Verspätungen und Güterverkehr Deutsche Bahn senkt Gewinnerwartung

Verspätungen und Probleme im Güterverkehr machen der Bahn weiterhin zu schaffen. Nun muss der Konzern sein Betriebsergebnis korrigieren. "Wir kämpfen weiter um jede Minute", teilt die Bahn mit.

ICE der Deutschen Bahn
DPA

ICE der Deutschen Bahn


Wer zu spät kommt, den bestraft der Kunde: Die Deutsche Bahn gibt wegen Problemen beim Schienengüter-Verkehr und der Pünktlichkeit ihren Gewinnplan auf.

In diesem Jahr werde nur noch mit einem Betriebsgewinn von 2,1 Milliarden Euro statt wie bisher mindestens 2,2 Milliarden Euro gerechnet, gab der Konzern bekannt.

Schon im Februar teilte die Bahn mit, dass in diesem Jahr besonders viele Baustellen anstehen, die Verspätungen verursachen, und kündigte eine Rekordinvestition von 9,3 Milliarden Euro an. In Spitzenzeiten baut der Konzern in diesem Jahr an 800 Orten gleichzeitig.

SPIEGEL ONLINE; Quelle: Deutsche Bahn AG

Nach eigenen Angaben bezahlte die Bahn 100 Millionen Euro aufgrund der Verspätungen. Im Fernverkehr verspäteten sich zwei von zehn Zügen um mehr als sechs Minuten.

Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) ging im ersten Halbjahr 2018 um mehr als 17 Prozent auf 974 Millionen Euro zurück. Neben der Güterbahn lag auch das Ergebnis im Regionalverkehr deutlich unter dem Vorjahresergebnis.

"Menschen sind mobil wie nie"

Der Konzernumsatz hingegen legte leicht zu. Denn trotz aller Querelen stiegt die Zahl der Fahrgäste erheblich an. Im Fernverkehr mit ICE und IC zählte die Deutsche Bahn 70,9 Millionen Reisende, das waren 3,8 Prozent mehr als in der ersten Jahreshälfte 2017.

"Die Menschen sind mobil wie nie", stellte Bahnchef Richard Lutz fest. Dabei sei die Bahn für immer mehr Bürger "der Schlüssel für eine erfolgreiche Klima- und Verkehrswende". Auch die internationalen Gesellschaften DB Arriva und DB Schenker verbuchten steigende Umsätze

Lutz räumte allerdings ein, dass die Pünktlichkeit von ICE und IC unbefriedigend sei. "Wir kämpfen weiter um jede Minute." Er gehe aber davon aus, dass die Investitionen etwa in ein Lagezentrum für Pünktlichkeit Wirkung zeigen würden.

Im Jahresschnitt eine Pünktlichkeit von mehr als 80 Prozent sei zwar nicht mehr zu schaffen. "Im zweiten Halbjahr erwarten wir aber eine Trendwende." Dies gelte auch für die Geschäftsentwicklung insgesamt, die sich nach dem deutlich schwächeren ersten Halbjahr bessern werde.

Große Probleme im Güterverkehr

Dies gilt laut Geschäftsbericht nur eingeschränkt für die Güterbahn DB Cargo. Der einstige Monopolist hat hier nur einen Marktanteil von rund 50 Prozent. Im ersten Halbjahr ging die Transportleistung erneut um fast sieben Prozent, der Betriebsgewinn lag um rund 100 Millionen Euro unter dem Vorjahreszeitraum.

Lutz machte dafür unter anderem Auswirkungen des Bahnstreiks in Frankreich und den Frühjahrssturm "Friederike" verantwortlich. Er räumte aber ein, es gebe auch hausgemachte Probleme.

Seit drei Jahren laufen Sanierungsversuche der Sparte. Die Bundesregierung erhofft sich einen klimafreundlicheren Güterverkehr - weniger LKW-Flotten auf den Autobahnen. Erfolge gab es bislang keine.

Steuerzahler soll nicht wieder aushelfen

Trotz der schwächeren Zahlen zeigte sich Lutz zuversichtlich, dass die Schulden des Staatskonzerns nicht über 20 Milliarden Euro klettern würden.

Sollte die Kreditwürdigkeit abgestuft werden, müsste die hochverschuldete Bahn mehr Zinsen zahlen. Der Steuerzahler keinesfalls erneut dem Unternehmen unter die Arme greifen müssen. Der Bund hatten schon 2016 die Bahn mit einer milliardenschweren Kapitalerhöhung stützen müssen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, sieben von acht Zügen seien verspätet gewesen. Reuters hat seine Angaben nachträglich korrigiert. Wir haben unseren Text entsprechend angepasst.

