Ex-Kanzleramtschef Pofalla rückt in Bahn-Vorstand auf

Vom Cheflobbyisten zum Vorstandsmitglied: Ronald Pofalla steigt im August bei der Bahn auf. Der Aufsichtsrat hat zugestimmt. Der Vorstand selbst schrumpft von acht auf sechs Mitglieder.

Bahn-Cheflobbyist Pofalla: Bald verantwortlich für Recht, Regeltreue, Datenschutz und Konzernsicherheit
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Bahn-Cheflobbyist Pofalla: Bald verantwortlich für Recht, Regeltreue, Datenschutz und Konzernsicherheit


Weniger Chefs und mehr Macht für einen Ex-Politiker: Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn hat strukturellen und personellen Veränderungen im Konzern zugestimmt.

Zum 1. August schrumpft der Vorstand von derzeit acht auf sechs Mitglieder. Neu in der Führungsriege ist der frühere Chef des Kanzleramts, Ronald Pofalla. Er soll bei der Bahn die Bereiche Recht, Regeltreue, Datenschutz und Konzernsicherheit verantworten.

Außerdem behält er seine bisherige Aufgabe bei der Bahn: die Kontaktpflege zu Politikern im Bund und bei der EU in Brüssel. Pofalla gilt als aussichtsreicher Anwärter auf die Nachfolge von Bahn-Chef Rüdiger Grube. Dessen Vertrag läuft bis Ende 2017.

In den Vorstand rückt zudem der bisherige Fernverkehrschef Berthold Huber auf, der den Personenverkehr sowie die Güterbahn übernimmt. Nicht mehr im Vorstand sind der bisherige Personenverkehrschef Ulrich Homburg, Technikchefin Heike Hanagarth sowie Gerd Becht, bisher für Datenschutz, Regeltreue und Konzernsicherheit zuständig. Der bisherige Vorstand für Transport und Logistik, Karl-Friedrich Rausch, geht etwas früher als geplant in den Ruhestand.

Wettbewerbsfähiger und profitabler

Allein in der Zentrale will die Bahn den Angaben zufolge bis 2020 rund 700 Millionen Euro sparen. Das umfasst demnach aber bereits beschlossene Maßnahmen von 610 Millionen Euro. "Wir handeln, weil ein verschärfter Wettbewerb, zunehmende Regulierung und zu schnell steigende Kosten derartige Veränderungen erfordern", sagte Grube.

Künftig soll sich auch die Konzernstruktur ändern. Darüber entscheide der Aufsichtsrat aber erst im Dezember, hieß es. Ziel des Umbaus: Die Bahn soll schneller und effizienter werden, Entscheidungs- und Kommunikationswege verkürzt werden - damit der Konzern wettbewerbsfähiger und profitabler wird.

Bei der geplanten Reform der Konzernstruktur soll es nach Darstellung aus dem Unternehmensumfeld vor allem darum gehen, den bisherigen Teilkonzern DB Mobility Logistics aufzulösen. Dort sind die Geschäftsfelder für Personen- und Güterverkehr zusammengefasst.

Die Lage bei der Bahn ist angespannt: In den vergangenen Jahren sanken die Gewinne, der Umsatz stagnierte. Von mittelfristigen Wachstumszielen musste sich Grube bereits verabschieden. Für das erste Halbjahr 2015 wird beim Ergebnis mit einem Rückgang gerechnet - die Bahn legt die Zahlen an diesem Dienstag vor.

Im Fernverkehr hatte die Bahn die Konkurrenz der Fernbusse lange unterschätzt, dazu kommen die Billigflieger und günstige Spritpreise fürs eigene Auto. Auch beim Schienengüterverkehr läuft es nicht gut.

kpa/dpa

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