Wüstenstrom-Projekt Desertec-Stiftung kündigt Industrie Zusammenarbeit

Offener Bruch beim Wüstenstrom-Projekt: Die Desertec-Stiftung steigt aus der Zusammenarbeit mit der Initiative der Industrie aus. Deren Führungsspitze streitet sich heftig über die Strategie. Zeitungsberichten zufolge will die Stiftung nun den Gebrauch des Namens Desertec untersagen.

Wüsten-Solarkraftwerk (in Kalifornien): Streit im Desertec-Projekt
AP

Wüsten-Solarkraftwerk (in Kalifornien): Streit im Desertec-Projekt


München - Die Wüstenstrom-Stiftung Desertec beendet ihre Zusammenarbeit mit der Desertec-Initiative der Industrie nach heftigem Streit. Aufsichtsrat und Vorstand hätten einstimmig die Kündigung ihrer Mitgliedschaft bei der Dii beschlossen, teilte die Stiftung mit. Damit ziehe sie die Konsequenzen aus "unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten bezüglich der zukünftigen Strategie, den Aufgaben und der dafür notwendigen Kommunikation sowie nicht zuletzt des Führungsstils der Dii-Spitze".

Die Industrieinitiative war 2009 unter dem Namen Desertec Industrial Initiative (DII) von der seit 2003 bestehenden Desertec-Stiftung gemeinsam mit mehreren deutschen Konzernen gegründet worden, unter ihnen die Deutsche Bank Chart zeigen, Siemens Chart zeigen und die Münchner Rück Chart zeigen. Sie gaben das Ziel aus, dass bis zum Jahr 2050 400 Milliarden Euro investiert und mindestens 15 Prozent des europäischen Strombedarfs von Wind- und Sonnenkraftwerken in der Sahara gedeckt werden sollten.

Allerdings häuften sich die Rückschläge. Die ersten Projekte kamen kaum voran, zudem stiegen wichtige Mitglieder der DII wie Siemens oder Bosch aus. Jüngst machte ein Streit in der Führungsspitze der Initiative Schlagzeilen. Demnach lieferten sich die beiden Geschäftsführer, der Niederländer Paul van Son und Aglaia Wieland, die erst seit 2012 mit an der Spitze der DII steht, heftige Auseinandersetzungen über die Strategie des Projekts. Van Son schätzt die Realisierungschance für den Stromexport aus den Wüsten Afrikas nach Europa vorerst skeptisch ein, Wieland will das Ziel hingegen weiter verfolgen.

Die Desertec-Stiftung erklärte jetzt: "Es war uns immer klar, dass die Umsetzung der Idee, in den Wüsten dieser Erde Strom zu produzieren, kein leichtes Unterfangen wird und mit extremen Herausforderungen verbunden ist." Die DII-Mitarbeiter hätten Enormes geleistet. Aber die Stiftung wolle "nicht in den Sog der negativen Berichterstattung über die Führungskrise und Orientierungslosigkeit des Industriekonsortiums gezogen" werden.

Brisant für die DII ist der Ausstieg der Stiftung auch deshalb, weil diese die Namensrechte an Desertec hält. Laut Berichten der "Süddeutschen Zeitung" und der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" will die Stiftung der Initiative nun verbieten, den Namen weiter zu benutzen.

fdi/dpa

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wibo2 01.07.2013
1. Desertec Stiftung sollte mit China zusammen arbeiten ....
Die deutsche Industrie hat die geistige Kraft nicht aufgebracht, um Solarthermie Groß- Anlagen von erforderlicher Effizienz zu entwickeln. Für die Afrikaner, Araber u.v.a. wären Solarthermie Großanlagen hingegen sinnvoll und zweckmäßig für ihre Eigenbedarf Energieerzeugung. Ob ein Transport des elektrischen Stromes über tausende Kilometer von Afrika bis zu uns hier sinnvoll wäre, kann ich mir nicht vorstellen. Wegen technischer und sicherheitspolitischer Bedenken.
Reziprozität 01.07.2013
2. optional
Tja, das war's dann also. Hat ja nicht besonders lange gedauert.
bunterepublik 01.07.2013
3. Phantasterei
Das ganze Projekt ist Phantasterei und strategisch bedenklich. Die Abhängigkeit von Öl aus Schurkenstaaten würde durch eine Abhängigkeit vom Strom ersetzt. Ohne politisch und gesellschaftlich stabile Verhältnisse ist jeder Euro, der in Nordafrika vergraben wird, ein Euro zuviel. Und die Wirtschaft vor Ort wird auch nicht angekurbelt.
ir² 01.07.2013
4. Ohne Industriebeteiligung?
Wollen die Damen und Herren der Stiftung den Strom in Säcken nach Europa tragen? Passt ja bestens zum Vorbild dieser ganzen Aktion, dem Rathausbau von Schilda. Aber Hauptsache die Anwälte haben zu tun, der Rechtsstreit um den Schildbürgersteich "Wüstenstrom" wird wohl deren Taschen prall füllen....
MrStoneStupid 01.07.2013
5. Neustart von Desertec gewünscht
Alle haben was gelernt und nun soll es im zweiten Anlauf richtig gemacht werden: die EU-Staaten finanzieren alles, beauftragen Unternehmen, Anlagen und Leitungen gehören den beteiligten Staaten, die auch die Anlage betreiben. Die Sonne stellt keine Rechnung, also rechnet sich das. Afrika bekommt praktische Entwicklungshilfe (Know how, Arbeitsplätze), die EU kriegt Strom und ihre Investitionen bezahlt und danach kann man sich den Gewinn teilen (günstig Strom für die EU und Geld für Afrika). (imho)
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