Machtkampf beim Wüstenstromprojekt : Desertec-Konsortium schasst Co-Chefin

Solarkraftwerk in Kalifornien: Desertec-Initiative nur noch mit einem Chef Zur Großansicht
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Solarkraftwerk in Kalifornien: Desertec-Initiative nur noch mit einem Chef

Der Machtkampf an der Spitze der Desertec-Initiative ist entschieden: Die Gesellschafter haben Co-Leiterin Aglaia Wieland entlassen. Damit wird der Niederländer Paul van Son das Industriekonsortium künftig allein leiten. Die beiden hatten sich einen offenen Streit über die Strategie geliefert.

Düsseldorf - Paul van Son hat den erbitterten Kampf um die künftige Strategie der Desertec-Industrieinitiative (DII) für sich entschieden. Die Gesellschafterversammlung des Wüstenstrom-Konsortiums beschloss am Dienstag, dass der Niederländer wie bereits von 2009 bis Anfang 2012 die alleinige Geschäftsführung übernimmt. Aglaia Wieland, die erst im Februar vergangenen Jahres zur Co-Geschäftsführerin aufgestiegen war, sei mit sofortiger Wirkung freigestellt worden, teilte die DII mit.

Seit einigen Wochen hatten van Son und Wieland ihren Streit über die Strategie der DII öffentlich ausgetragen. Van Son setzte sich plötzlich dafür ein, das Wüstenstromprojekt zu verkleinern und das Desertec-Kraftwerk Sawian 1 in Marokko vorerst nicht zu bauen. Seine Kollegin Aglaia Wieland dagegen wollte den ursprünglichen Plan verfolgen und stellte weiter den Export des Stroms nach Europa in den Vordergrund. Details über den Streit wurden zeitnah an die Presse gestreut .

Das führte auch dazu, dass der Initiator und Mitbegründer der DII, die Desertec-Stiftung, vor kurzem aus dem Gesellschafterkreis austrat und der Initiative den Gebrauch des Namens Desertec verbieten möchte. Dabei hatte die gemeinnützige Stiftung auch klargemacht, dass für sie nicht der Export des Wüstenstroms nach Europa, sondern die Bedarfsdeckung vor Ort Priorität habe - was also van Sons Haltung entspricht.

Die DII war 2009 mit dem Ziel gegründet worden, in Marokko und anderen Wüstenländern den Bau von Solarthermie- und Photovoltaikanlagen voranzutreiben. Für weltweite Furore sorgte der Plan, bis 2050 einen Teil der in Nordafrika erzeugten Energie nach Europa zu exportieren. Das Investitionsvolumen über die Jahrzehnte wurde auf 400 Milliarden Euro geschätzt. Mit von der Partie waren als Gesellschafter unter anderem außer der Desertec-Stiftung die Münchener Rück Chart zeigen, E.on Chart zeigen und RWE Chart zeigen, Deutsche Bank Chart zeigen, First Solar Chart zeigen und Schott Solar. Siemens Chart zeigen und Bosch gehörten zu den namhaften Unternehmen, die zuletzt ebenfalls ausgestiegen waren. Von den einst über 50 Gesellschaftern und assoziierten Partnern sind nur noch rund 30 übrig.

