Steigende Kundenzahlen Bahn erwartet Fahrgastrekord für 2017

Kein Witz, Sie haben richtig gelesen: Trotz Verspätungsmisere und Pannenverbindung Berlin-München sieht die Deutsche Bahn einem Kundenrekord entgegen. Grund ist wohl auch das Pech eines Mitbewerbers.

ICE-Neubaustrecke München - Berlin
DPA

ICE-Neubaustrecke München - Berlin


Das nennt man wohl ein klassisches Paradoxon: Obwohl die meisten Kunden ständig über die Deutsche Bahn nörgeln, fahren immer mehr Menschen mit dem Zug. Das zumindest legt ein Bericht der "Welt am Sonntag" nahe, nachdem die Bahn für das laufende Jahr mit einem neuen Fahrgastrekord rechnet.

Offenbar schrecken weder die aktuellen Probleme mit Zugverspätungen noch die teils peinlichen Pannen in Verbindung mit der Inbetriebnahme der neuen Hochgeschwindigkeitsstrecke Berlin-München die Kunden ab, hieß es unter Berufung auf eigene Informationen. Offiziell bestätigte die Bahn zunächst nur einen deutlichen Anstieg der Buchungen auf einigen wichtigen Strecken.

Die Auslastung der DB-Fernzüge sei 2017 auf 55 Prozent gestiegen, hieß es weiter in der "WamS". Im Jahr zuvor seien dies 52,9 Prozent gewesen. Vor zehn Jahren habe die Auslastung der IC- und ICE-Züge noch bei nur rund 42 Prozent gelegen. Inzwischen fahren dem Bericht zufolge in den Fernzügen der Bahn pro Tag rund 380.000 Fahrgäste.

Die Ursache für die steigenden Fahrgastzahlen sieht die Bahn laut "WamS" zum einen in verbesserten Verbindungen sowie Preisaktionen wie mehr Sparpreisen oder Sonderverkäufen wie dem Lidl-Ticket. Entscheidend dürfte 2017 aber vor allem die Insolvenz der Fluggesellschaft Air Berlin und deren Folgen Reisende veranlasst haben, auf die Bahn umzusteigen. Online-Tickets sind seit der Pleite der Airline deutlich teurer geworden.

"Explizit für die bisherigen innerdeutschen Hauptrelationen von Air Berlin, nämlich München-Berlin, Köln/Düsseldorf-Berlin und München-Köln/Düsseldorf, haben wir deutlich mehr Buchungen", zitierte die "WamS" einen Bahn-Sprecher. "Daher gehen wir davon aus, dass ein Teil der bisherigen Air-Berlin-Fluggäste, insbesondere Geschäftsreisende, auf die Züge der Deutschen Bahn gewechselt ist und weiter wechseln wird", sagte er weiter.

Seit Oktober habe es bei den Buchungen auf diesen Strecken ein Plus von "mehr als zehn Prozent für die nächsten Monate" gegeben. Der Ticketabsatz im Fernverkehr insgesamt sei im Oktober und November verglichen mit den gleichen Monaten des Vorjahres um vier Prozent gestiegen, zitierte das Blatt den Sprecher weiter.

