukraine-Krise kämen erneuerbare Energien und die Zusammenarbeit mit Nordafrika und dem Nahen Osten stärker ins Spiel.

Deutschland verliert Einfluss, China steigt ein

Die Nummer zwei unter Deutschlands Energieversorgern, RWE Chart zeigen, denkt eigenen Angaben zufolge aber nicht an einen Ausstieg. "Wir bleiben dabei. Wir glauben immer noch an die Zukunft des Projekts", sagte ein Unternehmenssprecher. Auch andere Großkonzerne wie der Rückversicherer Munich Re Chart zeigen und die Deutsche Bank Chart zeigen halten dem Bericht zufolge an Desertec fest.

Allerdings gibt die deutsche Industrie demnach Einfluss in der Initiative auf, das Interesse in Asien und dem arabischen Raum dagegen steige. So sei erst vor wenigen Wochen der chinesische Energiekonzern State Grid eingestiegen.

Desertecs Ziel ist es, im großen Stil Ökostrom aus Sonnen- und Windkraft in Nordafrika und dem Nahen Osten zu erzeugen. Ein Teil der Energie soll nach Europa exportiert werden. Über Jahrzehnte sollen geschätzt 400 Milliarden Euro investiert werden. Bis 2050 könnten der DII zufolge 600 Terawattstunden aus Sonnen- und Windenergie nach Europa geleitet werden. Das wäre mehr, als Deutschland derzeit in einem Jahr verbraucht.

fdi/Reuters/AFP

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1.
ir² 11.04.2014
Zitat von sysopAPDie Wüstenstrom-Initiative Desertec verliert zwei Gründungsmitglieder. Der Energiekonzern E.on und die HSH Nordbank ziehen sich aus dem Projekt zurück. Bereits zuvor hatten namhafte deutsche Unternehmen die Planungsgesellschaft verlassen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/desertec-e-on-und-hsh-nordbank-verlassen-wuestenstrom-projekt-a-963835.html
Das einzige Ziel von DESERTEC war das Abgreifen von Subventionen. Eine tragfähige technische Grundlage war nie vorhanden. Das Ganze basierte ja auf dem solarthermischen Konzept von Solarmilenium, die sind aber schon längst Pleite. Von daher ist DESERTEC nur noch ein Torso, laufen wird das also nie. Die Chinesen tauchen jetzt als Leichenfledderer auf, vielleicht lässt sich ja aus der Konkursmasse einiges an technischem Know-How herausziehen. Die „Energiewende“ ist Geschichte.
2. Warum nicht in Südeuropa?
birnstein 11.04.2014
Warum muss es die Sahara sein? In Südeuropa sollte es auch möglich sein und die Länder könnten das Geld gut brauchen.
3. Null Stromtransport aus Nordsee = 100 x Null Strom aus Sahara
black-out 11.04.2014
Wenn wir nicht mal die Probleme des Stromtransports im eigenen Land lösen können, wie soll dann Strom aus Nordafrika nach D transportiert werden. Außerdem ist die politische Lage in den nordafrikanischen Staaten so unsicher und fragil, dass Langfrist-Investitionen durch Revolutionen, Aufstände und Terror auf Dauer gefährdet sind. Zudem wird die Erstellung (z.B. mit PV-Modulen) ohnehin mit chinesischen Massenprodukten erfolgen -- an Wertschöpfung gibt es für uns also auch nichts zu holen. Rückzug ist richtig !!
4.
makuzei 11.04.2014
Zitat von sysopAPDie Wüstenstrom-Initiative Desertec verliert zwei Gründungsmitglieder. Der Energiekonzern E.on und die HSH Nordbank ziehen sich aus dem Projekt zurück. Bereits zuvor hatten namhafte deutsche Unternehmen die Planungsgesellschaft verlassen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/desertec-e-on-und-hsh-nordbank-verlassen-wuestenstrom-projekt-a-963835.html
Vor 2 jahren jubilierten die Grünen über Japans Ausstieg aus der Kernkraft - und über das wundervolle projekt desertec.- wird die das jetzt erschüttern? ach-du lieber Gott-der Weihnachtsmann ist dagegen real- die finden schon was neues,was bejubelt wird- http://www.youtube.com/watch?v=-_3C0g3ewmI
5. Ein schönes Ingenieursprojekt
marvin_megabrain 11.04.2014
das sich aber leider nie realisieren lassen wird. Kein vernünftiger Europäer würde seine Energieversorgung einer Region anvertrauen die wirtschaftlich wie politisch so instabil ist wie Nordafrika. Und im Gegensatz zu z.B. Ölquellen sind elektrische Versorgungseinrichtung durch Anschläge sehr einfach und für lange Zeit ausser Betrieb zu setzen. Das Thema ist leider, mal wieder, ein totgeborenes Kind
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Fotostrecke
Desertec: Strom aus der Wüste

