Deutsche Bahn Ein Viertel der Fernzüge ist verspätet

Die Deutsche Bahn will pünktlicher werden - doch zuletzt hat das gar nicht funktioniert. Im März kamen nach SPIEGEL-Informationen nur etwa 75 Prozent der Fernzüge einigermaßen planmäßig ans Ziel.

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Im Fernverkehr der Bahn waren zuletzt ein Viertel der Züge unpünktlich. Im März kamen nach SPIEGEL-Informationen nur 75,3 Prozent der Fernzüge mit weniger als sechs Minuten Verspätung an den Bahnhöfen an.

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Nach Definition der Bahn gelten alle Verbindungen als pünktlich, die mit maximal 5:59 Minuten Verspätung ankommen - diese Lesart stammt aus der Zeit der Bahnhofsuhren ohne Sekundenzeiger. Die Bahn hat sich für dieses Jahr eine Pünktlichkeit von 82 Prozent zum Ziel gesetzt, der erreichte Durchschnittswert des vergangenen Jahres lag bei 78,5 Prozent. Als Begründung für die schwachen Märzzahlen gibt die Bahn "Großstörungen auf den Hauptstrecken" sowie einen "Wintereinbruch im Norden und Osten" an. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Der Konzern versucht einiges, um die Pünktlichkeit zu erhöhen - bisher mit mäßigem Erfolg. Anfang des Jahres stellte man eine Schnellfahr-Offensive ein; hierbei sollten Lokführer die Züge so schnell wie möglich und erlaubt über die Gleise hetzen.

Bahn-Chef Richard Lutz hat zudem angekündigt, ein Lagezentrum Pünktlichkeit einzuführen, in dem künftig alle Informationen zusammenlaufen sollen, die die Bahn brauche, um die Pünktlichkeit zu verbessern. Das Thema hat im Konzern auch aus ganz anderen Gründen Gewicht: Wie hoch der Bonus von Bahn-Führungskräften ausfällt, hängt unter anderem davon ab, wie pünktlich die Züge unterwegs sind.