tin/dpa/Reuters/afp



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MADmanOne 25.07.2018
1. Nicht nur im Fernverkehr...
... im Nahverkehr ist es mit der Pünktlichkeit auch nicht besser. Gerade vorgestern 25 Minuten gewartet wegen "Störungen im Betriebsablauf", gestern wieder 20 Minuten wegen "Verspätungen aus vergangener Fahrt". Heute früh dann noch der lustige Fail von "Nicht einsteigen" an einem Zug der sehr wohl zur Berförderung von Fahrgästen zu dem Zeitpunkt vorgesehen war. Hat natürlich auch wieder Zeit gekostet bis alle Fahrgäste ihre Verwirrung überwunden hatten. Man sehen ob ich heute mal pünktlich heim komme, das wäre mal was. Es läuft einfach nicht rund bei der Bahn. Jetzt fangen in Ba-Wü noch die Ferien an, mal sehen was die Bahn sich dann wieder für verrückte Kapriolen einfallen läßt um ihre Fahrgäste zu trollen. Und wenn ich die Bahnwerbespots sehe in denen der Faktor der effektiven Zeitnutzung angesprochen wird, bekomme ich jedesmal Bluthochdruck. Die Bahn verschwendet eher meine Lebenszeit als das sie mir hilft sie sinnvoll zu nutzen, weil ich die meiste Zeit an Bahnhöfen auf verspätete Züge warten muss, statt in bequemen Zügen zu meinem Ziel gebracht zu werden. Aber es ist zugegebenermaßen für mich trotzdem noch besser als Auto fahren, gebe ich zu, aber das macht die Werbespots der Bahn auch nicht erträglicher.
bluebill 25.07.2018
2. Klotzen, nicht kleckern
Das Ringen um einzelne Fahrtminuten wird durch teils abenteuerlich-naive Experimente betrieben. So z.B. die Anweisung an die Lokführer, immer möglichst schnell zu fahren. Dabei ist es doch so offensichtlich, dass das nichts bringen kann. Denn es liegt schlicht am Mangel an allem - an Material, Personal und System. Die Sparwut der letzten Jahrzehnte ist naturgemäß nicht ohne Folgen geblieben. Es nützt nichts, wenn ein einzelner Zug mal superpünktlich irgendwo ankommt und der Fahrgast dann eine Stunde auf den Anschluss warten muss. Es nützt auch nichts, wenn man theoretisch in ganz kurzer Zeit von Paris nach Prag kommt, der Fahrgast aber zum nächsten größeren Bahnhof eine halbe Tagesreise braucht, weil der Nahverkehr totgespart wurde. - Die Bahn wird zu allererst mal Geld in die Hand nehmen müssen. Viel Geld. Schienennetz sanieren, Nahverkehr in der Fläche wiederbeleben, Personal wieder aufstocken, Informationssysteme der Zeit anpassen. Sie sollte sich nicht verzetteln mit Klein-Klein oder nutzlosen Experimenten.
Nelkenghetto 25.07.2018
3. ahja
da werden DB-fremde Züge (metronom und weitere) mitten auf der Strecke ausgebremst, weil der ICE der hinter einem fährt sowieso schon Verspätung hat. Nein man belässt es nicht bei einer Verspätung, man fügt natürlich eine weitere hinzu und das auf weiterer Strecke mit mehreren Zügen. Es ist ja schön dass das Schienennetz für andere geöffnet wurde, diese aber zu solchen Aktionen zu drängen,sorry ich fühle mich wie in der DDR
Olli Ökonom 25.07.2018
4. Deutsche Bahn AG
Das ist doch ein Haufen völlig überbezahlter, die sich einen Dreck um ihre Kunden scheren. Aber hauptsache man kann wieder durch Streiks Lohnerhöhungen von 5% und mehr durchsetzen. Wann investiert die Bahn endlich in Automation. Selbstfahrende Züge sind keine Utupie mehr. Das frei gewordene Geld lässt sich prima in die notwendige Infrastruktur investieren, so dass bei Sanierungen keine wesentlichen Verzögerungen enstehen.
Robert_Rostock 25.07.2018
5.
Zitat von Nelkenghettoda werden DB-fremde Züge (metronom und weitere) mitten auf der Strecke ausgebremst, weil der ICE der hinter einem fährt sowieso schon Verspätung hat. Nein man belässt es nicht bei einer Verspätung, man fügt natürlich eine weitere hinzu und das auf weiterer Strecke mit mehreren Zügen. Es ist ja schön dass das Schienennetz für andere geöffnet wurde, diese aber zu solchen Aktionen zu drängen,sorry ich fühle mich wie in der DDR
Ich kenne zwar den konkreten Fall nicht, nehme aber mal an, dass der Metronom als Nahverkehrszug öfter hält als der ICE. Und dass der ICE deshalb den Metronom irgendwo überholt hat. Anderenfalls hätte der Metronom den ICE weiter ausgebremst, dessen Verspätung weiter erhöht. Und in der Folge auch noch weitere Züge. Ergo: Die Reisenden im ICE werden sich gefreut haben, dass sie nicht noch später ankommen als ohnehin. Und es könnte ja auch sein, dass in dem ICE Reisende waren, die in eben diesen überholten Metronom umsteigen wollten.
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