Strom aus der Wüste
Sonnenkraft
Die Energie der Sonne bietet ein riesiges Potential: Pro Jahr gehen 630.000 Terawattstunden an ungenutzter Sonnenstrahlen-Energie auf die Wüsten in Nahost und Nordafrika nieder. Zum Vergleich: Ganz Europa verbraucht pro Jahr etwa 4000 Terawattstunden.
Desertec-Konzept
Würde man auf etwa 20.000 Quadratkilometern der nordafrikanischen Wüste Solarthermie-Kraftwerke aufstellen, ließe sich daraus theoretisch so viel Strom gewinnen, um den Bedarf Europas zu decken. Der gewonnene saubere Strom würde mit Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen nach Europa transportiert werden.
Solarthermie
Das Prinzip kennt jeder, der einmal mit einem Brennglas Löcher in Papier gebrannt hat: Gebündelte Sonnenstrahlen, von Parabolrinnen-Spiegeln konzentriert, erhitzen Wasser, Dampf treibt Turbinen an, und die erzeugen Strom. So funktioniert ein Solarthermie-Kraftwerk. Auch bei Nacht: In Salzspeichern kann die am Tag erzeugte Wärme für einige Stunden festgehalten werden. So können die Turbinen auch laufen und Strom erzeugen, wenn die Sonne nicht scheint. Die Technologie ist alt und bewährt: In Kalifornien erzeugen Solarthermie-Kraftwerke seit den achtziger Jahren Strom. In Südspanien wurden kürzlich drei neue Kraftwerke gebaut.

Solarthermie hat Vorteile gegenüber Photovoltaik: Sie ist günstiger und nicht so wartungsintensiv. Außerdem benötigen Solarzellen teure Speicher für den Strom, um eine Versorgung bei Nacht zu gewährleisten. Dafür produzieren Solarzellen direkt Strom, wohingegen mit Solarthermie der Umweg über Wärme und Turbinen gegangen werden muss.
Versorgungssicherheit
Nachts scheint keine Sonne, in Flüssigsalz-Speichern kann man einen Teil der tagsüber solarthermisch erzeugten Wärme aber chemisch speichern - derzeit bis zu acht Stunden lang. So können die Turbinen auch nachts laufen, die Stromversorgung ist durchgehend gesichert.
Leitungsnetz
Um den Strom über eine Distanz von 3000 Kilometern nach Europa zu transportieren, braucht man Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen (HVDC). Normale Wechselstrom-Leitungen sind zu verlustreich. HVDC-Leitungen haben einen Verlust von etwa drei Prozent auf 1000 Kilometern. Auch diese HVDC-Technologie ist vorhanden und erprobt.
Kosten
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat in einer Machbarkeitsstudie errechnet, dass bis zum Jahr 2050 etwa 400 Milliarden Euro nötig wären, um so viel Solarthermie-Kraftwerke zu bauen, dass Europa 15 Prozent seines Strombedarfs damit decken könnte. 350 Milliarden Euro würden die Kraftwerke kosten und etwa 50 Milliarden Euro das Leitungsnetz, um den Strom von Nordafrika nach Europa zu transportieren.
Vorteile
Solarthermie ist Low-Tech - zuverlässig und risikofrei. Die Kraftwerke können nicht explodieren, es entsteht kein radioaktiver Abfall oder klimaschädliches CO2 und man braucht keine Kohle, kein Öl und kein Uran, um sie zu betreiben. Geht ein Spiegel-Modul kaputt, wird es einfach ausgetauscht - der Betrieb des Kraftwerks ist nicht gestört. Ein weiterer großer Vorteil: Baut man die Kraftwerke in Küstennähe, könnten mit dem Strom auch Meerwasser-Entsalzungsanlagen betrieben werden und dringend benötigtes Wasser für die nordafrikanischen Länder produziert werden. Politisch und wirtschaftlich gesehen könnten die Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas auf dem Exportgut sauberer Strom eine solide Wirtschaft und Wohlstand aufbauen.
Nachteile
Kritiker sehen die Gefahr von Abhängigkeit von den politisch eher instabilen Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens. Zudem könnte das Leitungsnetz Ziel von Terroristen sein - die Stromversorgung Europas wäre im Falle eines Anschlags gefährdet. Politische Hürden bestehen vor allem darin, dass für eine Umsetzung des Desertec-Konzepts die Zusammenarbeit sowohl vieler europäischer Staaten untereinander erforderlich ist als auch mit Nordafrika und dem Nahen Osten. Diese Beziehungen sind allerdings historisch belastet.

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