Auch im Regional- und Nahverkehr hat die Bahn nach SPIEGEL-Informationen Probleme mit der Pünktlichkeit, etwa auf der Strecke zur Insel Sylt. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) kündigte an, dass das Land für den März 350.000 Euro einbehalten werde, die es normalerweise für den Betrieb an die Bahn zahlen müsste. Auch bei der Berliner S-Bahn schaffte es die Bahn nicht, das vertraglich zugesicherte Pünktlichkeitsziel für 2017 einzuhalten.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
Marvin__ 28.04.2018
1. Korrekt wäre: Weniger als ein Viertel der Fernzüge kam pünktlich an
Diese "mehr als 6 Minuten" - Sprachregelung der Bahn mag für die Bonuszahlungen des Vorstands relevant sein. Für die Kunden der Bahn ist das reiner Hohn. Zumal die Bahn selbst etwa sechs Minuten Umsteigezeit vorschlägt bei Zugverbindungen. Hinzu kommt, dass in der letzten Zeit immer mehr Züge ganz oder teilweise gestrichen. Entweder "planmäßig" - wegen Bauarbeiten fahren dann wochenlang gar keine oder nur noch wenige Züge, oder zufällig - in der Anzeige steht dann, dass der Zug ausfällt oder an diesem Bahnhof nicht hält. Wenn Züge überhaupt noch fahren, fehlen meistens Waggons (sodass auch ausserhalb der Spitzenzeiten regelmäßig Fahrgäste stundenlang stehen müssen), Reservierungen werden nicht angezeigt, Toiletten und Kaffeemaschinen funktionieren nicht. Durch die Überschrift und Artikeltext zu implizieren, dass drei viertel der Züge wie geplant funktionieren ist da zumindest eine grobe Verzerrung der Wirklichkeit.
Sibylle1969 28.04.2018
2.
Ich finde die Pünktlichkeitsdefinition der Bahn befremdlich. Auch eine Verspätung von 3 Minuten sorgt oft für das Verpassen von Anschlusszügen oder von Bussen, die an ländlichen Bahnhöfen nicht auf verspätete Regionalzüge warten. Dann werden aus 3 Minuten dann schnell 30 bis 60 Minuten spätere Ankunft. Mich würde interessieren, wieviele Züge denn pünktlich sind, wenn die Ankunft maximal 59 Sekunden zu spät sein darf, um noch als pünktlich zu gelten. Aus eigener Erfahrung würde ich da auf maximal 20-30% bei den Fernzügen tippen.
Claudius32 28.04.2018
3. Auf einigen Strecken noch viel schlimmer
Fahre häufig die Strecke Düsseldorf - Hamburg! Gefühlt ist die Quote der Züge, die pünktlich sind, bei 0 %! Wenn man in Dortmund oder Hannover umsteigen muss, kann man sich gleich auf einen längeren Aufenthalt einstellen. Kenne mittlerweile die einschlägigen gastronomischen Einrichtungen in Bahnhofsnähe. Hinzu kommt, dass man wie ein Hirsch über die Bahnsteige hetzt, weil die Wagenreihung anders ist als angezeigt und dann vom glücklich gefundenen Sitzplatz wieder aufstehen darf, weil jemand mit einer Reservierung kommt, die aber nicht angezeigt wurde. Bahnfahren ist unter diesen Umständen eines der letzten Abenteuer der Neuzeit.
carinanavis 28.04.2018
4. Wenn Züge überhaupt noch fahren
Zitat von Marvin__Diese "mehr als 6 Minuten" - Sprachregelung der Bahn mag für die Bonuszahlungen des Vorstands relevant sein. Für die Kunden der Bahn ist das reiner Hohn. Zumal die Bahn selbst etwa sechs Minuten Umsteigezeit vorschlägt bei Zugverbindungen. Hinzu kommt, dass in der letzten Zeit immer mehr Züge ganz oder teilweise gestrichen. Entweder "planmäßig" - wegen Bauarbeiten fahren dann wochenlang gar keine oder nur noch wenige Züge, oder zufällig - in der Anzeige steht dann, dass der Zug ausfällt oder an diesem Bahnhof nicht hält. Wenn Züge überhaupt noch fahren, fehlen meistens Waggons (sodass auch ausserhalb der Spitzenzeiten regelmäßig Fahrgäste stundenlang stehen müssen), Reservierungen werden nicht angezeigt, Toiletten und Kaffeemaschinen funktionieren nicht. Durch die Überschrift und Artikeltext zu implizieren, dass drei viertel der Züge wie geplant funktionieren ist da zumindest eine grobe Verzerrung der Wirklichkeit.
Irgendwie versuchen Sie hier eine Alptraumwelt der DB zu erfinden die überhaupt nicht existiert. Der Wintereinruch im März hat die Pünktlichkeit etwas gesenkt, zudem gibt es derzeit ungewöhnlich viele Baustellen im Bundesgebiet. Reservierungen werden nicht angezeigt, Toiletten funktionieren nicht? Sie versuchen uns weiszumachen, dass diese generell nicht funktioniert, was natürlich völlig unwahr ist. Sie greifen sich da 1-2% Versagerquote z.B. der WCs heraus und tun so, als ob keine Zugtoilette funktioniert. Absurd. Und kommen Sie jetzt bitte nicht mit den pünktlichen japanischen Zügen. Da wird nur die im wesentlichen lineare Shinkansenachse herangezogen, die im Grunde überhaupt kein Gleisnetz darstellt. Wenn Sie ein wenig Ahnung über Zugverspätungen hätten, wüssten Sie dass die Verspätungen in anderen EU-Ländern viel massiver sind, gerade im hochgelobten Frankreich. Außerhalb Deutschlands und Portugals gelten Züge erst ab 15 Minuten verspätet!
m.sc. 28.04.2018
5. Berufspendler
Als Berufspendler sehe ich täglich die Probleme bei der Bahn. Da die Züge in meinem Fall nur alle halbe Stunde kommen, bedeutet ein Zugausfall sehr lange Wartezeiten. Auch Termine einzuhalten ist bei regelmäßig verspäteten Zügen ein Glücksspiel. Dass die Züge teilweise an der Kapazitätsgrenze fahren, mag ökonomisch sinnvoll sein, doch verspäten sich so abfahren in jedem Bahnhof weiter, da das reinquetschen das Schließen der Türen verhindert. Andere Verkehrsmittel sind auf dieser Strecke leider keine Alternative.
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