fdi/Reuters

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Logisch
mustafa20 10.07.2013
"Dabei hatte die gemeinnützige Stiftung auch klargemacht, dass für sie nicht der Export des Wüstenstroms nach Europa, sondern die Bedarfsdeckung vor Ort Priorität habe - " Es sollen also Unsummen deutschen und europäischem Geld, Staatsförderung etc. in das Projekt fließen, damit in Afrika von dem Strom profitiert werden kann. Wie lange haben alle links-liberalen Medien darüber frohlockt, wie einfach wir mit Strom aus der Wüste unseren bösen KKWs abschalten könnten ... alles kein Problem, nur Neo-Cons können gegen so eine schöne Lösung etwas haben ... Unglaublich, was für eine ideologische Manipulation zum Nachteil der Menschen in Deutschland zur Not mit Diffamierung durchgedrückt wird.
2. zu Recht
walter_e._kurtz 10.07.2013
Zitat von sysopDer Machtkampf an der Spitze der Desertec-Initiative ist entschieden: Die Gesellschafter haben Co-Leiterin Aglaia Wieland entlassen. Damit wird der Niederländer Paul van Son das Industriekonsortium künftig alleine leiten. Die beiden hatten sich einen offenen Streit über die Strategie geliefert. Desertec-Industrieinitiative entlässt Co-Geschäftsführerin - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/desertec-industrieinitiative-entlaesst-co-geschaeftsfuehrerin-a-910324.html)
Bis 2050 ein Kraftwerk incl. interkontinentaler Anbindung zu bauen, ist wirklich etwas zu ehrgeizig. Man hätte bereits viel gewonnen, schaffte man es bis 2050, in 3-4 nordafrikanischen Staaten Kraftwerke zu installieren, die a) eine ansprechende Leistung erbringen, und b) wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch sicher und zuverlässig betrieben werden können. Dazu benötigt man die Akzeptanz der Nordafrikaner. Ich bin der Überzeugung, daß das Alles bereits heute techn. machbar wäre, allerdings muß sich auch etwas im Bewußtsein der Menschen ändern, damit diese Art der Erzeugung akzeptiert wird. Dafür müssen die Menschen von der Technik profitieren und daran beteiligt werden. Wenn dieser Boden bereitet ist, kann man anfangen, die große Leitung nach Europa zu legen. Denke, damit können wir, also unsere Kinder, (leider) erst gegen Ende des Jahrhunderts rechnen.
3. Was haben die eigentlich..
fatherted98 10.07.2013
....bisher erreicht? Ich glaube Siemens ist ja ausgestiegen weil das Ganze ein total aussichtsloses Unterfangen ist...wahrscheinlich viel Geld verbrannt für nix und wieder nix.
4. Holt die Realität uns ein?
hansulrich47 10.07.2013
Dabei wäre es doch so ne schöne Tätigkeit, jeden Morgen den Wüstenstaub mit nem Feudel von den Spiegeln zu fegen .... Endlich Arbeit für Ungelernte in Afrika! Subventionen sind nie gut, siehe Photovoltaik. Verbrennen nur Steuergeld.
5. Hat..
bob27.3. 10.07.2013
Zitat von hansulrich47Dabei wäre es doch so ne schöne Tätigkeit, jeden Morgen den Wüstenstaub mit nem Feudel von den Spiegeln zu fegen .... Endlich Arbeit für Ungelernte in Afrika! Subventionen sind nie gut, siehe Photovoltaik. Verbrennen nur Steuergeld.
..das Frühstücks Ei geschmeckt?Das wird übrigens subventioniert....wie alles im Agrar Bereich!
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Desertec: Strom aus der Wüste
Strom aus der Wüste
Sonnenkraft
Die Energie der Sonne bietet ein riesiges Potential: Pro Jahr gehen 630.000 Terawattstunden an ungenutzter Sonnenstrahlen-Energie auf die Wüsten in Nahost und Nordafrika nieder. Zum Vergleich: Ganz Europa verbraucht pro Jahr etwa 4000 Terawattstunden.
Desertec-Konzept
Würde man auf etwa 20.000 Quadratkilometern der nordafrikanischen Wüste Solarthermie-Kraftwerke aufstellen, ließe sich daraus theoretisch so viel Strom gewinnen, um den Bedarf Europas zu decken. Der gewonnene saubere Strom würde mit Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen nach Europa transportiert werden.
Solarthermie
Das Prinzip kennt jeder, der einmal mit einem Brennglas Löcher in Papier gebrannt hat: Gebündelte Sonnenstrahlen, von Parabolrinnen-Spiegeln konzentriert, erhitzen Wasser, Dampf treibt Turbinen an, und die erzeugen Strom. So funktioniert ein Solarthermie-Kraftwerk. Auch bei Nacht: In Salzspeichern kann die am Tag erzeugte Wärme für einige Stunden festgehalten werden. So können die Turbinen auch laufen und Strom erzeugen, wenn die Sonne nicht scheint. Die Technologie ist alt und bewährt: In Kalifornien erzeugen Solarthermie-Kraftwerke seit den achtziger Jahren Strom. In Südspanien wurden kürzlich drei neue Kraftwerke gebaut.

Solarthermie hat Vorteile gegenüber Photovoltaik: Sie ist günstiger und nicht so wartungsintensiv. Außerdem benötigen Solarzellen teure Speicher für den Strom, um eine Versorgung bei Nacht zu gewährleisten. Dafür produzieren Solarzellen direkt Strom, wohingegen mit Solarthermie der Umweg über Wärme und Turbinen gegangen werden muss.
Versorgungssicherheit
Nachts scheint keine Sonne, in Flüssigsalz-Speichern kann man einen Teil der tagsüber solarthermisch erzeugten Wärme aber chemisch speichern - derzeit bis zu acht Stunden lang. So können die Turbinen auch nachts laufen, die Stromversorgung ist durchgehend gesichert.
Leitungsnetz
Um den Strom über eine Distanz von 3000 Kilometern nach Europa zu transportieren, braucht man Hochspannungs-Gleichstrom-Leitungen (HVDC). Normale Wechselstrom-Leitungen sind zu verlustreich. HVDC-Leitungen haben einen Verlust von etwa drei Prozent auf 1000 Kilometern. Auch diese HVDC-Technologie ist vorhanden und erprobt.
Kosten
Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt hat in einer Machbarkeitsstudie errechnet, dass bis zum Jahr 2050 etwa 400 Milliarden Euro nötig wären, um so viel Solarthermie-Kraftwerke zu bauen, dass Europa 15 Prozent seines Strombedarfs damit decken könnte. 350 Milliarden Euro würden die Kraftwerke kosten und etwa 50 Milliarden Euro das Leitungsnetz, um den Strom von Nordafrika nach Europa zu transportieren.
Vorteile
Solarthermie ist Low-Tech - zuverlässig und risikofrei. Die Kraftwerke können nicht explodieren, es entsteht kein radioaktiver Abfall oder klimaschädliches CO2 und man braucht keine Kohle, kein Öl und kein Uran, um sie zu betreiben. Geht ein Spiegel-Modul kaputt, wird es einfach ausgetauscht - der Betrieb des Kraftwerks ist nicht gestört. Ein weiterer großer Vorteil: Baut man die Kraftwerke in Küstennähe, könnten mit dem Strom auch Meerwasser-Entsalzungsanlagen betrieben werden und dringend benötigtes Wasser für die nordafrikanischen Länder produziert werden. Politisch und wirtschaftlich gesehen könnten die Staaten des Nahen Ostens und Nordafrikas auf dem Exportgut sauberer Strom eine solide Wirtschaft und Wohlstand aufbauen.
Nachteile
Kritiker sehen die Gefahr von Abhängigkeit von den politisch eher instabilen Staaten Nordafrikas und des Nahen Ostens. Zudem könnte das Leitungsnetz Ziel von Terroristen sein - die Stromversorgung Europas wäre im Falle eines Anschlags gefährdet. Politische Hürden bestehen vor allem darin, dass für eine Umsetzung des Desertec-Konzepts die Zusammenarbeit sowohl vieler europäischer Staaten untereinander erforderlich ist als auch mit Nordafrika und dem Nahen Osten. Diese Beziehungen sind allerdings historisch belastet.