Krise im Güterverkehr Bahn meldet 1,3 Milliarden Euro Verlust

Erstmals seit mehr als zehn Jahren schreibt die Deutsche Bahn rote Zahlen. Der Konzern macht vor allem den Güterverkehr dafür verantwortlich.


Vor allem wegen der Krise des Güterverkehrs hat die Deutsche Bahn ihren ersten Verlust seit zwölf Jahren gemacht. Unter dem Strich stehe 2015 ein Minus von 1,3 Milliarden Euro, teilte der Staatskonzern in Berlin mit. Im Jahr 2014 hatte die Bahn noch einen Gewinn von 988 Millionen Euro verbucht.

Im Güterverkehr belasteten milliardenschwere Sonderabschreibungen auf Unternehmenskäufe und Extra-Aufwendungen für den Konzernumbau das Ergebnis. Die Sparte macht dem Unternehmen seit Jahren Probleme, so dass hier Tausende Stellen abgebaut und Verladestellen geschlossen werden sollen. Die Menge der beförderten Güter ging gegenüber dem Vorjahr um 8,8 Prozent zurück. Laut Bahn-Chef Rüdiger Grube belastete zudem der Streik der Lokführergewerkschaft GDL den Konzern mit 300 Millionen Euro.

Auch im Personenverkehr lief es nicht rund. So sank die Zahl der Reisenden in den Zügen und Bussen der Regionalverkehrstochter DB Regio um rund 30 Millionen oder 1,2 Prozent auf 2,5 Milliarden. Im Fernverkehr dagegen stiegen die Passagierzahlen dank zahlreicher Sonderangebote trotz der Konkurrenz durch Fernbusse wieder. Die Zahl der Fahrgäste in ICEs und Intercitys stieg um 2,9 Millionen oder 2,2 Prozent auf 132 Millionen. Die für 2016 angekündigte kostenlose Platz-Reservierung in der zweiten Klasse soll es frühestens 2017 geben.

Trotz des Verlusts verlangt der Bund noch eine Dividende von 850 Millionen Euro, was nur über neue Schulden finanziert werden kann. Der mit 17,5 Milliarden Euro verschuldete Konzern wird so im Laufe des Jahres weitere Kredite aufnehmen müssen.

Dobrindt fordert von der Bahn eine Kraftanstrengung

"Wir haben nicht das erreicht, was wir uns vorgenommen haben", sagte Grube bei der Vorstellung der Jahresbilanz in Berlin. "Wir müssen nachhaltig besser werden." Deshalb habe man im vergangenen Jahr den Konzernumbau eingeleitet und das Programm "Zukunft Bahn" gestartet.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) forderte von der Bahn in den kommenden Jahren eine Kraftanstrengung, um wieder auf Kurs zu kommen: "Die Bahn muss Qualität und Service weiter verbessern, den Fokus auf die Kunden richten und den Konzernumbau vorantreiben. Sie muss investieren, modernisieren, digitalisieren."

Grubes Vertrag läuft Ende 2017, dem Jahr der Bundestagswahl, aus. Eine Verlängerung müsste also spätestens in einem Jahr vom Aufsichtsrat beschlossen werden. Grube trägt inzwischen mehr Verantwortung, da er im vergangenen Jahr mehrere Vorstände einschließlich des Chefs der Güterbahn abgelöst hatte, die er teilweise für die Krise verantwortlich machte.

dab/dpa/Reuters



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