Probleme beim ICE 4 Neuer Superzug vibriert während der Fahrt

Der ICE 4 sollte die endlose Pannenstatistik seiner Vorgänger vergessen machen. Doch nun gibt es schon wieder Probleme: Der Hochgeschwindigkeitszug vibriert nach SPIEGEL-Informationen während der Fahrt.

Neuer ICE 4 (Baureihe 412)
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Neuer ICE 4 (Baureihe 412)


Es geht schon wieder los - dieser Gedanke dürfte dem ein oder anderen Ingenieur im Projektteam des ICE 4 Ende Januar gekommen sein. Der komplett neu entwickelte Zug, der im Probebetrieb zwischen Hamburg und München unterwegs ist, fing plötzlich zu vibrieren an.

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Zwar tritt das Phänomen beim ICE 4 nach SPIEGEL-Informationen nur auf einigen Streckenabschnitten, bei Geschwindigkeiten von mindestens 230 km/h und in einzelnen Waggons auf - aber es kommt immer wieder. Daran hat sich bislang nichts Wesentliches geändert. (Lesen Sie hier die ganze Geschichte im neuen SPIEGEL.)

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Deutsche Bahn: So sieht es aus im ICE 4

Dennoch sind die Experten bei der Deutschen Bahn (DB) und beim Hersteller Siemens zuversichtlich, bis zum Herbst eine Lösung zu finden. Insgesamt hat die DB 130 Züge für 5,3 Milliarden Euro bestellt. Der ICE 4 ist als Rückgrat des künftigen Fernverkehrs eingeplant. Bereits Ende 2017, wenn ein umfangreicher Fahrplanwechsel ansteht, soll der neue Superzug vom Probe- in den Regelbetrieb übergehen. Dann werden die Züge nach und nach ausgeliefert.

Doch wie gefährlich ist das Vibrieren? Die DB und Siemens beschwichtigen, es handle sich nicht um ein Sicherheitsproblem, sondern ausschließlich um eine Frage des Komforts.

Allerdings sieht das die zuständige Aufsichtsbehörde differenzierter: Das Eisenbahn-Bundesamt veröffentlichte bereits im vergangenen Herbst eine sogenannte Fachmitteilung, in der es vor einem instabilen Fahrverhalten bei verschiedenen Fahrzeugen warnte und verlangte, die Intervalle und Methoden zur Instandhaltung zu überprüfen.

Zwar bezog sich die Mitteilung nicht auf den ICE 4, weil dessen Probleme damals noch gar nicht bekannt waren. Auf eine schriftliche Bitte der DB, die Mitteilung zu ändern, reagierten die Beamten des Eisenbahn-Bundesamtes allerdings nicht. "Die sind sich ihrer Sache sehr sicher", sagte ein Insider dem SPIEGEL. Schlimmstenfalls ist es deshalb denkbar, dass die Behörde die Genehmigung für den Zug entziehen könnte.

In der Vergangenheit kam es beim ICE immer wieder zu Problemen: vom Achsbruch bis zu defekten Klimaanlagen. Bereits der ICE 2, der Mitte der Neunzigerjahre gebaut wurde, vibrierte. Zuletzt schwankten die Doppelstock-Intercitys, die von der DB neu angeschafft wurden.

Ein wichtiger Grund für die auftretenden Probleme liegt darin, dass die DB vor längerer Zeit das Profil ihrer Schienen verändert hat. Seither passen die Profile von Rädern und Schienen nicht mehr optimal zueinander.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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Seite 1
fd2fd 21.06.2017
1.
Wenn der Profilwechsel schon vor längerer Zeit erfolgt ist und der Zug komplett neu entwickelt wurde, sollten Räder und Schienen aufeinander abgestimmt sein. Interessant wäre hier die Information, ob Züge auf Strecken mit alten oder neuen Profilen vibrieren oder ob es eventuell gar nicht die eigentliche Ursache ist. Wieviele Schienenkilometer sind schon mit neuen Profilen ausgerüstet, wieviele noch mit den alten? Gerade bei den Hochgeschwindigkeitsstrecken sollten neue Schienenstränge verlegt sein...
dragon75 21.06.2017
2. Warum?
"Ein wichtiger Grund für die auftretenden Probleme liegt darin, dass die DB vor längerer Zeit das Profil ihrer Schienen verändert hat. Seither passen die Profile von Rädern und Schienen nicht mehr optimal zueinander."
thorsten.munder 21.06.2017
3. Ich verstehe nicht
Warum die Bahn nicht diesen Superschnellzug aus China kauft den die zusammen mit Alstom gebaut haben Siemens ist nicht in der Lage da was zu Konstruieren was von Qualität ist.
christoph_drenk 21.06.2017
4. Nachschulung
Vor kurzem bin ich aus Schanghai nach Xi´an mit dem Zug gefahren. Da klappert nix... Die bei SIEMENS sollten sich in China schulen lassen....
bs2509 21.06.2017
5. Der neue ICE 4
auch spöttisch die "Grube-Mehdorn-Draisine" genannt, sollte alles vergessen machen, was der Bahn vorher so passiert ist. Einzelne Waggons des ICEs vibrieren während der Fahrt bei fast 230 km/h. Aber, so die Deutsche Bahn und Siemens, dies sei nicht der "Rede" wert und es werde eine Lösung gefunden werden. Sicherheit sei nicht betroffen, lediglich eine Frage des Komforts. Typisch Deutsche Bahn und Siemens . . . und wenn der ICE4 dann aus den Gleisen hoppelt, war wohl wieder Freitag der 13. . . . und danach ist wieder Samstag.
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