Mühe/afp

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phrasenmaeher 16.12.2017
1. So hat die Pleite von Air Berlin...
... ja doch noch was Gutes: Die Zahl der unsäglichen innerdeutschen Flüge nimmt ab, weil unsere wichtige Zeit-ist-Geld-Fraktion in die Niederungen des Bahnverkehrs herabschwebt. Denn plötzlich ist Zeit tatsächlich Geld: Will man im flächenmäßig doch eher zwergigen Deutschland mal ordentlich seine persönliche Öko-Bilanz in den Keller wuchten und den Flieger nehmen, so heißt es nun, tiefer in die Tasche zu greifen. Gut, das muss man bei der Bahn in Sachen Flexpreis auch, aber vielleicht rechnet sich jetzt doch eher eine BahnCard, ein Job-Ticket oder der gern genommene Sparpreis? Und so freut sich - wenigstens kurzfristig - die Umwelr, dass fortan weniger Dreck in die Luft geblasen wird. Immerhin.
stoffi 16.12.2017
2. Na, ja,
Ich habe auf der Strecke Bochum Berlin mehrmals den Fernbus gewählt . Leider gibt es nichts positives zu berichten. Nun fahre ich wieder Bahn. Mit dem Sparticket bin ich schneller bequemer und zum Gleichen Preis gefahren. Nie wieder BUS
investor3000 16.12.2017
3.
Die Bahn ist nicht so schlecht, wie häufig medial dargestellt. Wir kommen leider nicht an hoch industrialisierte Länder heran. Japan hat ein Hochgeschwindigkeitsverkehr im 3-Min-Takt (!) und Verspätungen werden dann dort in Sekunden gemessen. Problem bei uns, ist dass es keine durchgehende Neubaustrecken gibt. Selbst in Bayern muss die ICE-Geschwindigkeit auf 140km/h (südlich Ingolstadts) gedrosselt werden. Hamburg als zweitgrößte deutsche Stadt mit dem größten deutschem Hafen hat keine eigene Neubaustrecke und der ICE wird vom "rasenden" Kohle-Zug ausgebremst. So erreicht das Verkehrsministerium, dass möglichst viele Güter im LKW transportiert werden. Wollen wir das?
hasselblad 16.12.2017
4.
Die "Pannenverbindung" ist neu, die kann gar nicht mehr in irgendeiner Weise messbar auf die Passagierzahlen wirken. Und was die Pünktlichkeit angeht: kein Verkehrssystem kann Pünktlichkeit garantieren, dafür gibt es einfach zu viele Faktoren die nicht präzise einkalkuliert werden können. Z.B. das Wetter: letztes Wochenende durfte ich ungeplant zwei Stunden am Airport Köln-Bonn verbringen, weil der Schnee alles lahmgelegt hat. Ein paar Billigtouris warfen der armen Dame am Gate Schlamperei vor und forderten sofort freie Runways und exklusive Ad-hoc-Enteisung der Maschine - was man für 39,99 die Strecke auf Platz 28B halt so verlangen kann -, das Gros der Passagiere fügte sich klaglos ins Schicksal und ging einen Kaffee trinken. Anderes Beispiel Dummheit: der Raser knallt jemandem hinen drauf weil die linke Spur ja ausschließlich für den eigenen A6 Diesel geteert wurde, zwei Autos verteilen sich auf Einzelkomponentenbasis über die gesamte Autobahn, es gibt eine Vollsperrung und ein paar hundert andere stehen erstmal eine Stunde still. Die Superwichtigen in den anderen A6 Diesels versuchen es per Standstreifen oder Rettungsgassendurchfahrt, der große Rest harrt artig der Dinge, weil es sich schlicht nicht ändern lässt. Wenn nun aber die Faktoren Wetter oder Dummheit auf die Bahn wirken, drehen alle inkl. Medien sofort durch, errechnen auf die Sekunde genau wie viel Zeit die Bahn ihren Gästen übers Jahr schuldet und unterstellen latente Unpünktlichkeit und Unzuverlässigkeit. Möglicherweise gibt es systemische Faktoren bei der Bahn, die diese Behauptungen stützen, aber im großen und ganzen ist die Bahn zumindest in der First Class im ICE ein prima Verkehrsmittel. Aber der Pöbel will gern bestätigt bekommen dass die Bahn Schrott ist, und irgendein Medium hat stets den passenden Beleg dafür. Bleibts halt zuhause, wenn ihr die Bahn nicht mögt, das permanente Gejammer angeblich erwachsener Menschen über 15 Min. Verspätung auf einer Strecke von 5 Stunden ist unerträglich und sollte von den Medien nicht auch noch populistisch befeuert werden.
LuPy2 16.12.2017
5. Ja, es wäre schön
wenn sich die Medien nicht, - ich wieder hole - nicht am ständigen DB-bashing beteiligen würden! Meine Vor-Poster haben es bereits auf den Punkt gebracht! In dreißig Jahren zwischen Stuttgart und Ruhrgebiet bin ich stets gut mit der Bahn gefahren, günstig und freundlich. Das Personal war zuvorkommend und hilfsbereit. Öfter habe ich hier bereits geschrieben, dass die Bahn besser als ihr Ruf ist.
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