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Schmiergeldfall bei Lufthansa Cargo: Bei Auftrag Cash

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Lufthansa-Cargo-Maschine: Knallharter Wettbewerb um Aufträge Zur Großansicht
AP/Lufthansa

Lufthansa-Cargo-Maschine: Knallharter Wettbewerb um Aufträge

Der Korruptionsfall bei der Frachttochter der Lufthansa zeigt, wie hart der Kampf um lukrative Aufträge am Frankfurter Flughafen geführt wurde: Mitbewerber wurden nach SPIEGEL-Informationen mit Schmiergeldern ausgebootet, in die Pleite getrieben - und zum Spottpreis übernommen.

Hamburg - Der Aufwand der Strafermittler war enorm. An 17 Orten in mehreren Bundesländern durchsuchten am Dienstag 90 Beamte Wohn- und Geschäftsräume und beschlagnahmten umfangreiches Material. Der Verdacht: Bestechung und Bestechlichkeit. Unter den durchsuchten Firmen: Lufthansa Cargo, die Frachttochter der größten deutschen Fluggesellschaft. Informationen, die dem SPIEGEL vorliegen, lassen erahnen, wie gnadenlos der Wettbewerb um Aufträge des größten deutschen Luftfrachtunternehmens am Frankfurter Airport ist.

Ausgangspunkt der Razzien ist offenbar eine Strafanzeige aus dem August 2013. Die darin enthaltenen Vorwürfe zeigen auf, wie dreist die beteiligten Manager offenbar zu illegalen Mitteln griffen - und wie verheerend die Folgen für jene Firmen sind, die dabei nicht mitmachten.

Laut der federführenden Frankfurter Staatsanwaltschaft stehen insgesamt fünf Personen unter Verdacht, darunter ein ranghoher Manager der Lufthansa Cargo und zwei Geschäftsführer der Wisskirchen Logistik GmbH, ein Dienstleister der Lufthansa-Tochter am Flughafen Frankfurt. Die Bestechungen sollen sich demnach über einen Zeitraum von rund zwei Jahren hingezogen haben.

In der Strafanzeige werden zudem Vorwürfe gegen Manager weiterer Unternehmen erhoben, die den Lufthansa-Cargo-Manager geschmiert haben sollen. Zudem erstrecken sich die Vorwürfe auch auf mögliche Schmiergeldzahlungen bereits im Jahr 2009, also auf einen weit längeren Zeitraum als von den Strafermittlern bislang bestätigt.

Bargeld und Beratungs-Scheinverträge

Erstaunlich ist, wie plump die Bestechungen abgelaufen sein sollen: Als etwa im Frühjahr 2009 ein Teil der Dienstleistungen im Frankfurter Frachtzentrum der Lufthansa neu ausgeschrieben wurde, zeigten sich die Wettbewerber überrascht, dass Wisskirchen den Zuschlag erhielt.

Für den lukrativen Auftrag sollen die beiden Geschäftsführer dem beschuldigten Lufthansa-Cargo-Manager schlicht Bargeld gegeben haben - laut Unterlagen, die den Ermittlern vorliegen, sind es 40.000 Euro gewesen. Das passt zu den Angaben der Frankfurter Staatsanwaltschaft, die von einem Betrag im mittleren fünfstelligen Bereich spricht.

Nicht immer sollen die Gelder derart direkt gezahlt worden sein. Den Informationen zufolge knüpfte der Lufthansa-Cargo-Manager die Auftragsvergabe an einen weiteren Dienstleister Ende 2012 an Bedingungen. Demnach sollte das Schmiergeld diesmal über Beraterverträge fließen. Zwischengeschaltet seien zwei Consulting-Unternehmen gewesen - hinter denen offenbar allerdings der Lufthansa-Cargo-Manager selbst sowie der Inhaber des Dienstleisters standen.

Letzterer war demnach gleichzeitig Geschäftsführer der ersten Consultinggesellschaft - die mit seiner eigenen Frachtfirma einen Beratervertrag schloss. Monatlich sollte ein mittlerer vierstelliger Betrag für die Beratung fließen. Exakt diesen Betrag stellte dann eine zweite Consultinggesellschaft der ersten in Rechnung. Gesellschafter der zweiten Consultingfirma ist laut Handelsregister wiederum der Lufthansa-Cargo-Manager selbst, zudem fungierte er dort offenbar als Geschäftsführer.

