Mehr Investitionen Deutsche Bahn gelobt mehr Pünktlichkeit und Qualität

Rekorde bei Fahrgästen und Umsatz - aber viel zu oft unpünktlich: Die Deutsche Bahn verspricht bei der Vorlage ihrer Jahresbilanz Besserung, auch durch deutliche höhere Investitionen.

Gestrandete Fahrgäste in Berlin (Oktober 2017)
DPA

Gestrandete Fahrgäste in Berlin (Oktober 2017)


Gemessen an den reinen Zahlen läuft es bei der Deutschen Bahn gut: Im vergangenen Jahr hatte das Unternehmen so viele Fahrgäste und einen so hohen Umsatz wie noch nie, und den Gewinn konnte sie auch noch steigern. Wirklich zufrieden wirkte Bahn-Chef Richard Lutz bei der Vorlage der Jahresbilanz aber nicht. "Die erfreulichen Zahlen können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir bei Qualität und Pünktlichkeit nachlegen müssen", sagte Lutz.

Allein in seinen Fernzügen ICE und IC zählte der bundeseigene Konzern gut 142 Millionen Fahrten, das sind 2,3 Prozent mehr als 2016. Insgesamt nutzten die Kunden die Bahn im Fern- und Regionalverkehr 2,08 Milliarden Mal. Beides sind Bestwerte. Der Umsatz stieg um 5,2 Prozent auf 42,7 Milliarden Euro, der Gewinn legte um 6,8 Prozent auf 765 Millionen Euro zu. Die Nettoschulden stiegen um eine auf 18,6 Milliarden Euro.

Abzüge gibt es aber bei der Pünktlichkeit: Im Fernverkehr erreichte die Bahn eine Pünktlichkeit von 78,5 Prozent im Schnitt - angepeilt waren aber 82 Prozent. Den Regionalverkehr hinzugenommen, kamen nach Definition der Bahn im vergangenen Jahr 93,9 Prozent der Züge pünktlich. Das sind 0,4 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Als pünktlich gilt ein Zug, der weniger als sechs Minuten Verspätung hat.

Auch um langfristig die Pünktlichkeit zu verbessern, erhöht der Konzern in diesem Jahr die Investitionen in den Ausbau des Netzes von 7,5 auf neun Milliarden Euro - deshalb werden die Schulden in diesem Jahr erneut in ähnlichem Umfang wachsen wie 2017.

Von Fahrgastverbänden und der Opposition gab es Kritik an der Bahn. "Knausern beim Grünschnitt führt zu Totalausfall bei Sturm", sagte Bernhard Knierim, Sprecher des Bündnisses "Bahn für Alle". Er warf dem Staatskonzern schwere Mängel im Kerngeschäft auf der Schiene und Verantwortungslosigkeit an der Spitze vor. So kritisierte er, dass die politischen Vertreter im Aufsichtsrat Anfang 2017 der Vertragsauflösung des Ex-Bahnchefs Rüdiger Grube zustimmten. Er hatte dafür 2,3 Millionen Euro Abfindung bekommen.

Die Zahl der politischen Vertreter im Aufsichtsrat soll nach Plänen der Großen Koalition sogar ausgeweitet werden. Dazu teilte Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter mit: "Ich erwarte von der Bundesregierung, dass sie die Bahn nicht nur als Jobbörse für ihre Parteifreunde nutzt, sondern sich in die Konzernpolitik einmischt." Laut Koalitionsvertrag soll die Bahn bis 2030 ihre Kundenzahl verdoppeln und mehr Güterverkehr auf die Schiene bringen. Ausdrücklich steht nicht die Maximierung der Gewinne im Vordergrund.

fdi/AFP/dpa

insgesamt 13 Beiträge
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keinblattvormmund 22.03.2018
1. Deutsche Bahn gelobt mehr Pünktlichkeit und Qualität
Ist mal wieder Murmeltiertag? Das hören wir doch seit nunmehr Jahrzehnten und nichts passiert.
dbrown 22.03.2018
2. Selten
so gelacht. Reine Träumerei. Die Statistik am Ende des Jahres wird uns auch weiterhin die Tatsachen widerspiegeln.
Strai 22.03.2018
3. Mehr Informationen bitte!
Ich wünsche mir vor allem mehr und richtige Informationen bei Problemen. Gerade heute wieder erlebt: Meine Bahn wird mit 5 Minuten Verspätung angekündigt – und zwar erst 12 Minuten nach geplanter Abfahrtszeit. Am Ende wurden es dann 20 Minuten Verspätung. Eine Verspätung kann ja vorkommen, aber dann doch bitte auch die Kunden vernünftig informieren, auch über Alternativen. Stattdessen gibt es nur alle drei Minuten automatisierte „Sicherheitshinweise“ (englisch „security advise“, aber mit falsch ausgesprochenem „v“!) oder „das Rauchen ist in diesem Bereich nicht gestattet“.
bluebill 22.03.2018
4. Ach süß.
Die Bahn verspricht mal wieder, pünktlich zu werden. Und besser. Das ist so, als wenn ein Kind verspricht, ab jetzt immer ganz bestimmt die Hausaufgaben zu machen. Und dabei noch nicht mal weiß, welche Hausaufgaben heute überhaupt fällig sind.
alessandro8 22.03.2018
5. die Botschaft hör ich gerne, allein mir fehlt der Glaube
Alle Fahrten mit der DB bei meinen letzten 3 Besuchen auf Sylt haben mir eigentlich nur das Gegenteil bewiesen. Ich musste einmal um den Nachmittags-Flug von Hamburg nach Zürich nicht zu verpassen schon am Vortag von Westerland nach Hamburg fahren und dort übernachten. Nur gut, dass ich auch gerne in Hamburg bin. Oder auch, was nützt mir ein 1. Klasse Ticket, wenn der IC Zug ersatzlos gestrichen wird und die Fahrt teilweise mit dem Regional Zug (ohne 1. Klasse Wagons) und mit Bus durchgeführt wird?
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