Bahn-Vorstand Pofalla schmeißt "einen Verantwortlichen nach dem anderen raus"

Ronald Pofalla regiert durch bei der Deutschen Bahn. Nach SPIEGEL-Informationen drängt der frühere Kanzleramtschef einen Manager nach dem anderen zum Rücktritt - die Kollegen sind alarmiert.

Ronald Pofalla
DPA

Ronald Pofalla


Die rigide Personalpolitik des Deutsche-Bahn-Vorstands und ehemaligen Kanzleramtschefs Ronald Pofalla (CDU) sorgt im Konzern für zunehmende Unruhe.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 18/2016
Wie Männer länger leben können.

Ende Juni verlässt nun auch die renommierte und intern sehr geschätzte Leiterin der Rechtsabteilung, Marianne Motherby, das Unternehmen. Dass Pofalla in einer internen E-Mail schrieb, Motherby lege ihre Funktion auf "eigenen Wunsch nieder" und scheide in "bestem Einvernehmen" aus, wurde von vielen Mitarbeitern mit Kopfschütteln quittiert. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

"Wir erleben hier eine beispiellose Aktion Morgenröte", sagt ein Insider. Pofalla sei auf Samtpfoten zur Bahn gekommen und zeige nun offenbar sein wahres Gesicht. Er sichere seine Macht wie ein Minister ab und werfe einen Verantwortlichen nach dem anderen raus.

Pofalla gilt neben Infrastrukturvorstand Volker Kefer als aussichtsreichster Kandidat für die Nachfolge von Konzernchef Rüdiger Grube. Auch vorherige Personalentscheidungen des Intimus von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) waren intern auf Kritik gestoßen. So sägte Pofalla kürzlich die langjährige Umweltchefin der Bahn ab, um seinen früheren Büroleiter im Kanzleramt, Andreas Gehlhaar, zu ihrem Nachfolger zu machen. Gehlhaar war bislang nicht als Umweltexperte aufgefallen.

Ebenfalls fragwürdig fanden Kollegen die Ablösung des Sicherheitschefs: Gerd Neubeck, ehemaliger Vizepräsident der Berliner Polizei und Honorarprofessor, war weit über den Konzern hinaus anerkannt.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

Was im neuen SPIEGEL steht, erfahren Sie immer samstags in unserem kostenlosen Newsletter DIE LAGE, der sechsmal in der Woche erscheint - kompakt, analytisch, meinungsstark, geschrieben von der Chefredaktion oder den Leitern unseres Hauptstadtbüros in Berlin.



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 110 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ossifriese 29.04.2016
1. Vitamine und Bananen
Was soll's! Er hat eben von seiner Ex-Chefin gelernt, wie man es machen muss. Jeder oder jede, der oder die irgendwie dem eigenen Posten und dem Vorwärtskommen "gefährlich" werden könnte, muss weg. Und mit loyalen Leuten ersetzt werden. Wunder sich da jemand? So ist das in unserer B-Republik.
stefan.martens.75 29.04.2016
2. Sowas sollte verboten sein!
Das besetzen von hochdotierten Staatsposten mit Freunden und Bekannten ist schlicht amoralisch und anrüchig. Insbesondere wenn die Qualifikation vollkommen fehlt.
mat_1972 29.04.2016
3.
Tja... Wir tuen immer so überheblich, als wären wir die Vorzeigenation schlechthin.... Aber unter der Fassade ist dieses Land eine Bananenrepublik wie viele andere auch.
coxeroni 29.04.2016
4.
Ja, ja, da sieht man wieder mal was praxisfremde Politiker im wahren Leben des Wirtschaftslebens anrichten. Weder in der Politik noch in der Wirtschaft je ein PS auf die Straße gebracht und Erfolge nachgewiesen, sucht dieser Dünnbrettbohrer wie in der Politik gelernt immer die Schuld bei anderen. Unglaublich! Das einzig positive ist, dass seine Unfähigkeit in Wirtschaftsunternehmen (in der die Leistung knallhart in Zahlen, Daten Fakten gemessen werden) eher früher als später offensichtlich werden. Hier kann er sich nicht so leicht hinter Nebelkerzen verstecken. Was dabei rauskommt, wenn Politiker sich in der richtigen Welt der Wirtschaft versuchen, kann man z.B. auch sehr schön an der "Erfolgsstory" von Rainer Koch bei Bilfinger nachverfolgen.
noalk 29.04.2016
5. Vetterleswirtschaft ...
... mit Geschmäckle. Ich denke mal, Transparency International hat Pofalla schon auf dem Kieker. Schöne Grüße aus der korrupten Bananenrepublik Deutschland.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.