Streit um Finanzierung Wüstenstrom-Projekt vor dem Aus

Eines der ehrgeizigsten Energieprojekte steht offenbar vor dem Scheitern. Laut "SZ" droht der Wüstenstrom-Initiative Desertec das Aus - die beteiligten Firmen können sich nicht auf ein Zukunftskonzept einigen.

Windpark in Marokko: Traum vom Wüstenstrom für Europa vor dem Aus
DPA

Windpark in Marokko: Traum vom Wüstenstrom für Europa vor dem Aus


Berlin/München - Dass Desertec in der Krise steckt, hatte sich in den vergangenen Monaten bereits abgezeichnet. Zum Jahreswechsel verließ die HSH Nordbank als Finanzier das Wüstenstrom-Projekt, im Frühjahr verkündeten Bilfinger und E.on ihren Ausstieg. Nun könnte die gesamte Initiative vor dem Aus stehen, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" (SZ).

Der verbliebene Kreis von 35 internationalen Konzernen könne sich nach Angaben aus Gesellschafterkreisen nicht auf eine Fortführung in bisheriger Form einigen, schrieb die "SZ". Ende des Jahres laufen demnach die Verträge mit den Gesellschaftern aus. Das Überleben sichern könnte nur eine rasche verbindliche Zusage für einen neuen Etat von rund zwei Millionen Euro. Doch die sei nicht in Sicht.

"Die Wahrscheinlichkeit wächst mit jedem Tag, dass wir die Gesellschaft zum Jahresende in ihrer heutigen Form abwickeln müssen", zitierte die Zeitung einen Insider. "Es gibt bislang keine finanzielle Basis für ihre Fortführung."

Ein Sprecher von Desertec gab sich laut "SZ" bedeckt. "Eine Entscheidung ist noch nicht gefallen", sagte er der Zeitung. Sie werde am Montag von den Gesellschaftern getroffen. Dann findet in Rom die Desertec-Jahreskonferenz statt. Die Gesellschafter, zu denen RWE Chart zeigen, Munich Re Chart zeigen, ABB Chart zeigen oder die Deutsche Bank Chart zeigen gehören, wollen am Rande des Treffens über die Zukunft der Initiative beraten, berichtete die "SZ".

Neben einem kompletten Aus für das Projekt stehe auch eine Fortführung in kleinerer Form zur Diskussion. Demnach könnte DII als Beratungsunternehmen tätig sein, um die bereits aufgebaute Expertise weiter zu nutzen.

Bereits 2012 stieg Siemens aus

Die internationale Wüstenstrominitiative Desertec Industrial Initiative (DII) war 2009 mit großen Hoffnungen gestartet. Sie galt als eines der ehrgeizigsten Erneuerbare-Energien-Projekte. Die Initiative will Sonnen- und Windkraft in Nordafrika und im Nahen Osten produzieren und zum Teil nach Europa exportieren. DII sollte die Voraussetzungen für den Bau Hunderter Öko-Kraftwerke in Nordafrika und dem Nahen Osten schaffen, die zusammen den Strombedarf der Region zu großen Teilen decken könnten - und dazu noch rund 15 Prozent des europäischen Verbrauchs. Investitionen in dreistelliger Milliardenhöhe sind dafür nötig.

Doch inzwischen sind die Kosten einer dezentralen Produktion von erneuerbarer Energie in Europa deutlich gesunken - was das Großprojekt in der Wüste weniger interessant macht. Bereits Ende 2012 hatten sich Bosch und Siemens aus dem Desertec-Projekt zurückgezogen.

Dazu hat das Image des Projekts gelitten. Denn die DII hat sich ausgerechnet mit dem Initiator, Ideen- und Namensgeber des Projekts, der sogenannten Desertec-Stiftung, zerstritten. Den Namen Desertec darf die DII seitdem eigentlich gar nicht mehr benutzen. Kürzlich wurde dann auch noch bekannt, dass DII-Chef Paul van Son das Projekt verlässt. Er wechselt zu RWE Chart zeigen.

mmq/Reuters

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European 08.10.2014
1. Desertec
war das mit Anstand dümmste Infrastrukturprojekt das mit seit Jahren bekannt wurde. Für einen dreistelligen Milliardenbetrag (von Steuergeldern) Kraftwerke in Afrika bauen das ja bekanntlich politisch sehr stabil ist. So wäre unsere Versorgung mit Energie gesichert, eine Lachnummer.
MashMashMusic 08.10.2014
2. Ach, ich weiß noch ...
... wie ich in diesem Forum angegiftet wurde, ich hätte keine Ahnung, und überhaupt, blabla. Und wie ich es gesagt habe: ich habe damals schon bei meiner Artikelserie mit den entsprechenden Leuten gesprochen, und damals schon sah es mit Desertec schlecht aus. Aber das durfte ja nicht sein. Doch, es darf. Und es ist. Die Geldgeber haben eingesehen, dass es nicht so einfach zu realisieren ist.
hansschulze 08.10.2014
3. politische Zuverlässigkeit?
Wer will auch Milliarden von Euro in Ländern verbauen, die Gefahr laufen von islamistischen Regimen übernommen zu werden? Aus Sicht der Energiesicherheit wünsche ich mir dann immernoch lieber böse aber grundsätzlich vernunftbegabte Russen als Energiepaten.
me-and-bobby 08.10.2014
4. Ein tot geborenes Kind der Konzerne mit dem Zweck, die Regierungen zur Bezahlung von
Gott sei Dank ist das Projekt Projekt endlich beerdigt... Das Baby hatte nur den Zweck große Forschungsprojekte für die Konzerne anzuschieben, wie eine "Supra Stromleitung" über das Mittelmeer nach Italien... Spätestens wo der "Arabische Frühling" ausbrach, war auch dem letzten Dummi klar, dass eine sichere Energie von Nordafrika nach Europa ein riesiges Erpressungspotential dargestellt hätte...Zudem wer soll die Mrd. € für die Kabeltrassen über Spanien, Frankreich und Italien bezahlen...??? Es war ein typisches "Abzogmodell" der Konzerne um EU und auch nationale Gelder für die Kassen der Konzerne zu füllen... Der Verbraucher würde nach dem Modell dann zwangsbesteuert über die Überhöhten Strompreise... Es sind schon über 100 Mio. € an Steuergeldern hier versenkt worden... RWE, Siemens, ABB und wie sie alle heißen haben wie üblich ein Abzogmodell mit schönem Namen "DESERTEC" zur Verschleierung ihrer wirklichen Absicht, erfunden... Dank der dezentralen Energie-Wende in Europa, traten sich die Regierungen nicht mehr, dieses Model mit Steuergeldern weiter zu subventionieren.. Damit hatte das Baby kein Blut mehr und wurde beerdigt... Einfach unverschämt wie die Konzerne uns abzocken!!! Wer fordert die gezahlten Mio. Steuergelder zurück? Nicht Zentralität ist angesagt, sondern Dezentralität...Jeder ist sein eigener Stromproduzent... So geht das...
u.loose 08.10.2014
5. Dreistellige Milliarden Investitionen
und am Ende "übernimmt" irgendein "Kalifat" die Investitionen... Wer in dem Bereich investiert müsste mit dem Klammerbeutel gepudert sein!
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