Ex-Bahn-Chef Grube Mit 2,3 Millionen Euro den Abschied versüßt

Lukrativer Abgang für den Bahn-Vorstand Rüdiger Grube. Der Manager schmiss im Januar 2017 seinen Job hin - und erhielt nach SPIEGEL-Informationen zum Abschied eine Millionenzahlung.

Rüdiger Grube
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Rüdiger Grube war im Jahr 2017 nur die ersten 30 Tage Chef der Deutschen Bahn - und erhielt vom Staatskonzern für diesen Zeitraum trotzdem mehr als zwei Millionen Euro. Grubes Bezüge beliefen sich nach SPIEGEL-Informationen im vergangenen Jahr insgesamt auf 2,328 Millionen Euro, wie interne Unterlagen der Bahn zeigen. Der größte Teil der Zahlung an Grube bestand demnach in einer Abfindung in Höhe von 2,251 Millionen Euro. Eine Bahn-Sprecherin verwies auf Anfrage auf die Bilanz-Pressekonferenz in der kommenden Woche. Zuerst hatte der "Tagesspiegel" über die Zahlung berichtet.

Grube war am 30. Januar 2017 völlig überraschend von seinem Posten als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bahn zurückgetreten, nach etwa acht Jahren im Amt. Eigentlich sollte an diesem Tag der Vertrag des Managers verlängert werden. Doch Grube und der Aufsichtsrat des Staatskonzerns konnten sich über die Modalitäten nicht einigen. Der Manager schmiss hin - für ihn wohl keine leichte Entscheidung, Bahn-Chef soll sein Traumjob gewesen sein.

Finanziell hingegen stellte sich Grube durch seinen Rückzug kaum schlechter als in den Vorjahren. 2016 hatte er laut Geschäftsbericht etwa 2,6 Millionen Euro verdient, 2015 etwa 1,4 Millionen. Grube erhielt für einen Monat Arbeit in 2017 auch mehr Geld als sein Nachfolger Richard Lutz, der in dem Jahr insgesamt 1,909 Millionen Euro verdiente.

"Unserer Verantwortung bewusst sein"

Zuletzt hatte das Gehalt von VW-Chef Matthias Müller eine Diskussion über die Bezahlung von Managern ausgelöst. Müller hatte 2017 etwa zehn Millionen Euro bekommen. Der Konzern begründet dies mit der guten Geschäftsentwicklung. Gleichzeitig steht Volkswagen wegen der Diesel-Affäre unter Druck. Aus der Politik kam heftige Kritik: Der neue Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) rügte die VW-Konzernspitze. "Dieses Geld hätte man besser in einen 'Entschuldigungs-Fonds' legen können unter dem Motto: Wir haben verstanden!", sagte Scheuer der "Bild"-Zeitung. Er habe "nach den Abgas-Skandaljahren eine höhere Sensibilität gerade der Top-Manager in Wolfsburg erwartet".

Grube selbst hatte im Dezember 2017 zu hohe Managergehälter kritisiert. Es sei völlig in Ordnung, wenn Chefs großer Konzerne gut honoriert würden, sagte er dem "Hamburger Abendblatt". "Aber inzwischen ist in manchen Unternehmen das richtige Maß verloren gegangen", so Grube. Und weiter: "Wir sollten uns lieber alle unserer Verantwortung bewusst sein, was wir mit überzogenen Gehältern schüren."

Nach seinem Rücktritt bei der Bahn hat Grube mehrere neue Aufgaben übernommen. Er ist Chef des Aufsichtsrats der Hamburger Hafengesellschaft HHLA, Chairman bei der Investmentbank Lazard und er gründete eine Beratungsgesellschaft.

insgesamt 28 Beiträge
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ptb29 17.03.2018
1. Warum nicht ein hohes Honorar?
Das Berichtenswerte ist doch, dass er als Manager gekündigt hatte, weil ein politisch motivierter Aufsichtsrat Absprachen nicht eingehalten hat. Schließlich will der ausgewiesene Bahnspezialist Pofalla den Chefposten. Zum Glück hat dieser Schachzug nicht geklappt.
citizen01 17.03.2018
2. Tja, Verträge müssen eingehalten werden. Steht wohl so drin.
Außerdem ist in diesen Etagen Großzügigkeit immer angebracht, man sieht sich ja so oft in anderen Gremien. 2,3 Mio entsprechen übrigens den Kosten für mind. 23 normale Arbeitsplätze, 10 Jahre lang.
Stäffelesrutscher 17.03.2018
3.
Könnte SPON mal, nur so zum Vergleich, berichten, welche Abfindung normale Bahnmitarbeiter bekommen, wenn sie selbst kündigen? Und könnte SPON mal normale Bahnmitarbeiter - die bei Wind und Wetter mit renitenten Rentnern, besoffenen Schlachtenbummlern, maroder Technik (Klimaanlagen!), umstürzenden Bäumen, umgekehrten Wagenreihungen, ausfallenden Speisewagen und ähnlichen Dingen zu tun haben - befragen, was sie von Herrn Grubes Attitüde »Ich habe keinen Bock mehr« gehalten haben und jetzt über seine Abfindung denken?
Idinger 17.03.2018
4. Na und?
Er hat doch auch zuletzt ein ordentliches Ergebnis des Unternehmens vorgelegt - ja gut, wenn auch mit enormer Hilfe des Steuerzahlers. Den Bundesfinanzminister so auszunehmen, verdient doch Anerkennung - selbst wenn man den für die Bahnfinanzierung zuständigen Staatssekretär dieses Ministeriums anschließend als Bahn-Vorstandsmitglied unterbringen muss. .
hardy.stiefel 17.03.2018
5. Eine Abfindung...
... wie im Beitrag beschrieben ist, bezieht immer mehrere Abrechnungszeiträume mit ein. Es ist aber interessanter, mit einer hohen Zahl zu schreiben, als dass jemand diese Abfindung auf die Jahre umlegen könnte. Wie ein Fussballtrainer auch, hat ein Vorstandsvorsitzender einen Zeitvertrag. Und der muss, wiederum wie bei Fussballtrainer, finanziell ausgeglichen werden. Die Höhe entscheidet der Vertrag. Bei der Bahn wie beim Fussball.
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