Deutsche Bahn Aufsichtsrat stoppt Pläne von Bahn-Chef Lutz, Vorstand zu vergrößern

Bahn-Chef Richard Lutz wollte den Vorstand des Konzerns von sechs auf acht Mitglieder erweitern, erste Kandidaten für die Posten gab es bereits. Doch aus dem Plan wird nichts, wie der SPIEGEL aus Unternehmenskreisen erfuhr.

ICE im Berliner Hauptbahnhof
AFP

ICE im Berliner Hauptbahnhof

Von und , Frankfurt am Main und Berlin


Neuer Rückschlag für Bahn-Chef Richard Lutz: Der Vorstand des Konzerns wird nicht wie von Lutz geplant von sechs auf acht Mitglieder erweitert. Der Aufsichtsrat hat das Thema für seine Sitzung am 27. März überraschend nicht auf die Tagesordnung genommen. Das erfuhr der SPIEGEL aus Unternehmenskreisen.

Ursprünglich wollte Lutz mit einer Neuaufstellung des Vorstandes die vielen Defizite bei dem staatseigenen Unternehmen lösen, allen voran den desolaten Zustand des Güter- sowie des Personenverkehrs. Dazu sollten zwei neue Posten im Vorstand geschaffen werden: für Güter und für den Regionalverkehr, der aus der Aufspaltung des Vorstandspostens Personenverkehr entstanden wäre. Dafür sollten auf der zweiten Ebene Führungspositionen entfallen, um die Personalrochade möglichst kostenneutral zu halten.

Der Aufsichtsrat habe sich jedoch nicht darauf einigen können, dem Vorschlag des Vorstands zu folgen, berichten Insider. Auf Eis gelegt seien damit auch alle Bemühungen, neue Vorstände an Bord zu holen. Nun bleibt vorerst alles beim Alten.

Richard Lutz, Andreas Scheuer und Ronald Pofalla
DPA

Richard Lutz, Andreas Scheuer und Ronald Pofalla

Die Entscheidung ist eine schwere Schlappe für Lutz und seine Vorstandskollegen, die hinter den Plänen standen. Lutz, Finanzchef Alexander Doll und Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla hatten ihr Vorhaben im Januar Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer vorgestellt, um aus der Defensive zu kommen. Zuvor hatte Lutz in einer 200 Seiten langen Mängelliste festgehalten, woran es hakt und wie durch kurzfristige Maßnahmen Pünktlichkeit und Qualität gesteigert werden können.

Das Management steht enorm unter Druck: Die Unpünktlichkeit der Züge nimmt zu, ebenso wie die Verschuldung; zudem müssen Milliarden für das Schienennetz, Bahnhöfe und die Digitalisierung der Strecke investiert werden, wobei unklar ist, wie genau die Milliardenausgaben gegenfinanziert werden sollen. Geld hereinkommen soll etwa durch den Verkauf der Auslandstochter Arriva. Das aber dürfte kaum reichen. Im Finanzbudget allein des laufenden Jahres klafft ein Loch von zwei Milliarden Euro, in den darauffolgenden Jahren wird es auf das Doppelte anwachsen.

Für den Güterverkehrs-Vorstandsposten war bereits Roland Bosch, der von der Konzerntochter DC Cargo kommt, sicher gesetzt. Die zweite Stelle sollte mit einer Frau besetzt werden. Die sozialdemokratisch dominierte Seite des Aufsichtsrats brachte deshalb Sigrid Nikutta ins Gespräch; sie ist derzeit Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe BVG und war bereits vor zwei Jahren von der SPD als Bahn-Chefin ins Rennen geschickt worden.

Doch der Bahn-Vorstand um Lutz und Pofalla wollte Nikutta verhindern. Er brachte stattdessen eine Managerin der Österreichischen Bundesbahnen ÖBB ins Gespräch. Doch auch gegen sie gab es Widerstand.

Jetzt sieht es so aus, als sei an dieser Patt-Situation die gesamte Umstrukturierung gescheitert. Eigentlich hatten Scheuer und Bundesfinanzminister Olaf Scholz die Finanzierungsfragen bei der Bahn bis zur Aufsichtsratssitzung klären wollen. Ob dies angesichts der Streitigkeiten noch gelingen kann, ist unklar. Aufsichtsratschef Michael Odenwald jedenfalls war in den vergangenen Wochen zunehmend verärgert über die Einmischung der Politik in die Bahn-Angelegenheiten.

Die aktuellen Querelen wecken Erinnerungen an die verfahrene Situation im Aufsichtsrat 2017 nach dem Rücktritt des damaligen Bahn-Chefs Rüdiger Grube. Auch seinerzeit waren Vertreter von Union und SPD im Rat tief zerstritten.

Ein Sprecher der Bahn wollte sich zur aktuellen Lage nicht äußern.

insgesamt 56 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
muekno 08.03.2019
1. Der Mann ist nicht mehr ganz dicht
statt die enormen Misstände anzugehen noch mehr Geld an noch mehr unfähige Vorstände zu verpulvern. Was sollen die dann tun für unverschämt viel Geld ab und zu dumm daherreden ohne Ahnung ohne Plan. Nicht zu vergessen Nebenkosten Büro, Sekretärin, Dienstwagen (Oberklasse versteht sich) Chauffeur etc. Hauptsache auch Staats- und Kundenkosten sich selbst und ein paar Spezis bereichern. Aber dass 2018 doppelt soviel Fernzüge ausgefallen sind als 2017 und das 2019 vermutlich noch schlimmer wird macht ja nichts. Ein zusätzlicher Vorstand kostet vermutlich mehr als 3 dringend benötigte zusätzliche Lokführer.
radnabe 08.03.2019
2. Einmischung der Politik
die Bahn soll froh sein, über die Einmischung der Politik. Alles, was bei der Bahn gut funktioniert, kann über politischen Druck. z. B. die Bahncard. Jahre später hat die Politik deren Anschaffung verhindert. die Politik hat die Stilllegung vieler Nebenstrecken verhindert (leider nicht genug) und für ein Preissystem gesorgt, das die Bahn von einem Rekord zum nächsten führt.
der Pöter 08.03.2019
3. Dieser marode Verein
gehört dem Staat weggenommen. Man sieht doch, daß es so auch nicht funktioniert.
Alias iacta sunt 08.03.2019
4. Der Wahn ist in der Deutschen Bahn
Wieder mal eine Posse von: Richard Lutz, Andreas Scheuer und Ronald Pofalla.
bahnfrank 08.03.2019
5. Unendliche Geschichte DB AG
Ja das ist schon schlimm, wenn unfähige Mangager einen Konzern führen sollen. Mit der Übernahme der DR und der Entlassung 1000 guter Einsenbahn- Ingenieure war und ist der Verfall der Bahn nicht aufzuhalten. Die Geschichte der Bahn ist historisch gewachsen, das ALLE Bereiche dem "Verkehr" zuarbeiten. Na die EU - Spaltet die Bahn auf, um mehr Wettbewerb auf die Schiene zu bringen. Was nun von diesen fachlichen Nichtswisser angerichtet wurde ist ja deutlich zu sehen. Dann kommen die anderen hinzu, Mehdorn, der Eigentlich ins Gefängnis gehört weil ein gute Freund von Schröder. Also die Bahn wird nix mehr, nicht ein studierter Eisenbahner im Vorstand. Nun rächt sich die Arroganz und Ignoranz der politischen Kaste. Was hat ein Profalla da zu suchen? Schönefeld läßt grüßen. Also die Frage des Vorstandes der Bahn: Wie kann ich noch mehr Geld vom Staat bekommen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.