Topmanager Bahn entmachtet Supervorstand Kefer

Paukenschlag bei der Deutschen Bahn: Ausgerechnet der bislang mächtigste Vorstand Volker Kefer soll nach SPIEGEL-Informationen einen Teil seiner Zuständigkeiten abgeben. Als Nachfolger wünscht sich Konzernchef Grube unbedingt eine Frau.

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Bahn-Technikvorstand Volker Kefer: Künftig für weniger Probleme zuständig
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Bahn-Technikvorstand Volker Kefer: Künftig für weniger Probleme zuständig


Wer Volker Kefer fragt, warum schon nach wenigen Jahren am Berliner Hauptbahnhof die Gleise ausgetauscht werden müssen, den fragt der Bahn-Vorstand erst einmal: "Wollen Sie es wirklich wissen?" Dann holt er sich ein leeres Blatt Papier, zeichnet ein Modell der Schienenwege und erklärt geduldig, was schiefgelaufen ist.

Wenige Top-Manager können sich so für ihre Themen begeistern wie der 57-Jährige, der mit den Themen Infrastruktur und Technik zwei der wichtigsten Ressorts im Vorstand der Bahn verantwortet. Entsprechend galt er lange als potentieller Kronprinz von Konzernchef Rüdiger Grube. Doch nun soll der Einfluss des mächtigen Konzernvorstands deutlich beschnitten werden: Der promovierte Ingenieur soll die Verantwortung für den Technikbereich abgeben. Das erfuhr der SPIEGEL aus Aufsichtsratskreisen. Über den Machtverlust will das Gremium bei seiner Sitzung in der übernächsten Woche entscheiden.

Theoretisch ist der Verlust eines Ressorts für Kefer eine gute Nachricht. Schließlich ist er künftig für weniger Probleme zuständig. Bislang musste er sich nicht nur um das Dauerstreitthema Stuttgart 21 kümmern, sondern auch um nicht minder nervenzehrende Dinge wie die Unfähigkeit von Siemens, halbwegs pünktlich Züge zu liefern, die im Optimalfall sogar fahren können.

Schwierige Suche nach einer Nachfolgerin

In der Praxis war Kefer, so ist aus dem Konzernumfeld zu hören, trotzdem alles andere als begeistert, als Grube ihm die schlechte Nachricht überbrachte. Grube ist das Gespräch nicht leicht gefallen, da er ungern harte personelle Entscheidungen trifft. Immerhin konnte der Bahnchef die Verantwortung an den Aufsichtsrat abschieben. Denn die Idee, Kefer von einem Teil seiner Aufgaben zu entbinden, entstand in dem Kontrollgremium. "Wir sind mit seiner Arbeit zufrieden, aber er hat einfach zu viel um die Ohren", sagt ein Aufsichtsrat.

Andere Beteiligte sind kritischer: "Kefer kann froh sein, dass er das Infrastrukturressort behalten darf", sagt ein Insider. Schließlich habe es auch viel Kritik an ihm gegeben, gerade im Zusammenhang mit Stuttgart 21.

Einen Nachfolger für Kefer zu finden, dürfte keine leichte Sache sein - zumal sich Bahnchef Grube auf jeden Fall eine Nachfolgerin wünscht. Er muss also eine Top-Managerin auswählen, die sich blendend mit Technikfragen auskennt und zugleich Lust hat, es mit den eher hemdsärmeligen Bahnern aufzunehmen.

Dass Grube unbedingt eine Frau in den Konzernvorstand holen will, hat einen einfachen Grund: Die Bahn muss für Frauen dringend attraktiver werden. Und in Zeiten, in denen überall über mehr Frauenpower in den Vorstandsetagen gesprochen wird, macht sich ein reiner Männerbund alles andere als gut.

Zumal die Bahn gerade in letzter Zeit den Abgang vielversprechender Frauen zu verkraften hatte. So wechselten Managerinnen unter anderem zu Air Berlin und zu BMW in Top-Positionen. Der jüngste zu beklagende Abgang ist Bettina Volkens, die ab Juli 2013 Personalvorstand bei der Lufthansa wird. Volkens wird nachgesagt, dass sie den Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber gern beerbt hätte, Grube dies aber nicht gewollt habe.

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
tekaitora33 06.06.2013
1. Überaus kompetent
Selten sieht man einen solchen Fachexperten auf so hoher Führungsebene wie es bei Kefer in Bezug auf S21 der Fall war. Sicher hat er nicht ALLE Fragen aus dem stegreif beantworten können, aber doch die meisten. Dabei meist konkret und sachlich. Polemische Angriffe hat er meist ins leere laufen lassen können. Wirklich eine Ausnahmeerscheinung! Einspeist ein Lob an ihn, ebenso eine Kritik an seine Kollegen.
philkopter 06.06.2013
2.
da müsste mal ein vermeintlich übergangener männlicher Kollege auf Diskriminierung klagen, falls wirklich eine Frau nachrückt. Wenn man das schon so offen ankündigt muss es sich für eventuell in Frage kommende Manager wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen sowas zu lesen.
_muskote 06.06.2013
3.
political correctness und vorauseilender gehorsam -- egal ob talent und leistung stimmen. eine V muss her damit das image stimmt. na dann: viel glück, liebe bahn.
clubzwei 06.06.2013
4. Was gibt es da zu diskutieren?
Das ist doch kein öffentliches Thema! Bei anderen, gesellschaftlich wirklich relevanten Themen macht der Spiegel kein Forum auf, aber hier, wo kaum einer interne Erfahrungen hat, sollen Meinungen geäussert werden!? Das läuft doch nur wieder auf DB Bashing raus!!!
analyse 06.06.2013
5. der ist doch hoffentlich CDU-Mitglied oder MERKEL-Vertrauter?
sonst bitte weiter suchen,wühlen,suchen,wenn ihr nichts findet,konstruierte wenigstens was.Der September rückt immer näher !
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