Willkommene Pleite der Konkurrenten

Außer diesen monatlichen Zahlungen für die angebliche Beratung soll der Lufthansa-Manager von dem Dienstleister aber auch mit mindestens einem Sachgeschenk bedacht worden sein. Im Frühjahr 2013 - so die Darstellung in den Ermittlern vorliegenden Unterlagen - habe er einen neu gekauften Laptop angenommen.

Der beschuldigte Manager von Lufthansa Cargo ließ Anfragen zu den erhobenen Vorwürfen bislang unbeantwortet, ebenso die Wisskirchen Logistik GmbH und deren Geschäftsführer. Lufthansa Cargo hatte bereits am Dienstag die Razzien und den Verdacht gegen einen ihrer Mitarbeiter bestätigt. Am Mittwoch teilte ein Sprecher auf Anfrage mit, dass der Beschuldigte inzwischen nicht mehr operativ für das Unternehmen arbeitet - und dass Lufthansa Cargo bei internen Ermittlungen prüfe, ob und in welchem Umfang man selbst zu den Geschädigten in dem Schmiergeldfall gehöre.

In jedem Fall dürfte der Schaden für Lufthansa Cargo leichter zu verkraften sein als für die ausgebooteten Mitbewerber der mutmaßlichen Schmiergeldzahler. Nach SPIEGEL-Informationen musste einer der aus dem Weg geräumten Konkurrenten mit rund 200 Mitarbeitern Insolvenz anmelden - was womöglich sogar zum Kalkül der Schmiergeldzahler gehörte. Denn wenige Wochen danach wurde das insolvente Unternehmen zu einem Spottpreis von einem Mitbewerber gekauft: Wisskirchen Logistik.

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insgesamt 22 Beiträge
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1. Lufthansa Cargo zahlte Schmiergeld
Allergutster 19.02.2014
Dann warte ich jetzt darauf, dass das Bundeskartellamt hohe (mind. 3-stelligen Millionenbetrag) an Strafe verhängt. Ach so, die Lufthansa ist ein staatseigener Betrieb. Macht nichts. Einfach mal kräftig bestrafen. Ist im Sinne der Gleichbehandlung sicher angebracht.
2. Handelsregister?
Kudi 19.02.2014
Da muss man sich allerdings fragen, ob Firmen ab und zu auch im Handelsregister nachschauen, ob ihre eigenen Mitarbeiter nebenbei Firmen betreiben. Wie kann man bei LH-Cargo Manager sein und - angeblich ohne Wissen jenes Arbeitgebers - gleichzeitig Beratungsfirmen managen?
3. Also mein Allergutster,
DasDeichkind 19.02.2014
erstmal durchatmen. Das Unternehmen BEKAM Schmiergeld und die Lufthansa ist seit 1994 KEIN Staatsbetrieb. Mehr nachdenken, weniger aufregen. Und den Betrag sollte wohl eher ein Gericht als Sie festlegen, wenn überhaupt.
4. Die LH Cargo Manager sind auch sonst ohne jede Rücksicht.
opar 19.02.2014
Zitat von sysopAP/LufthansaDer Korruptionsfall bei der Frachttochter der Lufthansa zeigt, wie hart der Kampf um lukrative Aufträge am Frankfurter Flughafen geführt wurde: Mitbewerber wurden nach SPIEGEL-Informationen mit Schmiergeldern ausgebootet, in die Pleite getrieben - und zum Spottpreis übernommen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/details-zum-schmiergeld-fall-bei-lufthansa-cargo-am-airport-frankfurt-a-954528.html
Das sind diese Typen, die in Frankfurt ohne Rücksicht die fünf mal so lauten Frachtmaschinen MD-11 pünktlich morgens um 5:00 starten oder landen lassen, was jeden Morgen zigtausend Bewohner des Rhein-Main Gebietes im Umkreis von 20 km vom Flughafen aus dem Schlaf reisst. Genau so abends, möglichst noch mit Verspätung, eine halbe Stunde nach der Sperrstunde um 23:00 Uhr. Diese Leute haben einen Charakter, wenn man damit einen Kriminalfilm drehen würde, die Kritiker würden den als unrealistisch überzeichnet disqualifizieren. Aber Nein, diese Manager gibt es wirklich. Bin ich froh, dass man die bei etwas Illegalem erwischt hat, wundern tut mich das nicht.
5. Es wundert ...
secret.007 19.02.2014
... eigentlich niemanden, dass rund um den Frankfurter Flughafen kräftig geschmiert wird. Hoffentlich werden diese Schmierfinke in Zukunft entsprechend behandelt, wenn sie wieder einmal auf die Tränendrüse drücken und von Benachteiligung schwafeln.
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