Deutsche Bahn Gewerkschaft moniert unhaltbare Zustände im Fernverkehr

Die Bahn-Gewerkschaft Transnet beklagt die Arbeitsbedingungen in Fernzügen. Obwohl die Mitarbeiter fast eine Million Überstunden vor sich herschieben, würden Hunderte Stellen gestrichen. Die Personalplanung sei "völlig verfehlt" - der Bordservice inzwischen unberechenbar.

Bahn-Logo: "Heillos überlastet"
ddp

Bahn-Logo: "Heillos überlastet"


Berlin - Scharfe Kritik an der Deutschen Bahn: Die Gewerkschaft Transnet wirft dem Konzern schwerwiegende Missstände im Fernverkehr - speziell beim Bordservice - vor. Obwohl das Personal 900.000 Überstunden vor sich herschiebe, seien in diesem Jahr bereits 112 Stellen gestrichen worden, kritisierten Transnet-Vorstand Reiner Bieck und der Gesamtbetriebsratschef der DB Fernverkehr, Horst Zimmermann, am Montag in Berlin.

Der Service am Platz in der ersten Klasse der Fernzüge sei inzwischen unberechenbar geworden, kritisierten die Gewerkschafter. Die Dienstpläne, die von einem System namens "Carmen" erstellt würden, orientierten sich nicht mehr an der Realität. Die Personalplanung sei "völlig verfehlt". Die Beschäftigten müssten zahlreiche Überstunden machen, seien zunehmend überlastet und häufig krank. Gespräche zu dem Thema gebe es schon seit einiger Zeit, aber bisher seien keine Verbesserungen erkennbar. "Unsere Kolleginnen und Kollegen sind heillos überlastet", warnten Bieck und Zimmermann.

Doppelschichten für die Beschäftigten

Die Bahn erklärte am Abend, aufgrund der Fahrplaneinschränkungen im Zusammenhang mit den ICE-Achsenüberprüfungen habe es in den vergangenen Monaten einzelne Personalengpässe gegeben. Hinzu sei die Umsetzung des neuen Tarifvertrags mit verbesserten Arbeitszeitregelungen gekommen. Die "angespannte Personalsituation" sei aber "durch den außerordentlichen Einsatz des Bordpersonals kompensiert" worden und habe "keine Auswirkungen auf die Fahrgäste" gehabt. Aktuell erfolge eine "Nachsteuerung von Personal", hieß es weiter, so dass sich die Situation "schnell entspannen" werde.

Ursache für die Missstände seien übertriebene Sparpläne von der Arbeitgeberseite, kritisierten jedoch die Gewerkschafter. "In diesem Jahr wurden unter dem Dogma der Kostensenkung bereits 112 Stellen wider besseres Wissen gestrichen." Dabei schöben die Beschäftigten schon einen Berg von Überstunden vor sich her. Für die laufende Planungsperiode, den Zeitraum zwischen dem 13. August und dem 15. Oktober, seien schon im Vorfeld 2600 Schichten nicht verplant worden: "Das heißt, dass es für diese Schichten und Fahrten zurzeit kein Personal gibt." Folge seien weitere Überstunden und Doppelschichten für die Beschäftigten. "Das hält irgendwann keiner mehr aus."

Bieck und Zimmermann forderten das Unternehmen auf, "die Dienstplanung komplett umzustellen und der Realität anzupassen". In diesem Zusammenhang müsse auch das System von Testkunden und Kontrolleuren abgeschafft werden.

yes/AP



insgesamt 469 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Reziprozität 02.04.2009
1.
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
Man weiss sehr wenig ueber Herrn Grube und kann sich demzufolge der Beurteilung nicht sicher sein. Dies gilt nicht fuer Herrn Sarrazin, der ja auch als Kandidat gehandelt wurde. Dem haette ich es zugetraut.
uwp-berlin 02.04.2009
2.
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
... es können qua Herkunft und Qualifikation sowieso nur die Kameraden der Automobilindustrie oder die Herren der Luftflotte für das sorgen, was die Schiene braucht. Von Danaergeschenk sollte da keiner reden.
Rainer Eichberg 02.04.2009
3.
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
Der ewige Fehler ist doch zu glauben, daß Entscheidungen von einer einsamen Person an der Spitze getroffen werden. Herr Grube hat sich anderswo längst seine Meriten verdient. Jetzt steht er halt der Bahn vor. Na und? Das ist wie dem Bundeskanzler oder dem Bundes-Horst: Die müssen vor die Kamera treten und was rein sprechen. Am Entscheidungsprozess sind sie doch nur marginal vertreten.
chagall1985 02.04.2009
4. Meine Einschätzung von Mehdorn!
Er hat es geschafft die Bahnhöfe vom Schmuddelimage zu befreien (zumindest die grossen). Er hat es geschafft, dafür zu sorgen das man sich gerne in die Bahn setzt. ER hat aus vergammelten IC hochmoderne ICE gemacht. Wo er absolut versagt hat: Es ist keine Leistung mit einem quasi Monopolisten Gewinn zu machen wenn man ständig die Preise über der Inflationsrate erhöht. Es ist absolut verfehlte Politik ICE3 zu kaufen und die auf strecken fahren zu lassen wo sie genauso dahinkriechen wie ein IC. Dabei aber 40% mehr Geld kosten. Ein schicker und moderner Bahnhof ist auch wenig wert wenn die Preise für die Ticktets ständig steigen und die Ausfälle und Verspähtungen auch nicht besser werden. Ein ICE Fahrpreis bei dem man einem Stehplatz im Gang mit 5 Cm Bewegungsfreiheit bekommt ist eine Frechheit. Das Tarifsystem der Bahn ist ebenfalls auf Mehdorn Mist gewachsen und eine absolute Frechheit und Caos pur. Alleine die Trennung der Fahrpreise bei Schalter und Internetbuchung sind keinem zu vermitteln. Nicht das die Preise sich nicht unterscheiden dürfen! Aber das ein Schaltermitarbeiter keinen Zugriff und keine Ahnung von Internetangeboten hat ist ein Witz!! Im Grunde steht die Bahn durch Mehdorn am Abgrund! Begründung: Die Bahn ist ein Zomie ähnlich wie die Lufthansa in den 90'er Jahren. Wenn der erste grosse Konkurrent kommt und wie Ryanair die BRanche durchwirbelt trudelt die Bahn in den Abgrund. Die Menschen wollen schnell, verlässlich und günstig von einem Ort zum anderen kommen. Die Bahn ist durch die mangelnden Hochgeschwindigkeitsstrecken nicht schnell. Die Bahn ist nicht verlässlich. (KOnkurrenten wie die NWB machen es vor) Und günstig ist die Bahn schon gar nicht! Ich komme mit dem Flieger von Bremen nach Finnland für den Preis den die Bahn nach Hamburg verlangt!
Sgt_Pepper, 02.04.2009
5. ?
Zitat von sysopBahn-Chef Mehdorn ist zurückgetreten, jetzt soll Rüdiger Grube die Bahn in die Zukunft führen. Ist der Daimler-Mann der Richtige für den Job?
Ob Herr Grube der richtige Mann für die DB ist, sollte man in ca. einem Jahr wissen. Das heute zu beantworten, ist unmöglich.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.