Millionenminus Bahn verbrennt Geld mit der Bordgastronomie

Die Ofenkartoffel ist aus, die Bierzapf-Anlage läuft nicht: Es geht jede Menge schief in den Speisewagen der Deutschen Bahn. Und dann fahren sie nach SPIEGEL-Informationen auch noch ein Millionendefizit ein.

Arbeiten am Bordrestaurant (Archivbild)
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Arbeiten am Bordrestaurant (Archivbild)

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Mit ihren 260 ICE-Speisewagen und 390 Bordbistros gehört die Deutsche Bahn zu den größten Restaurantketten der Republik. Doch der Konzern verbrennt damit jede Menge Geld:

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Heft 11/2017
Erdogans Deutschland - Geschichte einer Spaltung

Zuletzt betrug der Jahresverlust nach SPIEGEL-Informationen rund 80 Millionen Euro. In der Vergangenheit lag dieses Minus auch schon bei geschätzten 150 Millionen Euro. Die Bahn betrachtet den Bordservice als eine Servicedienstleistung, mit der man nicht unbedingt Gewinne einfahren muss. Interne Kalkulationen gehen davon aus, dass mancher Reisende wegen des Speisewagens den Zug als Verkehrsmittel bevorzugt. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

Der Durchschnittsumsatz der Bahngastronomie mit Restaurant, Bistro und Am-Platz-Service liegt aktuell bei 5,30 Euro; rund 1000 Euro Umsatz erwartet die Bahn bei guter Auslastung beispielsweise auf der Strecke zwischen Berlin und Frankfurt am Main. 3000 Mitarbeiter arbeiten in der Bahngastronomie, viele von ihnen sind neben ihrem Gehalt auch am jeweiligen Umsatz beteiligt.

Auch die Vorlieben der Fahrgäste lassen sich an Zahlen ablesen: So zählt die Bahn zu den größten Kaffeehändlern der Republik: Der Netto-Umsatz mit Kaffeeprodukten lag 2016 bei 21,9 Millionen Euro. Satte 1,2 Millionen Euro setzt das Unternehmen jährlich allein mit Chili con Carne um. Zu den beliebtesten Gerichten der Bahnkunden zählen auch Eintöpfe.

Doch die Bordgastronomie ist pannengeplagt: Nicht immer klappt der Warennachschub, die teils veralteten Bordküchen gelten als chronische Sensibelchen. Dennoch setzt die Bahn auch in Zukunft auf den Bordservice - unter Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn sollten die Speisewagen einst abgeschafft werden. Schon bald sollen alle Kassen automatisch Waren nachbestellen können. Daneben arbeitet man an einem stärkeren digitalen Kundenservice.

Ab April plant der Konzern zudem eine andere Neuerung: Dann sollen alle Produkte überall bestellt werden können. Bisher war es beispielsweise nicht möglich, die Currywurst im Bordrestaurant serviert zu bekommen, weil sie dem Bordbistro vorbehalten war.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - erhältlich ab Samstagmorgen und schon heute ab 18 Uhr im digitalen SPIEGEL.

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insgesamt 224 Beiträge
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schgucke 11.03.2017
1. Sitzplatzentscheidung
So gerne würde ich mal entspannt im Speisewagen futtern und dann Zeitung lesen, aber dann fehlt an anderer Stelle irgendwann mein Gepäck oder mein Sitzplatz. Und jemanden zu bitten, ne Dreiviertelstunde mein Gepäck und meinen Sitzplatz zu verteidigen, geht nicht. Aber stimmt, da ist immer irgendwas kaputt. Aber das Personal trägt immer alles mit Fassung und Selbstironie, die Führung scheint zu taugen.
riedlinger 11.03.2017
2. Was soll dieses Bahn-Bashing?
Ich fuhr viele Jahre mit BahnCard 100 (früher: NetzCard) durchs Land, saß sicher Hunderte Male in Speisewagen und kann dieses ewige Bahn-Bashing nicht begreifen. Die Speisen wurden in den letzten 20 Jahren deutlich besser, der Service viel freundlicher, in der 1. Klasse wird das Essen sogar am Platz serviert... Und wieso vergleicht niemand dieser notorischen Bahn-Kritiker die vollwertigen Mahlzeiten der Bahn mit dem Papp, der von Fluggesellschaften in Economy serviert wird? Das Bahn-Essen korrespondiert mit dem Essen von Lufthansa und British Airways in der Business Class und von Emirates in der First Class. Man muss schon LH- oder BA-First-Class fliegen, um besser zu essen als in einem ganz normalen deutschen ICE. Warum schreibt das niemand?
jorgos 11.03.2017
3. Bordgastronomie ist ein echter Vorteil der Bahn
Als absoluter Vielfahrer mit Fernzügen der Bahn muss ich sagen, dass gerade die Bordgastronomie (neben dem besseren Platzangebot) die Bahn in Deutschland zu einer besseren Alternative macht als etwa die Fliegerei oder gar das Auto. In der ersten Klasse einen Film sehen und dazu ein Glas Bier oder Wein zu trinken oder eine Mahlzeit einzunehmern, macht den Reiz der Bahnreise aus. Es stimmt: Die Bordgastronomie selbst muss keinen Gewinn machen. Aber das Gesamtangebot der Bahn ist entscheidend. Und hier ht die Bahn die Nase vorn. Auch wenn es sicher Optimierungsmöglichkeiten gibt.
peeka(neu) 11.03.2017
4. Nun ja
Die Bahn baut bahnhöfe zu Shoppingmalls aus, in denen die Billiggastronomie dominiert und wundert sich dann, dass sie die übertreuerten Speisen und Getränke in den eigenen Speisewagen nicht mehr los wird. Wenn ich aber die Wahl habe, auf dem Bahnhof noch einen Kaffee für 1,50€ oder aus dem Automaten gar einen Cappucchino für 50ct zu ziehen, dann bleiben die Heißgetränke für 2,70€ bis 3 € eben denjenigen vorbehalten, die entweder die die Preise nicht interessieren, die die Kosten von ihrem Unternehmen erstattet bekommen oder die mangels Sitzplatz im Bordbistro unterkommen und dort nicht negativ auffallen wollen.
Baustellenliebhaber 11.03.2017
5. Jeder der schon da gegessen hat
weiss warum das so ist. Das ist Küche von 1990, ungeniessbar!
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